Historisch-astronomischer Schatz

Hat es seine Helligkeit oder Position am Himmel verändert? Um die Sterne über längere Zeiträume zu studieren, können Astronomen jetzt durch 94.000 bis zu 129 Jahre alte Himmelsbilder navigieren: Das Webarchiv „APPLAUSE“, basierend auf der Digitalisierung und Bearbeitung archivierter Fotoplatten verschiedener Institutionen, ist jetzt verfügbar. komplett online verfügbar. Das Forschungsteam berichtet, dass die Datenbank ihr wissenschaftliches Potenzial bereits am Beispiel des ungewöhnlichen Sterns „HD49798“ gezeigt hat.

Sie wirken kaum sichtbar, weißgrau und etwas schmutzig, aber was sie zeigen, ist himmlisch: Bis zur Ära der Digitalfotografie produzierten Sternwarten fotografische Platten, die den Sternenhimmel als Negativ zeigten. Tausende davon lagern in den Archiven: Die ältesten Exemplare stammen aus der Pionierzeit der modernen Astronomie. Diese Bilder des Sternenhimmels sind nicht nur historisch interessant, sondern haben auch wissenschaftliches Potenzial. Denn sie können Sternveränderungen über mehrere Jahrzehnte hinweg dokumentieren und damit wichtige Informationen über die Geheimnisse der Sterne liefern. Aber für die moderne Astronomie, die auf digitale Datenverarbeitung angewiesen ist, sind Informationen von Fotoplatten nur schwer zugänglich.

Archiv der für die Astronomie vorbereiteten Schätze

Um dies zu ändern, startete ein Forscherteam 2012 das Projekt Archives of Photographic Plates for Astronomical USE, oder kurz „APPLAUSE“: In mehreren Schritten digitalisierten Wissenschaftler die Aufnahmen der Archive verschiedener Partnerinstitute aus den Jahren 1893 bis 1893 1998. Sie wurden dann mit Aufnahmedetails wie Datum, Himmelsausschnitt und Ort katalogisiert. Vor allem kann APPLAUS zeigen, dass es eine bestimmte Aufnahme wirklich gibt, und sie für Interessierte online zugänglich machen. Wie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mitteilt, ist das Projekt nun nach erheblichen Ergänzungen abgeschlossen und zu einem riesigen Schatz für die Astronomie geworden: insgesamt mehr als 94.000 Fotoplatten von Sternwarten in Deutschland, Estland. und der Vatikan wurde jetzt digitalisiert.

Und das bedeutet mehr als nur Fotografie: Der Forschungsverbund hat eine Software entwickelt, die mithilfe künstlicher Intelligenz Fehler auf Platten wie Kratzer oder Staub beseitigt, Aufnahmen kalibriert und Himmelskoordinaten zuordnet. Wissenschaftler erklären, dass Informationen erst durch diese Verarbeitung wissenschaftlich vergleichbar werden. Darüber hinaus hat das Team einige vorhandene Beobachtungsnotizen und Logbücher manuell transkribiert und digital aufgezeichnet. Dank dieser Informationen können historische Daten für wissenschaftliche Studien genutzt und beispielsweise Umweltparameter wie Temperatur und Beobachtungsqualität in die Auswertung der Daten einbezogen werden. Darüber hinaus veranschaulichen Erkundungen von Beobachtungsaufzeichnungen antike astronomische Arbeitsweisen und sind daher auch für Historiker interessant.

Was sich in den Aufnahmen widerspiegeln kann

Aber was genau können Astronomen auf historischen Fotoplatten erkennen? Wie die FAU mitteilt, wird dies an einem konkreten Beispiel deutlich: Auf den Fotoplatten von Dr. In der Karl-Remeis-Sternwarte in Bamberg wurde der Stern „HD49798″ in den 1960er und frühen 1970er Jahren mehrfach fotografiert. Erst jetzt wurde dank der Auswertungsmöglichkeiten von APPLAUSE deutlich, dass sich seine Leuchtkraft veränderte: Es zeigt, dass der Stern leuchtete in den Jahren 1964/65 heller und heller, um dann bis 1974 wieder schwach zu leuchten. Hinzu kamen schnelle Lichtwechsel in wenigen Tagen.

Damit könnten Langzeitinformationen aus den Fotoplattendaten die Hinweise von Satellitenmessungen ergänzen, wonach Röntgenstrahlen von HD49798 ausgehen. Es wird nun immer deutlicher, dass dieses Signal von einem unsichtbaren und sehr kompakten Begleiter des Sterns stammt, möglicherweise einem Neutronenstern. Dieses angebliche Sternenduett gilt als einzigartig, schreibt die FAU, weil bisher keine andere Konstellation dieser Art im All entdeckt wurde.

Das Forschungsteam hofft, dass seine nun vollständige Datenbank der internationalen astronomischen Gemeinschaft in den kommenden Jahren viel mehr Wissen über die Geheimnisse des Universums liefern kann. Die Wissenschaftler, die die Fotoplatten erstellten, würden sich sicherlich über ihren dauerhaften Beitrag zur Forschung freuen.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

© wissenschaft.de – Martin Vieweg

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *