Heizung, Lebensmittel, Reisen – Preisschocks und Inflation sind so schlimm

Der Vergleichsdienst Comparis hat zusammen mit dem Wirtschaftsforschungszentrum KOF der ETH Zürich einen neuen Konsumentenpreisindex entwickelt. Insbesondere eine Schweizer Region muss ihr Portfolio vertiefen.

Florence Vuichard / Mittelch

Beim Tanken, im Supermarkt, auf Reisen: Die Inflation ist deutlich spürbar. Alles kostet mehr und gefühlsmäßig vielleicht etwas mehr als die offiziellen Inflationszahlen, die das Statistische Bundesamt monatlich mit dem Landesindex der Verbraucherpreise (LIK) vorlegt.

Urlaub ist teurer geworden: Das merken vor allem kinderlose Paare.Bild: Rollladen

Deshalb hat der Vergleichsdienst Comparis nun in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforschungszentrum KOF der ETH Zürich einen neuen Preisindex entwickelt, der die „gefühlte Inflation“ berechnet und ebenfalls monatlich veröffentlicht.

Und tatsächlich: Die Inflation lag laut diesem neuen Index im Juni bei 1,4 % gegenüber Mai und nicht „nur“ bei 0,5 %, wie der Landesindex der Verbraucherpreise zeigt. Gegenüber Juni 2021 stiegen die Preise laut Comparis-Index nicht um 3,4, sondern um 5,6 Prozent.

So fühlt sich Inflation an:

“Die Preise sind hier wirklich gestiegen”

Der grosse Unterschied zwischen den beiden Indizes besteht darin, dass die «Inflationspuffer» aus der Comparis-Rubrik entfernt wurden. Dabei handelt es sich um Mieten und „langlebige Güter“, also Anschaffungen, die nur sporadisch getätigt werden, wie Autos, Möbel, Waschmaschinen oder Uhren.

Die „gefühlte Inflation“ ist also etwas höher als die übliche Preissteigerung. Auch bei einzelnen Ausgabenpositionen gibt es kleinere zahlenmäßige Unterschiede zwischen den beiden Berechnungsmethoden.

Grundsätzlich kommen aber beide Berechnungsmethoden zum gleichen Ergebnis: Den größten Preisanstieg gab es im Juni bei Mietwagen. „Hier sind die Preise stark gestiegen, vor allem wegen der hohen Nachfrage und zu wenig Fahrzeugen“, sagt Comparis-Experte Michael Kuhn. In beiden Indizes liegen nach wie vor Treibstoffpreise und Pauschalreisen auf den Plätzen zwei und drei.

Am stärksten betroffen sind Doppelverdiener ohne Kinder

Nicht alle Haushalte spüren den Preisanstieg gleichermaßen. Und für einmal betrifft es weder Familien noch Rentner. Im Gegenteil: Gemäss Comparis ist die oft wirtschaftlich privilegierte Kategorie der kinderlosen Paare im erwerbsfähigen Alter am stärksten betroffen.

Wie sich die Inflation für verschiedene Haushalte anfühlt:

Die gefühlte Inflation lag im Juni bei 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kurz gesagt, die größte Sorge gilt dem Lebensstil dieser Doppelverdiener-Paare ohne Kinder, wie Kuhn erklärt. „Sie haben oft höhere Ausgaben für Autos oder Motorräder und reisen mehr – steigende Mobilitätskosten treffen sie stärker.“

Der Besuch der Zapfsäule ist deutlich teurer geworden Bild: Schlüsselanhänger

Den geringsten Inflationsdruck verspüren Einpersonenhaushalte über 65 mit einem relativ bescheidenen Plus von 4,6 %.

Das autoreiche Tessin und die Folgen

Es gibt auch geografische Unterschiede bei der wahrgenommenen Inflation. Am härtesten traf der Preisschock die italienische Schweiz mit einem Plus von 6,4 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Das ist deutlich mehr als in der Deutschschweiz oder Westschweiz, wo die entsprechenden Werte bei 5,4 beziehungsweise 5,9 Prozent liegen.

Und auch hier liegt die Lösung des Rätsels vor allem in der Mobilität: «Das Tessin hat eine der höchsten Autodichten der Schweiz», sagt Kuhn. Dadurch fallen die Mobilitätskosten in der Südecke stärker ins Gewicht. «Außerdem gibt es im Tessin überdurchschnittlich viele Ein- und Zwei-Personen-Haushalte, die wiederum stärker von der wahrgenommenen Inflation betroffen sind.» (bzbasel.ch)

Warum Sie von der Inflation betroffen sind und was der Leitzins damit zu tun hat – kurz erklärt

Video: Watson

Das könnte Sie auch interessieren:

Als Opfer des schweren Verkehrsunfalls an der Axenstrasse vom Sonntagnachmittag wurde ein 63-jähriger Mann aus dem Kanton Zürich identifiziert.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *