Impfstoffe: Politiker fordern Konsequenzen nach dem Vertragsskandal

Abgeordnete ärgern sich über die Verträge, die das BAG mit Impfstoffherstellern geschlossen hat und die offenbar nicht mehr geändert werden können.

Bundesrat Alain Berset (links) und BAG-Direktorin Anne Lévy treten am 22. Februar 2022 an einer Pressekonferenz in Bern auf. – Schlüsselschlüssel

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Das BAG scheint den parlamentarischen Vorbehalt zu Impfverträgen vergessen zu haben.
  • Eine Untersuchung soll den genauen Sachverhalt klären.
  • Die Stadträte sind verärgert, weil das Parlament keine Änderungen vornehmen konnte.

Das BAG war in neue Verträge mit Impfstoffherstellern verwickelt oder, wie es die Finanzkommission des Nationalrats diplomatisch formulierte, “ungünstig formuliert”. Angesichts der Hunderte von Millionen Franken kann das Parlament dazu nicht viel sagen. Denn der sogenannte Parlamentsvorbehalt fehlt in mindestens einem Vertrag. Der geplante Kauf von 33 Millionen Impfstoffdosen könne kein allzu großes Hindernis darstellen.

“Unentschuldbar”, “Unmöglich” und “Inakzeptabel”

Anscheinend ist man ziemlich bestürzt über Alain Bersets EDI und seine untergeordnete BAG. Die Ereignisse lösten bei den Mitgliedern des Finanzausschusses Empörung aus. FDP-Nationalrat und Unternehmer Peter Schilliger ist überrascht, dass es nicht das erste Mal ist, dass solche Verträge unterzeichnet werden. Wenn die Angaben stimmen, ist dies eine klare Missachtung des Wettbewerbs.

Die Schweiz setzt bei der Impfkampagne gegen das Corona-Virus auf die Impfstoffe von Pfizer und Moderna. (Archivbild) – Schlussstein

Was Knorz genau mit den Impfverträgen macht, muss durch eine Verwaltungsuntersuchung zu Pfingsten geklärt werden. Deshalb warnt Kommissionspräsident Roland Fischer (LPG): “Es gibt noch keine Klarheit über den Vorfall.” Das schlichte Vergessen des parlamentarischen Vorbehalts bezeichnete er ebenfalls als „inakzeptabel“ und als schwerwiegendes Versäumnis.

Auch SP-Nationalrätin Sarah Wyss ist zurückhaltend: Im Prinzip geht es nicht ohne Vorbehalte, aber die Faktenlage sei derzeit sehr trivial. Dagegen kennt die SVP keine Gnade. Nationalrätin Sandra Sollberger hat ihre Ansichten zu den Kadern der Bundesverwaltung bestätigt. “Entweder sind sie inkompetent und verhandlungsunfähig, oder sie ignorieren die politischen und demokratischen Prinzipien des Staates.”

Mitglieder der Finanzkommission sind die Nationalräte Sandra Sollberger (SVP), Peter Schilliger (FDP) und Lars Guggisberg (SVP). – Schlüsselschlüssel

SVP-Kollege Lars Guggisberg berührt den Tisch: «Das muss aufhören!» Seit zwei Jahren werden wegen Corona Millionen von Steuergeldern verschwendet, teilweise blindlings. Es ist in Ordnung, auf den Beginn der Untersuchung zu warten. Aber: „Sollte sich das Vorgehen des BAG bestätigen, wäre dies einer massiven und unentschuldbaren Verletzung der Haushaltshoheit gleichzusetzen.“

Konsequenzen bis zu Bundesrat Berset

Die gleiche parteipolitische Landschaft ergibt sich, wenn man nach den Folgen fragt, falls sich der Unfall bestätigt. Der SPVerin Sollberger fordert, dass die Verantwortlichen für den Mehraufwand intern entschädigt werden.

«Bundesrat Berset schliesse ich nicht aus», betont Sollberger und zählt Bereiche auf, in denen er Sparpotenziale sieht. Renommierte Projekte, nicht dringende Angelegenheiten, persönliche Berater und Mitarbeiter. “Oder mit den Horden von Anwälten in den Rechtsabteilungen, die hier offensichtlich nichts gemerkt oder getan haben.”

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Peter Schilliger ist der Meinung, dass die interne Verantwortung bei den Vertragsunterzeichnern liegen sollte. «Die Geschäftsleitung, also der zuständige Bundesrat, muss die Prozesse verfolgen und als Verantwortliche der Geschäftsleitung die Konsequenzen abwägen und entscheiden.»

Wenn ja, bevorzugen Sie einen Hersteller?

SP und GLP hingegen wollen erst dann über die Konsequenzen nachdenken, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen. Doch konnten die Verträge vorbehaltlos erfüllt werden und werden die anderen Hersteller noch massiver kürzen? Bundesrat Alain Berset wollte sich heute nicht dazu äußern. Auch die Abgeordneten bleiben diesbezüglich recht vage.

Der Vorsitzende der Finanzkommission ist Nationalrat Roland Fischer (LPG). – Schlüsselschlüssel

SP-Nationalrätin Sarah Wyss betont: «Aber für mich gibt es keinen Grund, von der Zwei-Wege-Impfstrategie abzuweichen.» Das bedeutet: Moderna und Pfizer sollen für diejenigen, die sich impfen lassen wollen, gleichermaßen zur Verfügung stehen. Auch FDP-Nationalrat Schilliger stimmt in der Sache mit dem Bundesrat überein. Persönlich unterstütze er die Grundposition des Bundesrates, die Bevölkerung mit Impfstoffen vor der nächsten Corona-Welle schützen zu wollen.

SVP-Nationalrätin Sollberger entgegnet, es sei nicht nötig, Impfstoffe auf Lager zurückzukaufen: «Sie mussten schon zu viele vernichten.» Es ist an der Zeit, den Krisenmodus zu verlassen, aber die nächste Krise naht. Sobald der Vertragssachverhalt geklärt ist, müssen sich Nationalrat und Ständerat noch einigen: Ob und in welcher Höhe das Impfstoffbudget gekürzt wird.

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