Hier in Berlin müssen zusätzliche kostenpflichtige Parkflächen geschaffen werden

Parkraumbewirtschaftung: Hier in Berlin werden mehr kostenpflichtige Parkflächen geschaffen

Ds 09.07.22 | 8:12 Uhr | Von Nico Hecht

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Bild: dpa / Gerald Matzka

Der Berliner Senat will die Parkraumbewirtschaftung vor allem in der Innenstadt ausbauen. Das soll helfen, Parkplätze zu bekommen, aber auch die Verkehrswende vorantreiben. Wie weit ist die Hauptstadt von ihm entfernt? Von Nico Hecht

Der interaktive Stadtplan zur Parkraumbewirtschaftung auf der Website der Berliner Verkehrssenatsverwaltung zeigt viele Freizonen. Es gibt auch viele Innenstädte, in denen Autofahrer früher kostenlos geparkt haben. Das wird sich vor allem auf dem S-Bahn-Ring ändern. In den verschiedenen Bezirken wird es jedoch unterschiedlich schnell gehen.

Bild: rbb

In Tempelhof-Schöneberg ist das Parken bis 2023 im gesamten S-Bahn-Ringbereich flächendeckend kostenpflichtig. Das sei ein engagiertes, aber erklärtes Ziel, sagt ein Kreissprecher. Dafür werden in diesem und im nächsten Jahr insgesamt acht neue Parkraumbewirtschaftungsgebiete innerhalb des S-Bahn-Rings Tempelhof-Schöneberg ausgewiesen. Zudem wird das Parken in einem weiteren Bereich des Tempelhofer Damms ab September gebührenpflichtig.

Potenzial für reines Anwohnerparken sieht Charlottenburg-Wilmersdorf in den Bereichen Schlossgarten, Klausenerplatz und Schloßstraße.

Pioneer Central District

Bereits 2019 hatte der Senat einen Luftreinhalteplan mit dem Ziel verabschiedet, das Parken überall auf dem S-Bah-Ring gebührenpflichtig zu machen. Das ist dem Bezirk Mitte bereits seit Anfang Juli gelungen. Bis Ende des Jahres soll hier der Bezahlbereich um den S-Bahn-Ring mit vier weiteren Bereichen im Wedding erweitert werden. Diese müssen zwischen August und Dezember montiert werden.

Auch in Pankow ist das Parken fast überall innerhalb der S-Bahn kostenpflichtig.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

In Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln hingegen gibt es deutlich mehr Freizonen. Im Laufe des ersten Halbjahres 2023 kommen das Areal um die Krautstraße in Friedrichshain und das Areal des Wrangelkiez in Kreuzberg hinzu.

In Neukölln wurden bisher nur die vorgeschriebenen Verkehrserhebungen durchgeführt. Sie ermittelt, wie viele Stellplätze vorhanden sind und welche Belegung vorliegt. Ab Sommer nächsten Jahres wird der Bezirk damit beginnen, kostenpflichtige Parkflächen rund um Hermannplatz, Donaukiez und Reuterkiez auszuweisen. Erst 2025 kostet das Parken in Neukölln überall in der Innenstadt.

Das dauere auch lange, weil zum Beispiel erst mit dem Bieterverfahren für die Anschaffung von Parkautomaten gerechnet werden müsse, sagt Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD). Für die Kontrolle der Parkflächen sollen Schilder angebracht und viel neues Personal eingestellt werden – mehr als 100 Mitarbeiter für Neukölln. „Es wird nicht alles auf einmal passieren“, sagt Hikel.

Berlin ist im europäischen Vergleich günstig

Kurzzeitparkplätze in Berlin müssen seit Anfang Juli zwei bis vier Euro pro Stunde bezahlen, vorher waren es ein bis drei Euro. Gut zehn Euro zahlen Nachbarn im Jahr für einen Parkausweis. Es ist so billig, dass Neuköllns Bürgermeister Hikel sagt, er gehe davon aus, dass niemand daran denke, das Auto loszuwerden. „Deshalb wird die Parkplatzverwaltung in Neukölln die Parkplatzsuche nicht einfacher machen“, sagt er.

Mobilitätsforscher Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sagt, andere Städte würden deutlich höhere Preise verlangen, um Effekte zu erzielen. Führend in Europa ist Oslo. Dort kostet der Parkausweis für Anwohner knapp 900 Euro im Jahr. “Die Leute spüren das. Das Auto ist dort abgeschafft”, sagt Canzler. Und es erreicht den Effekt, dass nicht alle Autos im öffentlichen Raum abgestellt werden, sondern private Stellplätze dafür angemietet werden.

Aber auch in anderen deutschen Städten ist das Parken deutlich teurer. In Freiburg kostet der Parkausweis für Anwohner 360 Euro im Jahr, in Stuttgart 400 Euro.

Ab nächstem Jahr steigt der Preis auch in Berlin auf bis zu 120 Euro. Das ist eine Summe, die sich bemerkbar macht und Behinderten oder Reisenden, die wirklich auf das Auto angewiesen sind, nicht schadet, sagt Hikel.

Mobilitätsforscher Weert Canzler ist anderer Meinung. Bei höheren Parkpreisen werden auch Ausnahmen und Schwierigkeitsregeln berücksichtigt. „Natürlich sollte kein Mensch mit Behinderung auf ein größeres Auto verzichten“, sagte Canzler.

Die Steigerung in Berlin von zehn Euro im Jahr auf zehn Euro im Monat erscheint hoch. Mobilitätsforscher Canzler erwartet davon aber keinen großen Effekt.

Sendung: rbb24, 08.07.2022, 21:45 Uhr

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