Im Bus „fliegt die Kuh“: Der 1. FC Kaiserslautern verursacht ein Erdbeben

Im Bus “Die Kuh fliegt” löst der 1. FC Kaiserslautern ein Erdbeben aus

25. Mai 2022, 21:51 Uhr

Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ist der Stolz in die 1. zurückgekehrt. FC Kaiserslautern. Das Umfeld ist total euphorisch, die Ambitionen sind mal wieder gigantisch. Auf die Verantwortlichen wartet viel Arbeit. Es gibt Grüße vom traurigen Ex-Trainer.

Der 1. FC Kaiserslautern feierte den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit einer großen Party vor 10.000 begeisterten Fans auf dem Stiftplatz der Stadt. Die Freude über die Rückkehr der Roten Teufel nach vier Jahren in den zweitklassigen Fußball war in Rheinland-Pfalz über die Stadtgrenzen hinaus groß. Das Fest der Himmelfahrt begann am Nachmittag und dauerte bis weit in die Nacht. Nach Jahren der Traurigkeit und großer finanzieller Not ist der Stolz in den Traditionsverein zurückgekehrt. „Der Verein hat viel Scheiße durchgemacht“, sagte Mittelfeldspieler Hikmet Ciftci nach einem 2:0 (0:0)-Sieg im Relegationsrückspiel gegen Dynamo Dresden für die Fans“.

Im vierten Anlauf „waren sie endgültig raus aus der 3. Liga“, freute sich Kapitän Jean Zimmer, der auch gestand: „Da sind viele, viele kleine Augen“. Nach drei Niederlagen im Endspurt der Liga hatten die wenigsten mit diesem Happy End gerechnet. Doch der neue Trainer Dirk Schuster erweckte die Red Devils zum Leben. “Der Klassenerhalt ist keine Strafe, sondern eine Chance”, sagte er seinen angeschlagenen Spielern, sagte der Trainer, der in seiner erfolgreichsten Saison bereits den Drittligisten Darmstadt 98 in die Bundesliga geführt hatte.

„Das Team hat ein Erdbeben verursacht“, sagte Bürgermeister Klaus Weichel am Abend. Bei der Stiftsplatz-Party betraten die Stürmer Terrence Boyd und René Klingenburg mit Zigarren die Bühne, Mike Wunderlich brachte eine XXL-Flasche Whisky mit und reichte sie an die Fans im Publikum weiter. Schlagerstar Mark Forster trug mit einem Song zur wunderbaren Stimmung der aufstrebenden Gemeinde bei. „Wir freuen uns auf die zweite Bundesliga“, sagte Kapitän Jean Zimmer. “Wir haben es jetzt mit einigen sehr interessanten Gegnern zu tun.” Und: „Die heutige Feier war das i-Tüpfelchen der letzten Wochen!“

„Betzenberg gehört wieder ins Oberhaus“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobte den FCK, der mit “großer Willenskraft, viel Herzblut” vorangetrieben worden sei. „Ich freue mich auf die Spiele der 2. Bundesliga für die Fans, die Stadt und die Region und persönlich“, sagte er. SPD-Sportminister Roger Lewentz freute sich über den „beherzten“ Aufstieg. Die Pfälzer und die großen Fans haben sich diese erste Etappe des Aufstiegsmarathons mehr als verdient. „Betzenberg, der in der 3. Liga mehrfach ausgepowert war, gehört zurück ins Oberhaus des deutschen Fußballs“, betonte er.

Wie euphorisch das Umfeld des viermaligen Champions ist, zeigte auch die ausgelassene Public-Viewing-Stimmung im Fritz-Walter-Stadion mit 7.500 Fans. Keine Frage: Der Klub „sehnt sich nach Erfolg“, wie Schuster nach nur zwei Wochen im Amt feststellte. Trainer Thomas Hengen, der mit dem späten Trainerwechsel von Marco Antwerpen zu Schuster persönlich ein extrem hohes Risiko eingegangen ist, wollte sich zur Personalplanung für die Zweitliga-Saison nicht äußern: „Heute und morgen heißt es Kopfzerbrechen“.

Grüße vom Ex-Trainer

Antwerpen würdigte den 1. FC Kaiserslautern, wenn auch nicht ganz nostalgisch. „Die Mannschaft, der ganze Verein, hat einen tollen Job gemacht. Ich bin stolz auf die Jungs“, sagte er gegenüber Sport1, räumte aber auch ein: „Natürlich war es für mich nicht einfach, die Relegationsspiele emotional zu verfolgen.“ Die Spieler hätten immer an ihre Chance geglaubt, sagte Schuster und bedankte sich auch bei Antwerpen: „Heute haben wir vollendet, was er vorbereitet hat.“

Die Ankündigung des Deutschen Fußball-Bundes, wegen Zwischenfällen während des Relegationsspiels gegen beide Klubs vorzugehen, überschattete die Feierlichkeiten. Das teilte der DFB auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Nach dem zweiten Tor des FCK in der Nachspielzeit wurde das Spiel für einige Minuten unterbrochen, als aus dem Dresdner Fanblock Leuchtkugeln und Böller auf das Spielfeld geworfen wurden. Auch die Fahnen des Dinamo-Clubs wurden verbrannt.

“Lautern ist der coolste Club der Welt!”

Das hatten die Pfälzer Helden schon bei ihrer Rückkehr aus Dresden gefeiert und im Bus „die Kuh fliegen lassen“, wie Schuster es ausdrückte. Kurz nach Abpfiff rannten die Roten Teufel zu ihren Fans, sprangen und tanzten mit ihren Fans und tranken ihr erstes Bier auf dem Feld, als die Fans riefen: “Lautern ist der heißeste Club der Welt!” Aus Respekt vor dem Gegner und wohl auch aus Sorge vor der Eskalation der ohnehin schon heißen Stimmung in der Dresdner Arena forderte er seine Spieler auf, “im Stadion etwas vorsichtiger zu feiern”.

Mittelfeldspieler Mike Wunderlich machte deutlich, wohin der Klub will: „Der Klub ist nicht in der 3. oder 2. Liga. Wir haben zumindest den ersten Schritt gemacht“, bedankte sich der Routinier. kurz vor Antwerpens Abstiegsabstieg: „Der Trainer hat einen tollen Job gemacht, der neue Trainer auch.“ Für die Menschen in der Pfalz ging eine vierjährige Leidenszeit traurig zu Ende. Verteidiger Kevin Kraus kündigte überschwänglich an: „Lasst uns feiern, bis wir unsere Muttersprache verlieren.“

Seit Abschluss des Insolvenzverfahrens im Dezember 2020 ist der FCK offiziell schuldenfrei, wobei das finanzielle Plus im zweistelligen Bereich durch die Förderung enorm geholfen hat. Das Geschäft mit Verlusten in der 3. Liga ist dank deutlich höherer Mediengelder beendet, der Wert des Klubs dürfte massiv steigen. Mit der Beteiligung mehrerer Investoren könnte es sogar in neue Bereiche vordringen. Mit seiner Brillanz und dem Mythos Betzenberg ist der FCK auch für die zweite Liga eine Bereicherung. Jetzt muss der Verein nur noch Ruhe und Kontinuität lernen. „Die 15 Monate, die ich beim FCK bin“, sagte Hengen, „fühlen sich an wie 15 Jahre.“

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