Nach den Turbulenzen der Benzin-, Öl- und Gaspreise kommt jetzt der Strompreishammer! Ab dem nächsten Jahr werden die Verbraucher aufgefordert, viel mehr zu zahlen.
Die Grosshandelspreiserhöhung wird 2023 die Endkunden der Grundversorgung erreichen. Hier werden die Tarife deutlich steigen, wie eine Umfrage der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom) zur Preisprognose und Tarifentwicklung bei 172 Energieunternehmen zeigt.
Der Strompreis steigt um 20 Prozent
Im Durchschnitt steigen die Energietarife des tatsächlich gelieferten Stroms um 47 Prozent! Allerdings machen Energietarife nur einen Teil des Strompreises aus, gut zwei Fünftel für einen durchschnittlichen Haushalt. Hinzu kommen Netznutzungsentgelte und politische Abgaben, zum Beispiel für die Förderung erneuerbarer Energien.
Deshalb rechnet Elcom bis 2023 mit einem Anstieg des durchschnittlichen Strompreises um 21 bis 25 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist immer noch eine solide Steigerung von gut 20 Prozent!
Bei einem 5-Zimmer-Haus mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bedeutet dies laut Berechnung der Elcom eine finanzielle Mehrbelastung von 180 Franken pro Jahr. Bei Unternehmen zahlt es sich aus: Bei einem Jahresverbrauch von 150’000 Kilowattstunden betragen die Mehrkosten rund 6’000 Franken.
Im September wird es ernst
Die Intensität der Tarifanpassungen hängt vom jeweiligen Stromanbieter ab. Außerdem handelt es sich um eine vorläufige Einschätzung. Anfang September wird es ernst, dann wird die Elcom die Endstrompreise für die Verbraucher bekannt geben.
Bis dahin kann es noch Änderungen geben. Dies hängt zum einen von der Entwicklung der Marktpreise ab. Andererseits kommt es aber auch auf die jeweilige Einkaufsstrategie und das eigene Produktionsportfolio des Energieunternehmens an. Wenn Sie zum Beispiel langfristig schon günstigeren Strom gekauft haben, wirkt sich das positiv auf die Energietarife aus. Gleiches gilt, wenn der Strom aus eigener Produktion stammt. Es gibt auch buchhalterische Möglichkeiten, Preiserhöhungen abzufedern.
Drohender Stromausfall im Winter
Sorgen bereiten Elcom aber nicht nur die steigenden Strompreise, sondern auch die drohende Energieknappheit.
Und das könnte uns schneller treffen, als uns lieb ist: Mit Blick auf die Versorgungssicherheit im nächsten Winter spricht Elcom von «Unsicherheiten». I: Laut Entwicklung sind „Engpässe nicht auszuschließen“.
Zwar will SP-Umweltministerin Simonetta Sommaruga (61) die Wasserkraftwerke dazu zwingen, ab dem nächsten Winter eine Reserve bereitzuhalten. Speicherbetreiber müssen gegen eine Gebühr eine bestimmte Strommenge vorhalten, die dann bei Bedarf nachgeladen werden kann.
Ob der Notfall bereits eintritt, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Verfügbarkeit von heimischem Atomstrom ist die Exportversorgung der Nachbarländer entscheidend für die Versorgungssicherheit im nächsten Winter.
Fast keine Atomkraft in Frankreich
Aus Frankreich wird viel weniger Strom erwartet als in anderen Jahren, weil die Reihen der französischen Reaktoren derzeit stillgelegt sind. Stromimporte aus Frankreich dürften daher in den kommenden Wintermonaten “nur sehr eingeschränkt möglich” sein. Zudem sind die Preise in Frankreich für den Winter 2022/23 bereits deutlich höher als in Deutschland und der Schweiz.
Der Importbedarf der Schweiz liegt im Wintersemester bei gut vier Terawattstunden und muss nun vor allem durch Importe aus Deutschland, Österreich und Italien gedeckt werden. Es gibt aber auch Fragen, da die Stromerzeugung dort stark von fossilen Energieträgern wie Gas oder Kohle abhängt. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wirkt sich hier besonders preistreibend aus.
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Es gibt aber auch Entlastungsfaktoren, wie Elcom betont. Auf der positiven Seite steht die derzeit gute Verfügbarkeit der Schweizer Kernkraftwerke. Bei anhaltend hohen Preisen sind vor allem in der Branche verstärkte Rettungsanstrengungen zu erkennen. Und natürlich laufen die Vorbereitungsarbeiten für eine strategische Wasserkraftreserve.
Die Bevölkerung will Versorgungssicherheit
Daher wird erwartet, dass im nächsten Winter genügend Strom aus dem Damm kommt. Denn in Sachen Stromversorgung sind die Prioritäten der Schweizer Bevölkerung klar, wie eine neue Umfrage zeigt: Versorgungssicherheit steht an erster Stelle, gefolgt von klimaneutraler Energieproduktion und bezahlbaren Strompreisen.