Im Zuge der Energiespardebatte in Deutschland fordert die Deutsche Energie-Agentur (Dena) Hausbesitzer dazu auf, digitale Thermostate für Heizkörper einzubauen. „Digitale Thermostate und Messsysteme müssen in großem Maßstab konzertiert eingesetzt werden“, sagte Dena-Chef Andreas Kuhlmann. Dies sollte sofort geschehen, damit in der nächsten Heizsaison genügend Wohnungen versorgt werden.
Der Schlüssel zu deutlichen Heizenergieeinsparungen liegt in der mit dieser Technologie geschaffenen Transparenz, erklärte Kuhlmann. Die dena schätzt das Einsparpotenzial bei diesen Geräten auf rund 10 Prozent. Die Anschaffungs-, Einbau- und Nutzungskosten sollten jedoch nicht auf Mieter und Nutzer umgelegt werden. „Hausbesitzer und Heizungsbetreiber sollten dazu gesetzlich verpflichtet werden“, forderte Kuhlmann eine sofortige Gesetzesänderung. Flankiert werden könnte ein Förderprogramm, das die Anschaffungskosten bis Ende des Jahres zur Hälfte und bis 2023 zu 25 Prozent übernimmt.
Niedrigste Mindesttemperatur
Die dena kritisiert die zuletzt diskutierte Kürzung der gesetzlich vorgeschriebenen Temperaturabsenkung in Mietwohnungen. Der Vorschlag sei „verbraucherfeindlich“ und untergrabe auch die Akzeptanz der Energiewende. Andererseits ist es sinnvoll und umsetzbar, um die Temperatur in öffentlichen Einrichtungen, Verwaltungen, im Freizeitbereich oder im Einzelhandel zu senken.
Zuvor hatten sich unter anderem die Wohnungswirtschaft, ein Kommunalverband und die Bundesnetzagentur für niedrigere Mindesttemperaturvorgaben in Wohnungen ausgesprochen, um auf Engpässe zu reagieren und Gas zu sparen. Eine Mindesttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius im Winter sollte gewährleistet sein. Der Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) stellte eine Untergrenze von bis zu 18 Grad tagsüber und 16 Grad nachts in Frage.
Garantierte Gasversorgung
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar gelten die Gaslieferungen aus Russland nach Europa als gefährdet. Seitdem versuchen Deutschland und andere europäische Länder, ihre Abhängigkeit von Russland zu verringern, indem sie mehr Gas von anderen Ländern kaufen. Im Zuge dessen wird viel darüber diskutiert, wie noch mehr Energie eingespart werden kann, insbesondere beim Heizen. Nach Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heizen bis 2021 50 Prozent der Deutschen mit Gas und 25 Prozent mit Öl.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die Lage als ernst, auch mit Blick auf die zuletzt reduzierten Lieferungen des russischen Zulieferers Gazprom. Nach Angaben seines Ministeriums ist die sichere Versorgung mit Gas weiterhin gewährleistet. „Aktuell sind die Mengen am Markt zu erwerben, wenn auch zu hohen Preisen. Es wird derzeit noch gelagert“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage der dpa. Laut Bundesnetzagentur ist das Gas trotz des reduzierten Volumens “zum jetzigen Zeitpunkt per Saldo noch leicht speicherbar”. Deutschlands größter Speicher in Rehden ist derzeit voll ausgelastet. Der aktuelle Speicherstand in Deutschland liegt bei 55,95 Prozent.
(axk)
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