Hunger als „Kriegswaffe“ von Baerbock: Kreml nimmt „alle als Geiseln“
24.06.2022 13:06
Laut Außenminister Baerbock sind derzeit weltweit rund 345 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit bedroht. Der Politiker kritisiert, dass der Kreml diese Krise bewusst zu eskalieren versuche, indem er Getreideexporte aus der Ukraine stoppe. Russland nimmt „jeden als Geisel“.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock wirft Russland vor, „den Welthunger gezielt als Kriegswaffe einzusetzen“. Russland “nimmt die ganze Welt als Geisel”, sagte der Grünen-Politiker vor Beginn einer internationalen Ernährungskonferenz in Berlin. 345 Millionen Menschen weltweit seien derzeit von Nahrungsmittelknappheit bedroht, die Hungerkrise baue sich “wie eine lebensbedrohliche Welle vor uns auf”. Aber es war der Krieg in Russland, der “aus dieser Welle einen Tsunami gemacht hat”.
Baerbock kritisierte Russland dafür, dass es versucht habe, „anderen die Schuld an den Lebensmittelpreisen zu geben“, aber das seien „Falschnachrichten“. Russland blockiert Häfen und Scheunen; Es gibt auch keine Sanktionen gegen russische Getreideexporte.
Die Berliner Konferenz wolle Solidarität mit der Ukraine und den unter dem Russlandkrieg leidenden Menschen im globalen Süden zeigen, sagte Baerbock. “Wir müssen Lösungen anbieten.” Ziel ist es, Lebensmittelexporte aus der Ukraine beispielsweise durch den Ausbau von Landwegen und Binnenwasserstraßen zu „beschleunigen“. Sie wollen sich auch dafür einsetzen, die Nothilfe für Menschen, die Hunger leiden, stark aufzustocken. Aber die Konferenz ist keine Geberkonferenz, es geht nicht nur um Geld. Auch „über den Tag hinaus denken“ stehe auf der Agenda, sagte Baerbock: Die ärmsten Länder müssten sich besser gegen Krisen wappnen. Es gehe darum, “diesen Tsunami irgendwie unter Kontrolle zu haben”.
Die Bundesregierung habe weltweit zu der Konferenz eingeladen, das Interesse habe alle Erwartungen übertroffen, sagte der Außenminister. In Berlin sitzen 40 Minister, Vertreter der UN und der Zivilgesellschaft und der besonders betroffenen Länder, etwa Vertreter der Ukraine, Nigerias, Tunesiens und Indonesiens. Das Treffen dient auch der Vorbereitung des G7-Gipfels am Sonntag im bayerischen Elmau. Konkrete finanzielle Zusagen sind auf der Berliner Konferenz nicht zu erwarten.