Sebastian Wendel und Michael Wegmann
Der Mann hat 87 Länderspiele mit der Schweiz absolviert, zahlreiche nationale und internationale Duelle mit Basel und GC bestritten und Auslandserfahrungen in Frankreich, Deutschland und der Türkei gesammelt. Doch aus Sicht einer Jury des Schweizerischen Fußballverbandes ist Hakan Yakin noch nicht fit für eine Karriere als Profitrainer, weshalb ihm der Zugang zum Lizenzlehrgang UEFA Pro verwehrt wurde.
Natürlich ist ein guter Spieler nicht automatisch ein guter Trainer. Überraschend ist allerdings, dass jemand wie Hakan Yakin nicht einmal zur höheren Trainerausbildung zugelassen wird, obwohl er alle bisherigen Diplomlehrgänge absolviert und bestanden hat.
Nationale Teilnehmer werden ebenfalls nicht zum Kurs zugelassen
Mit der Reportage zum Thema «Trainerausbildung» hat Blick in den letzten Tagen ein Wespennest gehauen. Von beiden Seiten seien zahlreiche Reaktionen eingegangen: Es fühle sich an, als würde nach dem Training „am offenen Herzen operiert“, sagt ein Trainer, „es geht nicht um Leben und Tod, es geht nur um Fußball.“ . Ein anderer hingegen hält die strengen Kriterien für die Zulassung zur Uefa-Pro-Lizenz und die Auswahl ungeeigneter Kandidaten für gerechtfertigt: Schließlich sei ein Trainer nicht mehr nur für den Sport verantwortlich, sondern auch für die Interviewpartner, Vereinsvertreter, Krisen Manager und Psychologen. Viel problematischer findet er es, dass Hinz und Kunz ohne Vorlage von Diplomen in das Amt des Sportdirektors und Präsidenten aufgenommen werden. Und sie sind es, die über das Schicksal der gut vorbereiteten Trainer entscheiden.
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Auch Vincent Cavin, Co-Trainer der Nationalmannschaft, möchte so schnell wie möglich die Uefa-Pro-Lizenz erwerben. Allerdings wird er sich wohl erst nach dem nächsten in der Schweiz in den Kurs einschreiben können, weil er weniger als zwei Jahre Erfahrung als Co-Trainer hat und weil der Job als Co-Trainer noch nicht als Aufnahmebedingung aufgeführt ist.
„Es wäre keine gute Idee“: Deshalb wurde Hakan Yakin nicht Murats Nationalassistent (07:28)
Hockeytrainer kann jeder werden
Wer den Uefa Pro-Kurs in der Schweiz absolvieren möchte, braucht neben der Berufserfahrung die Empfehlung des Ausbilders, bei dem er sein bisheriges A-Diplom absolviert hat. Nur mit dieser Empfehlung wird man in die Evaluation aufgenommen, bei der aus allen Anmeldungen zwölf Teilnehmer für den alle zwei Jahre stattfindenden Kurs ausgewählt werden. Die Prüfung umfasst eine schriftliche Prüfung, eine Präsentation einer konkreten Aufgabenstellung und eine mündliche Anhörung.
Wer in der Schweiz einen Profi-Eishockeyverein ausbilden will, braucht dagegen weder eine Ausbildung noch ein Diplom. Theoretisch könnten Yakin und Cavin morgen beim SC Bern oder den ZSC Lions starten.
Sind diese Einschränkungen für den Fußball gerechtfertigt? „Teilweise ja“, sagt Rechtsanwalt für Arbeits- und Sportrecht Dr. Martin Kaiser. „Dass Fußballtrainer ein Diplom haben müssen, erscheint vernünftig und im Interesse des Sports. Wenn Sie ein Restaurant eröffnen möchten, benötigen Sie auch eine Hotelierlizenz. Oder einen Taxiführerschein.“ Kaiser seinerseits bezeichnet die Zulassungsbeschränkungen zum Uefa-Pro-Lehrgang als rechtlich heikel: „Hier stellt sich die Frage nach der rechtlichen Gleichstellung und Verhältnismäßigkeit.“ Wenn nicht ein international erfolgreicher Fußballer wie Hakan Yakin, wer hat das Talent und die Werkzeuge für eine Trainerkarriere? Mit anderen Worten, wenn einer Person ohne Fußballhintergrund der Zugang zu einem Uefa Pro-Diplom verweigert wird, ist das verständlich. Weniger für erfolgreiche alte Fußballer. „Außerdem gibt es einen Kurs, um Kandidaten weiterzubilden und Defizite zu verbessern“, sagt Kaiser.
Anwalt: „Kann kartellrechtlich problematisch sein“
Letztlich stellt sich in der Praxis heraus, ob ein Coach wie in jedem anderen Beruf am Markt überlebt oder nicht. Im Ausbildungssystem des Schweizerischen Fussballverbandes entscheidet jedoch manchmal die Meinung einer Fachjury, ob auch ein Trainer Zugang zu einer höchstmöglichen Ausbildung hat. „Wer eine Ausbildungsstufe erfolgreich absolviert hat, sollte grundsätzlich zur nächsten zugelassen werden“, sagt Kaiser, „aber wenn die Zulassung nur auf einer subjektiven Meinung beruht, ist die rechtliche Gleichstellung gefährdet, was im schlimmsten Fall dazu führen kann willkürliche Entscheidungen. „Der Bund hat ein Monopol, zu entscheiden, wer coachen darf. Das kann auch kartellrechtlich problematisch sein“, sagt Kaiser.
Was, wenn eines Tages ein abgelehnter Kandidat auf die Teilnahme an einem Kurs klagen will? Kaiser: „In diesem Fall sollte der Verband sachlich nachvollziehbar darlegen, warum es konkreter Zulassungshindernisse bedarf und warum der abgelehnte Bewerber ausbildungs- oder berufsuntauglich ist.“
Der Schweizerische Fussballverband sieht keinen Anlass, am bestehenden Trainersystem etwas zu ändern. Reto Gertschen, Leiter der Abteilung Trainerausbildung, sagt: «Von einer Lockerung der Aufnahmekriterien ist heute keine Rede mehr.»
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