„Historischer Affront“: Steinmeier bat Zelenskyj um Aufklärung wegen der Entlassung aus Kiew

Aktualisiert am 08.07.2022 um 21:42 Uhr

  • Im April erklärte die Ukraine Frank-Walter Steinmeier zur unerwünschten Person.
  • Der Bundespräsident konnte an einem Treffen in Kiew nicht teilnehmen.
  • Nun gibt es neue Details zum Verlauf eines anschließenden Treffens zwischen Steinmeier und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

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Der Skandal um die abgesagte Kiew-Reise von Frank-Walter Steinmeier scheint das Verhältnis zwischen dem Bundespräsidenten und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj stärker belastet zu haben als bisher bekannt. Wie der „Spiegel“ am Freitag berichtete, habe Steinmeier Selenskyj im ersten Telefonat zwischen den beiden Präsidenten nach der Beleidigung Selenskyjs persönlich mit dem Fall konfrontiert und ihn wiederholt um Aufklärung der Hintergründe gebeten.

Bevor er über die künftige Beziehung der beiden und die neuen Reisepläne sprechen wollte, musste Steinmeier Experten zufolge während des Gesprächs noch einmal über die Vergangenheit sprechen. Die Entlassung war ein historischer, beispielloser Affront gegen das Staatsoberhaupt eines Verbündeten.

Ein solcher Bruch der diplomatischen Praxis sei nicht hinnehmbar, soll der Bundespräsident im Telefongespräch vom 5. Mai geantwortet haben. Dafür hätte ich gerne eine Erklärung.

“Bitte ersparen Sie sich und mir, jetzt alles lesen zu müssen.”

Als Selenskyj im Gespräch protestierte, nichts von dem Vorgang gewusst zu haben, soll Steinmeier verärgert gewesen sein, berichtete der „Spiegel“. Offenbar sagte der Bundespräsident, er habe die gesamte Korrespondenz vor sich und bezog sich dabei auf eine diplomatische Note der ukrainischen Regierung vom 12. April, dem Tag der Absage der Reise. „Bitte ersparen Sie sich und mir, jetzt alles lesen zu müssen“, sagte Steinmeier.

Nach erneuter Beschwichtigung durch Zelenskyj bat Steinmeier laut “Spiegel” sogar zum dritten Mal. Daraufhin erhielt er eine ausweichende, aber wohl gebührend energische Reaktion des Ukrainers. Erst dann lenkte der Bundespräsident ein.

Steinmeier wurde in Kürze heruntergeladen

Auf Nachfrage teilte das Bundespräsidialamt dem Magazin mit, dass es nicht über vertrauliche Gespräche berichte. Seitdem hat am 30. Juni ein weiteres Telefonat zwischen Steinmeier und Selenskyj stattgefunden, in dem es heißt, die Pläne der Reise des Bundespräsidenten nach Kiew seien besprochen worden.

Ursprünglich wollte Steinmeier mit seinen Kollegen aus Polen und den drei baltischen Staaten Mitte April nach Kiew reisen. Der Bundespräsident, der in der Vergangenheit als Außenminister und Bundeskanzler die deutsche Russlandpolitik maßgeblich mitgestaltet hatte, hatte kurz zuvor angekündigt, dass die ukrainische Führung seinen Besuch abgelehnt habe. (MSS / AFP)

Aktualisiert am 28.03.2022 um 09:41 Uhr

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland will nicht an einem vom Bundespräsidenten organisierten Solidaritätskonzert teilnehmen. „Nur russische Solisten, keine Ukrainer“, twitterte Botschafter Andriy Melnyk am Sonntag. “Ein Affront. Tut mir leid, ich bleibe weg.” Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Berliner Philharmoniker haben für Sonntag um 11 Uhr zu einem Solidaritätskonzert mit der Ukraine eingeladen. (Bild: Bild)

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