Stand: 09.06.2022 18:09
Tausende Beschäftigte in großen deutschen Nordhäfen sind dem Aufruf der Gewerkschaft Ver.di gefolgt und haben am Donnerstagnachmittag die Arbeit niedergelegt. Betroffen waren die Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven.
In Hamburg legten Hafenarbeiter die Abfertigung von Containerschiffen lahm. Allein in den drei Terminals des Logistikunternehmens HHLA nahmen laut ver.di knapp 1.000 Mitarbeiter teil. Beim Konkurrenten Eurogate hatte die Gewerkschaft etwa 400 Teilnehmer. „Alles bestens“, sagte er mit Blick auf die Abfertigung der Containerschiffe.
Dutzende Boote warten in der Deutschen Bucht
Der Warnstreik dürfte die ohnehin schon massiven Verzögerungen am Dock noch verstärken. Dutzende Schiffe warten derzeit auf ihre Evakuierung in die Deutsche Bucht, weil der Containertransport durch die Corona-Pandemie aus dem Ruder gelaufen ist. Allein für alle drei HHLA-Terminals liegen zehn Schiffe in Helgoland vor Anker, sagte ein HHLA-Sprecher.
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Ver.di fordert einen Inflationsausgleich und eine Stundenlohnerhöhung. Reporter Simon Ritter berichtet aus Hamburg. 2 Minuten
1.000 Hafenarbeiter in Bremerhaven im Streik Streik
Auch in Bremen und Niedersachsen wurde der Umschlag von Frachtcontainern und Autos lahmgelegt. Rund 1.000 Beschäftigte nahmen nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern am zweitgrößten deutschen Hafen in Bremerhaven teil. In der Spätschicht wurden keine Containerschiffe mehr am Flussdock be- oder gelöscht. „Die Brücken stehen alle“, sagte ein Sprecher von ver.di. Auch die Pkw-Ladung war betroffen.
Ver.di fordert “echten Inflationsausgleich”
Angesichts der allgemeinen Inflationsrate von knapp acht Prozent fordert Ver.di unter anderem einen nicht näher bezeichneten „Ausgleich der Realinflation“ und eine Erhöhung des Stundenlohns um 1,20 Euro für rund 12.000 Beschäftigte von 58 Tarifgesellschaften La Baixa. Sachsen, Bremen und Hamburg. „Das bisherige Angebot des Arbeitgebers ist völlig unzureichend“, so die Gewerkschaft. Während der Corona-Pandemie arbeiteten die Hafenarbeiter kontinuierlich an der Grenze ihrer Kapazität, teilweise sogar darüber hinaus.
AUDIO: Hafenwarnstreik (1 Min.)
Unternehmer: Die geplante Entlastung reicht
Der Arbeitgeber hat bisher zwei Erhöhungen in diesem Jahr und die nächsten 3,2 und 2,8 Prozent sowie einmalige Raten für insgesamt 600 Euro angeboten. Der Zentralverband Deutscher Seehafenbetriebe (ZDS) bestätigte, dass das Angebot zusammen mit zahlreichen von der Bundesregierung beschlossenen Erleichterungen die Inflation ausgleichen werde.
Lieferketten unterbrochen: „Warnschläge unverantwortlich“
„Wir fordern die Bundestarifkommission ver.di auf, von den Streiks abzusehen und auf Basis unseres guten ersten Angebots zu verhandeln“, sagte ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. “Jetzt Warnstreiks auszurufen, ist absolut unverantwortlich.” Aufgrund von Lieferkettenunterbrechungen auf der ganzen Welt befinden Sie sich mitten in einer absoluten Ausnahmesituation. „Von der einen Seite nähert sich uns eine große Welle von zurückgebliebenen Schiffen, auf der anderen Seite gibt es große Engpässe im Schienengüterverkehr.“
Nächste Verhandlungsrunde am Freitag
In zwei Verhandlungsrunden sind sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bislang nicht näher gekommen, die nächste Runde soll am Freitag in Hamburg stattfinden. Dann wollen die Hafenarbeiter wieder demonstrieren, rund um den Barmbeker Bahnhof.
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Dieses Thema im Programm:
NDR 90,3 | NDR 90,3 aktuell | 09.06.2022 | 5.00.