Air-France-Flug 4590 hat sich in die Erinnerung von Luftfahrtbegeisterten eingebrannt: Am 25. Juli 2000 stürzte eine vielbeschäftigte Concorde kurz nach dem Start am Flughafen Paris-Charles-de-Paris Gaulle ab. Alle 109 Insassen sterben bei einer der schlimmsten Katastrophen der jüngeren Luftfahrtgeschichte. Das Drama markiert auch das Ende der Concorde: Seit 1976 war dieser „Meilenstein der Luftfahrttechnik“ offiziell das erste Überschall-Passagierflugzeug der Welt, das geeignete Kunden von den beiden europäischen Flughäfen in London und Paris auf Rekordbasis nach New York beförderte. Pause dreieinhalb Stunden.
Doch trotz Rekordgeschwindigkeiten von bis zu Mach 2,23 (2405 km/h), also mehr als der doppelten Schallgeschwindigkeit, war der schon beim Start sehr starke Hightech-Jet von Anfang an umstritten: ein One-Way Tickets waren mit rund 6’300 Franken horrend teuer, der Spritverbrauch von rund 25’000 Litern Kerosin pro Stunde ist immens und deshalb sind fast alle Flüge der Fluggesellschaften Air France und British Airways ein defizitäres Geschäft. Am 26. November 2003 hob die Concorde zum letzten Mal vom Flughafen London Heathrow ab.
Bombardier erreicht Mach 1
Heute, fast 20 Jahre später, sind Überschallflüge für die breite Öffentlichkeit noch immer eine Illusion, aber für Flugbegeisterte und Flugbegeisterte gibt es gute Aussichten am Horizont: Ende Mai der kanadische Hersteller Bombardier auf der europäischen Luftfahrtmesse. Ebace in Genf neuestes Modell seiner Global-Serie. Der Global 8000 Business Jet bietet Platz für 19 Passagiere, ermöglicht Distanzen von bis zu 14.800 Kilometern (also Direktflüge von der Schweiz nach Australien) und soll laut Bombardier-CEO Eric Martel das „schnellere Zivilflugzeug aus der Concorde“ sein, wenn auch mit eine große Lücke.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Hersteller knapp unter der Schallmauer bei Mach 0,94, rund 1150 km/h. Der auf der gleichen Technologie basierende Vorgänger Global 7500 erreichte bei Testflügen immer wieder Überschallgeschwindigkeiten von über 1200 km/h. Bombardier geht daher davon aus, dass der mindestens 78 Millionen Dollar teure Business Jet auch diese Marke erreichen dürfte.
Ein Start-up hebt ab
Doch nicht nur Kanadier buhlen um den Nachfolger der legendären Concorde: Das amerikanische Start-up Boom Technology stellte 2017 den einsitzigen XB-1-Prototypen vor. Das Besondere: Statt aller anderen Überschallflugzeuge wird er nicht von gefördert Milliarden von Staaten, sondern rein privat finanziert. Mit dem einzigen als „Baby Boom“ bekannten Exemplar sollen unter anderem Untersuchungen zur Aerodynamik durchgeführt werden. Nach den Erfahrungen soll ein Überschallflugzeug für 55 bis maximal 88 Passagiere folgen. Der Name ist klar: Ouvertüre.
Und das Projekt scheint alles andere als ein Luftschloss zu sein: Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines hat bereits 15 Exemplare reserviert. Das Überschallflugzeug soll noch in diesem Jahrzehnt mit zahlenden Passagieren an Bord abheben und Geschwindigkeiten von Mach 2,2 (2700 km/h) erreichen. Diese wäre nicht nur schneller als die alte Concorde, sondern dank CO₂-neutralem Treibstoff, innovativer Aerodynamik, Leichtbauweise und sehr geräuscharmen Booms auch deutlich umweltfreundlicher als die alte Rekordmaschine, das war’s jedenfalls . was den Boom verspricht.
Aerion zeigt auf einen anderen
Noch gewagter sind die Pläne von Aerion Supersonic. Unter dem Namen AS2-Projekt arbeitet das amerikanische Unternehmen seit 2002 an einem kleinen Verkehrsflugzeug für maximal 15 Passagiere. Das dreistrahlige Flugzeug soll 2024 erstmals abheben und ab 2026 auch Passagiere mit maximal Mach 1,4 befördern können. Dass Aerion das Projekt ernst nimmt, zeigt der Bau des Hauptquartiers 300 Millionen Dollar, darunter eine neue Produktionslinie, unweit des US-Weltraumhafens Cape Canaveral in Florida. Neben dem Privatmarkt bedient Aerion auch den deutlich vielversprechenderen Militärmarkt und verfügt bereits über einen hocheffizienten, einsatzbereiten Motor des amerikanischen Herstellers General Electric.
Von Überschall zu Hyperschall
Der Businessjet AS2 ist erst der Anfang: Langfristig will Aerion in das größte Verkehrsflugzeuggeschäft einsteigen. AS3 als nächstes Projekt zielt darauf ab, nichts weiter als eine Revolution in der Luftfahrt darzustellen. Etwa 50 Passagiere müssen bis zu 13.000 Kilometer weit transportiert werden, in einem Flugzeug, das erstmals mit Hyperschallgeschwindigkeit statt mit Überschallgeschwindigkeit fliegt. Diese Reichweite beginnt bei Mach 5 – fast 6200 km/h! Das bisher schnellste Flugzeug mit Flugmotoren, das militärische Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71, erreicht mit Mach 3,3 fast 4.000 km/h und absolvierte die Strecke von New York nach London in einem Rekordflug in weniger als zwei Stunden.
Firmenchef Tom Vice will mit dem AS3 jeden Punkt der Erde in nur drei Stunden erreichen. Überschall ist der Ausgangspunkt, aber langfristig müssen wir die Grenzen des Machbaren überschreiten, wenn wir die globale Mobilität revolutionieren wollen. Experten gehen jedoch davon aus, dass Hyperschall aus heutiger Sicht noch mehrere Jahrzehnte in der Zukunft liegt. Doch das Rennen um das schnellste Flugzeug der Welt hat längst begonnen.