Ignazio Cassis: Die Luftwaffe startet dreimal im ganzen Land zur Ankunft des WEF

Um Bundespräsident Ignazio Cassis ans WEF zu bringen, machte das Bundesratsflugzeug eine Tour de Suisse. Dafür gibt es gute Gründe, erklärt die Air Force.

Bundesrat Ignazio Cassis verlässt den Falcon 900 des Bundesrats auf einem Foto, das im Mai 2018 in Bern-Belp aufgenommen wurde. – Schlüsselschlüssel

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Bundespräsident Ignazio Cassis flog mit einer Bundesratsmaschine von Lugano zum WEF nach Davos.
  • Dieser ließ ihn jedoch zunächst in Dübendorf ZH zurück und kehrte dann nach Bern zurück.
  • Die Luftwaffe erklärte, sie müsse ihre Pläne ändern.

Natürlich sollte man pünktlich erscheinen, wenn man wie Bundespräsident Ignazio Cassis die Eröffnungsrede am WEF halten muss. Doch muss man sich wirklich auf den Bundesratsjet verlassen? In den sozialen Medien wird über die Kosten für den Steuerzahler und die tonnenweise CO2-Emission empört. Ausserdem: Cassis war am Montagmorgen in Lugano, die Bundesratsmaschine aber in Bern.

Im WEF im Kreis

Flugdaten zeigen, dass eine der Bundesratsmaschinen in den frühen Morgenstunden in Bern-Belp gestartet und knapp eine halbe Stunde später in Lugano gelandet ist. Exakt 52 Minuten später hebt die Falcon 900 wieder ab, fliegt einen Looping und steuert nach Norden zum Flugplatz Dübendorf. Von dort werden die VIPs meist mit dem Helikopter nach Davos geflogen, aber auch aus Lugano kommen meist keine VIPs.

Die drei Flüge des Bundesrats-Jets Falcon 900 am Morgen des 23. Mai 2022. – flightware.com

Denn nun muss der Bundesratsjet noch seine Tour de Suisse absolvieren und zum Bundesstützpunkt Belpmoos zurückkehren. Der Bundespräsident hingegen wird per Helikopter aus Dübendorf nach Davos geflogen, wie die Armee auf Anfrage bestätigt. Es wäre – in Luftlinie – Davos von Lugano fast genau gleich weit entfernt wie von Dübendorf.

Ignazio Cassis sollte geradeaus fliegen

Eigentlich wäre dies die ursprüngliche Absicht gewesen: «Der Flug von Bundespräsident Ignazio Cassis war als Helikoptertransport direkt von Lugano nach Davos geplant», erklärt Armeesprecher Stefan Hofer. Doch dann wirkte sich das unsichere Wetter auf die Planung aus: Es gab keine Garantie, dass der Helikopter von Lugano aus über die Alpen fliegen konnte.

Als Bundesratsflugzeug wird die Dassault Falcon 900EX EASy II der Schweizer Luftwaffe eingesetzt. – vtg.admin.ch

Die Luftwaffe habe sich daraufhin “zu Gunsten einer stabilen Planung für den Bundespräsidenten” umentschieden, sagt Hofer. Also mit der Falcon 900 nach Dübendorf und von dort mit dem Helikopter durch die Landquart via Prättigau nach Davos. Die Fahrzeit verlängerte sich auf rund anderthalb Stunden, etwa doppelt so lange wie direkt ab Lugano. Und eine Stunde schneller, als wenn sich Bundespräsident Cassis in der Bundesratslimousine vom Chauffeur hätte fahren lassen.

Warum nicht nach Davos fahren?

Der Fahrer hätte Bern jedoch um Mitternacht verlassen sollen. Wie die Flugdaten auch zeigen, ist Ignazio Cassis am Wochenende wohl mit einer Bundesratsmaschine ins Tessin geflogen. Für das WEF wäre wohl statt des Dienstwagens (ein BMW 3er) das repräsentative Fahrzeug (ein Plug-in-Hybrid BMW 7er) zum Einsatz gekommen. Gleichzeitig wäre auch der CO2-Ausstoß minimal, statt mehrerer Tonnen, wie Kritiker twitternder Flugzeuge behaupten.

Bundesrat Ignazio Cassis steigt vor den Von-Wattenwyl-Gesprächen am Freitag, 9. November 2018 in Bern aus seiner Limousine. – Schlüsselschlüssel

Mit dem Auto oder sogar mit der Rhätischen Bahn zum Frühlings-WEF: Die Bundeskanzlei erklärte auf Anfrage, dass dem aus Sicherheitsgründen nichts entgegenstehe. Die Wahl des Transportmittels hängt vom Entscheid der Mitglieder des Bundesrates ab. „Eines der Kriterien ist unter anderem die zur Verfügung stehende Zeit und die weiteren zu vereinbarenden Termine“, teilte das Bundeskanzleramt mit.

Kein CO2 und keine Leerflüge

Was die CO2-Emissionen betrifft, hat das Militär klargestellt, dass diese auf zwei Arten ausgeglichen werden. Zum einen durch Zertifikate beim Treibstoffkauf in der Logistikbasis des Heeres. Andererseits kauft das Umweltbundesamt gemäss den Klimazielen des Bundesrates deshalb alle Emissionen des Bundes kompensiert.

Bundesrat Falcon 900 Jetflüge vor und nach letztem Wochenende. – Screenshot flightaware.com

Der fleißige Einsatz der Flugzeuge des Bundesrates ist nach dem Willen des Bundesrates auch nicht schlecht, im Gegenteil, er ist gewollt. Denn so sollten Sie den Lufttransport optimal nutzen und Leer- oder Trainingsflüge vermeiden. Der Schritt zeigt Wirkung, so Heeressprecher Hofer: „Aufträge einholen […] der Bedarf an Trainingsflügen für Piloten ist derzeit auf nahezu null reduziert.“

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