Habeck im Nahen Osten Im Mittelpunkt steht die Energiekrise

Datum: 6.6.2022 19:46 Uhr

Wirtschaftsminister Habeck ist in Israel. Im Mittelpunkt der Reise steht das Thema Energieversorgung. Israel hat zwar Gas, aber es kann Deutschland nicht nur kurzfristig helfen.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD Studio Tel Aviv

Wo der Bundeswirtschaftsminister und der Vizekanzler in diesen Tagen und Wochen unterwegs sind, begleitet ein Thema: Deutschlands Energieversorgung. So war es auch am ersten Tag von Robert Habecks Reise in den Nahen Osten, bei seinen Gesprächen mit Israels politischer Führung.

In Jerusalem hatte er einen Gesprächstermin mit der Wirtschafts- und Industrieministerin Orna Barbivai und der Energieministerin Karine Elharrar. Er traf sich aber auch mit Außenminister Yair Lapid und zunächst mit Premierminister Naftali Bennett.

Gaslieferungen nach Deutschland sind schwierig

Einerseits ist Israel in der glücklichen Lage, große Gasreserven an seinen Küsten zu haben. Finanzierungsmöglichkeiten und Infrastruktur sind jedoch nicht darauf ausgelegt, Deutschland in der aktuellen Krise in der Ukraine zu helfen.

„Ich habe deutlich gemacht, dass Deutschland jetzt Erdgas braucht, um sich von der russischen Versorgung zu diversifizieren, aber mittelfristig weniger“, sagte Habeck. „Eine Infrastruktur, die in sieben oder neun Jahren fertig ist, ist wirklich überflüssig, weil Deutschland fossile Brennstoffe sehr schnell abbaut.“

Wirtschaftsminister Habeck reist im Rahmen einer Nahostreise nach Israel

Christian Limpert, ARD Tel Aviv, Daily News um 16:45 Uhr, 6.6.2022

In der Übergangszeit könnte jedoch eine Gaspipeline helfen, über die Israel bereits Gas nach Ägypten pumpt: „Dort gibt es ein LNG-Terminal. Wenn Sie israelisches Gas über Ägypten landen können, wenn die Kapazität ausreicht, wäre das so.“ eine kurzfristige Hilfe”, sagt Habeck. „Langfristig wird sich die Zusammenarbeit mit der MENA-Region, also mit Nordafrika, mit dem arabischen Raum vor allem auf erneuerbare Energien konzentrieren.“

Die aktuelle Krise wird am Mittwoch erneut zum Problem, wenn Habeck an einer Konferenz zu den Staaten Nordafrikas und der arabischen Welt in Jordanien teilnimmt, bei der es um Energiewende und Klimaschutzprojekte geht. Im Rahmen der Veranstaltung sind unter anderem auch Gespräche mit zwei ägyptischen Ministern geplant.

Situation der Palästinenserfrage

Der Vizekanzler will sich morgen nach dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Bild von der Lage in den palästinensischen Gebieten im Westjordanland machen. Habeck sprach die humanitäre Lage dort mit dem israelischen Ministerpräsidenten Bennett an: “Ich habe wiederholt erklärt, dass sich die Situation in den Palästinensern und in den palästinensischen Gebieten verbessern muss.”

Der Ministerpräsident sagte, er wolle den Menschen Arbeitsrechte und Zugang zur israelischen Wirtschaft geben, sagte Habeck und räumte ein: „Einen Plan, wie der Konflikt zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten am Ende gelöst wird; wir haben ihn nur gefordert, aber wir können uns nicht gemeinsam verabschieden.”

Und so lebt Habeck ähnlich wie viele Politiker, die in der Region unterwegs sind: Eine Lösung des Nahost-Konflikts ist nicht in Sicht. Vor dem Marsch hatte er sich angesichts der Gewalt und der vielen Toten der vergangenen Wochen bescheidene Ambitionen gemacht: „Dort, soweit Deutschland kann, das Thema Eskalation wieder auf den Tisch legen. Wenn es klappt, wird es. “Sei wunderbar.”

Davon ist der Nahe Osten derzeit noch weit entfernt. Nach einer Reihe von Terroranschlägen auf Israelis kommt es im von Israel besetzten Westjordanland fast täglich zu Gewalt zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern.

Ein Thema sprach der Wirtschaftsminister nicht explizit an: den Erwerb israelischer Militärtechnologie zur Raketenabwehr in Europa. Diese Gespräche wolle er laut Habeck seiner Partnerin, Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, überlassen.

Bundeswirtschaftsminister Habeck führt politische Gespräche in Israel

Jan-Christoph Kitzler, ARD Tel Aviv, 6.6.2022 18:14 Uhr

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