Reisepässe, Kronentests, Führerscheine, E-Mail-Adressen, Bankkartendaten – alles sensible Daten der Kärntner, die letzten Freitag plötzlich für kurze Zeit im Internet für jedermann sichtbar wurden. Wie Sicherheitsexperte Sebastian Bicchi als Erster auf Twitter mitteilte, soll die Hackergruppe Black Cat insgesamt 250 GB Kärntner Daten erbeutet haben. 5,6 GB wurden geleakt und scheinen letzte Woche veröffentlicht worden zu sein. Das Land Kärnten hatte unmittelbar nach dem Hackerangriff Ende Mai versichert, dass die Täter keine Daten gestohlen hätten. Am Dienstag sah das ganz anders aus.
Sensible Daten sind real
„Wir können jetzt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bestätigen, dass es sich um Daten des Landes Kärnten handelt“, sagte Gerd Kurath, Sprecher des Landespressedienstes, am Dienstag im Gespräch mit dem KURIER. Nun müssten die Daten mit den realen abgeglichen werden. „Denn wir wissen nicht, ob Hacker die Grunddaten gefälscht haben“, erklärt Kurath. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Daten gestohlen wurden.
Neuer Pass, neues Konto
Bürgerinnen und Bürgern, die befürchten, dass Bank- oder Passdaten unter den veröffentlichten Dokumenten sind, wird geraten, sich an die Polizei zu wenden. Im schlimmsten Fall sollen Experten neue Pässe beantragen oder gar neue Accounts anlegen. „Wir gehen derzeit davon aus, dass die Pässe betroffen sind, von denen in irgendeiner Form Kopien angefertigt wurden“, sagte der Sprecher. Wann und wie die Betroffenen informiert werden, bleibt völlig offen. „Die Forensik arbeitet auf Hochtouren, aber leider braucht alles seine Zeit“, sagt Kurath.
Lange Recherche
Auch Viola Trettenbrein, stellvertretende Leiterin des Kärntner Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT), geht auf den Zeitfaktor ein: „Die digitale Forschung geht in alle Richtungen. Es dürfte sehr mühsam werden.“
Sicherheitsexperten befürchten, dass weitere Daten veröffentlicht werden, wenn das Land das Lösegeld in Höhe von 5 Millionen US-Dollar nicht zahlt. Die Antwort des Landes: Wir zahlen nicht, wir lassen uns nicht erpressen.