“Ich habe Angst!” – Ein russischer UN-Diplomat sucht Asyl

Nachdem der russische UN-Gesandte Boris Bondarev am Montag nach 20 Jahren seinen Rücktritt angekündigt hat, fürchtet er sich in großer Gefahr.

Es gab eine Explosion, als Boris Bondarev von den Vereinten Nationen am Montagnachmittag in Genf seinen Rücktritt ankündigte. In einem auf Facebook und LinkedIn geposteten Brief begleicht der UN-Diplomat die Rechnungen mit der Moskauer Regierung. Obwohl er in den zwanzig Jahren seiner diplomatischen Laufbahn einige Wendungen in der russischen Außenpolitik erlebt habe, habe er sich noch nie so für sein Land geschämt, schreibt der 41-Jährige. Der von Russland geführte Krieg „ist nicht nur ein Verbrechen gegen das ukrainische Volk, sondern vielleicht ein ebenso schweres Verbrechen gegen das russische Volk“, sagte Bondarev in einer Erklärung.

Aggressive Positionen

Laut Bondarev fordere die Moskauer Zentrale ihre Auslandsvertretungen seit Jahren zu immer aggressiveren Positionen auf, sagte er dem Tagesanzeiger. „Ich vertrete mein Land in Genf, aber als Diplomat muss ich mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten, um gemeinsame Lösungen zu finden“, sagt der 41-Jährige. Seine Gegenvorschläge wurden jedoch stets ignoriert.

Putin droht der Welt mit Atomwaffen

In einem Statement auf Facebook hat Bondarev auch mit dem russischen Außenminister abgerechnet. „Minister Lawrow ist ein gutes Beispiel für die Degradation dieses Systems. In 18 Jahren hat er sich von einem professionellen und kultivierten Intellektuellen zu einer Person entwickelt, die ständig widersprüchliche Aussagen verbreitet und die Welt (und damit Russland) mit Atomwaffen bedroht.“

Rückreise nach Russland ausgeschlossen

Im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger hat sich Bondarew nun zu seiner sehr ungewissen Zukunft geäußert. Er ist besorgt und verängstigt, er weiß im Allgemeinen nicht, wie sein Leben verlaufen wird. Eine Rückreise nach Russland schließt Bondarev aus, da er derzeit Hilfe von Diplomatenkollegen aus anderen Ländern erhält. Auch der ehemalige UNO-Diplomat wartet auf Hilfe der Schweizer Regierung.

Jeder hat das Recht auf Asyl

Auf die Frage, ob Bondarev in der Schweiz mit Asyl rechnen könne, sagte Ignazio Cassis am Sonntagnachmittag am Weltwirtschaftsforum in seiner Funktion als Bundespräsident und Vorsteher des Aussenministeriums: «Dann hat jeder das Recht, Asyl zu beantragen der Antrag wird individuell geprüft“.

Nav-Compte dh Hora24.05.2022, 15:41 | Akt: 24.05.2022, 15:41

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