Stand: 07.07.2022 09:50 Uhr
Der Hamburger Logistiker und Milliardär Klaus-Michael Kühne ist größter Anteilseigner der Lufthansa geworden. Sie verdrängt den Bund als ersten bisherigen Anteilseigner auf Platz zwei.
Die Bundesregierung ist bei Lufthansa nicht mehr die Nummer eins. Klaus-Michael Kühne ist nun größter Aktionär der MDAX-Gruppe. Das Hamburger Logistikunternehmen hat laut einer gestern Abend veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung seinen Anteil auf 15,01 Prozent aufgestockt. Damit besitzt Kühne rund ein Prozent mehr als der Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF, der zuletzt 14,1 Prozent der Lufthansa-Aktien hielt.
Anfang März hatte der Arbeitgeber über eine private Investmentfirma die Fünf-Prozent-Meldeschwelle aktiviert. Nur wenige Wochen später, im Mai, bekundete Kühne Interesse an einem Posten im Aufsichtsrat der Lufthansa. Damals hatte der Arbeitgeber seinen Anteil gerade um mehr als zehn Prozent aufgestockt.
Kühne verfolgt mit Lufthansa strategische Ziele
Lufthansa sei „eine hervorragende Ergänzung des bisherigen Beteiligungsportfolios, in dem logistisches Wissen durch mehrere eigenständige Beteiligungen gebündelt wird“, hieß es in der damaligen Pflichtmitteilung. Kühne besitzt die Mehrheit am Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel und 30 Prozent an der Reederei Hapag-Llyod in Hamburg. Der Unternehmer rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 32 Milliarden Dollar auf Platz 33 der Forbes-Liste der Milliardäre.
Branchenbeobachtern zufolge könnte der Arbeitgeber vor allem das lukrative Merchandise-Geschäft der Lufthansa ins Visier nehmen. Einige große Reedereien, die in der Corona-Pandemie dank hoher Transportraten viel Geld verdienten, investierten zuletzt in die Airline-Industrie.
Der Staat muss die Anteile zurückgeben
Allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis der Bund als größter Anteilseigner der Lufthansa abgelöst wird. Im November vergangenen Jahres hatte Lufthansa während der Corona-Pandemie gewährte Staatshilfen vollständig zurückerstattet. Daher muss der Staat vor Oktober 2023 auf sein Handeln verzichten.
In der Corona-Krise und dem damit verbundenen Geschäftseinbruch hat Lufthansa mit der Bundesregierung und der EU-Kommission ein staatliches Rettungspaket in Höhe von neun Milliarden Euro ausgehandelt: drei Milliarden Euro als Bankdarlehen der Landesförderung KfW und sechs Milliarden Euro vom WSF. Nach eigenen Angaben hatte der Konzern rund 3,8 Milliarden Euro verbraucht.
Lufthansa-Aktien wurden nach Kühnes Anteilserhöhung in Frage gestellt
Anleger reagieren derweil positiv auf die Aufstockung der Lufthansa-Beteiligung am Unternehmer Kühne: Die Lufthansa-Aktie ist gegenüber den Frankfurter Erstnotierungen um 1,7 Prozent gestiegen. Die Unterlagen des Luftfahrtkonzerns stehen seit Ausbruch der Corona-Pandemie massiv unter Druck. Allein seit Jahresbeginn haben sie mehr als 20 Prozent ihres Wertes verloren.
Interner Streit bei Lufthansa
Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Ludwig Kley hat derweil angesichts der Airline-internen Konflikte um die chaotischen Zustände des sommerlichen Reisebooms Zusammenhalt beschworen. „Entweder wir verlieren gemeinsam oder wir gewinnen gemeinsam“, erklärte Kley in einem Interview im Intranet der Lufthansa. Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass die jetzt eingeleiteten Maßnahmen wie Flugstreichungen und zusätzliches Personal erfolgreich sein würden.
Den öffentlichen Brandbrief von Lufthansa-Personalvertretern, die wegen Sparmaßnahmen in der Corona-Krise drei Seiten schwere Vorwürfe gegen den Vorstand erhoben, erwähnte Kley nicht. Personalvertreter in der Kabine, in der Kabine und am Boden hatten in ihrem Schreiben an den Aufsichtsrat ein Ende der Sparmaßnahmen und der ihrer Meinung nach Misswirtschaft gefordert.