IFO-Barometer steigt Autohersteller „setzen hohe Verkaufspreise durch“
05.07.2022, 09:30 Uhr
Die Situation in der Autoindustrie bleibt kompliziert, aber die Erwartungen der deutschen Hersteller verbessern sich. Wie das IFO-Institut feststellt, sind Käufer weiterhin bereit, hohe Preise zu zahlen. Die Produktion muss entsprechend ausgebaut werden. Auf der anderen Seite gibt es größere Probleme mit den Lieferanten.
Die Geschäftslage der unter Materialknappheit leidenden deutschen Automobilhersteller hat sich im Juni verbessert. Das entsprechende Barometer stieg von 5,8 auf 23,6 Punkte, wie das Münchener Ifo-Institut in seiner monatlichen Konjunkturumfrage mitteilte. „Autohersteller können weiterhin hohe Verkaufspreise treiben“, sagte Oliver Falck, Leiter des IFO Zentrums für Industrieökonomie und neue Technologien. Der Preiserwartungsindikator blieb bei etwa 74,7 Punkten, nach 80,5 im Mai.
Die Hersteller bewerteten ihre Auftragslage deutlich besser. „Es wird erwartet, dass die Autohersteller die Produktion in den kommenden Monaten ausweiten werden“, sagte Falck. Die Produktionserwartungen stiegen von 45,6 im Mai auf gute 56,2 Punkte. Außerdem wollen sie neue Mitarbeiter einstellen. Insgesamt bewerteten die Autobauer ihre Aussichten jedoch als wenig optimistisch: Das entsprechende Barometer fiel nach dem 41. Mai auf 9,8 Punkte. „Das EU-Parlament hat für das Ende von Verbrennungsmotoren in Europa im Jahr 2035 gestimmt“, nennt Falck einen möglichen Grund dafür. „Und es gibt immer noch einen enormen Mangel an wichtigen Nebenprodukten. All dies drückt die Erwartungen“, sagte Falck.
Die Geschäftslage der Zulieferer in der Automobilindustrie blieb im Juni angespannt. Hier fiel das Barometer auf 2,5 Punkte, nach 8,1 im Mai. Auch die Anbieter stuften ihre Geschäftsaussichten deutlich schlechter ein. Die Unternehmen meldeten einen geringeren Auftragsbestand und erwarten, ihre Produktion einzuschränken.
Die Automobilindustrie ist laut Bundeswirtschaftsministerium der bedeutendste Sektor des verarbeitenden Gewerbes und gemessen am Umsatz der bedeutendste Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Unternehmen der Branche erwirtschafteten 2021 einen Umsatz von 411 Milliarden Euro und beschäftigten direkt knapp 786.000 Menschen.