Innerhalb eines Jahres ist der Wasserspiegel in den unterirdischen Seen von Wiener Neustadt um bis zu zwei Meter gesunken. Teilweise wird versucht, das Problem mit Baggerarbeiten zu lösen.
Wo vor einem Jahr noch gebadet wurde, warten nun Sand- und Holzliegestühle auf die Gäste der Fischauer Therme. Zwei von drei Quellen sind versiegt, eines der beiden großen Becken in Bad Fischau-Brunn (Bezirk Wiener Neustadt) kann nicht mehr gefüllt werden. In Wiener Neustadt sind einige Seen aufgrund der Dürre und des damit verbundenen niedrigen Grundwasserspiegels nahezu ausgetrocknet. Hauptgrund sind fehlende oder durch den Klimawandel veränderte Niederschläge.
In Wiener Neustadt sehen manche Einwohner statt eines Schwimmbades einen See. Der Wasserstand von Grundwasserseen wie Anemonensee, Föhrensee und Achtersee sei teilweise bis zu sieben Meter niedriger als 2009, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit: „Seit Sommer 2021 ist der Pegel um rund zwei Meter gesunken“, im Juni. es gab allerdings erstmals eine “leichte Lockerung”.
Nur eine aktive Quelle
In der Fischauer Therme gebe es derzeit nur eine aktive Quelle, und diese mit etwa der Hälfte der üblichen Strömung, sagte Bürgermeister Reinhard Knobloch (ÖVP) der APA. Das sogenannte Frauenbecken kann nicht befüllt werden, daher wurde der Boden für die diesjährige Badesaison mit Sand und Kies ausgelegt. Auch der Wasserfall bleibt geschlossen, das Herrenbecken muss wegen der geringeren Strömung öfter gereinigt werden.
Der Bürgermeister hat mitgeteilt, dass derzeit eine geologische Untersuchung zur Ursache der ausgetrockneten Quellen durchgeführt wird. Das Alleinstellungsmerkmal „Schwimmen in sicherem Wasser“ bleibt in jedem Fall bestehen, sodass der Wechsel auf gechlortes Wasser in einem herkömmlichen Pool ein Kinderspiel ist. „Der Sanitärbetrieb ist nicht besonders betroffen“, sagte Knobloch. Thermenpässe in Fischau werden dieses Jahr zu einem reduzierten Preis angeboten, was laut Bürgermeister zu Rekordumsätzen geführt hat. Bei Tageskarten lautet der Absatz „befriedigend“.
In Baden ist die Entnahme von schwefelhaltigem Wasser in den letzten Jahren zurückgegangen. Von den 15 Quellen, deren Abflüsse erfasst sind, sei eine kleine Nebenquelle versiegt, sagte Andreas Rohrer vom Fachbereich Wasserwirtschaft. Dies hat jedoch keine Auswirkungen auf den Thermenbereich, die Römertherme oder die Spa-Einrichtungen. Hier wird schwefelhaltiges Wasser aus drei Hauptquellen verwendet. Auch in Bad Vöslau und Bad Erlach hat die Dürre keine Folgen für den Badebetrieb. „Wir holen unser Thermalwasser aus rund 1.000 Metern Tiefe“, erklärt Walter Kois, Geschäftsführer des Asia Resort Linsberg in Bad Erlach.
Laut Martin Angelmaier, Leiter der Niederösterreichischen Landeswasserwirtschaft, ist der Grundwasserspiegel im Südosten Niederösterreichs derzeit sehr niedrig. Teilweise hat auch die Fließgeschwindigkeit der Quelle abgenommen. Grund dafür sind unterdurchschnittliche Niederschläge seit Herbst 2021. Im Raum Wiener Neustadt liegt der Grundwasserspiegel „auf oder knapp unter Tiefststand“.
“Sturmregen wäre ideal”
Das Zusammenspiel vieler Ursachen führt laut Angelmaier zu einem niedrigeren Grundwasserspiegel. Der Hauptgrund ist die Änderung des Niederschlags. Zum Klimawandel sagte Angelmaier: „Wir müssen mit längeren Dürreperioden und dann viel Regen in kurzer Zeit rechnen.“ Der Boden kann diese Menge jedoch nicht aufnehmen, wodurch Niederschlag ins Wasser fließt und somit der Region verloren geht. Um den Grundwasserspiegel zu erhöhen, „wäre terrestrischer Regen ideal, also ein möglichst gleichmäßiger und nicht zu intensiver Regen“, erklärte Angelmaier. Dazu bräuchte es auch Schneeschichten, die generell immer weniger werden.
In Niederösterreich gibt es jedoch große regionale Unterschiede: Während im Weinviertel ein hoher Bedarf, aber wenig Wasser herrscht, verfügt das Kalkalpengebiet über große Reserven bei geringem Verbrauch. Überregionale Versorgungsnetze schaffen einen Ausgleich. Prognosen für das östliche und nordöstliche Niederösterreich gehen von bis zu zehn Prozent weniger Grundwasserbildung bis 2050 aus. Im Raum Wien soll der Verbrauch entsprechend dem Bevölkerungswachstum zwischen 25 und 30 Prozent steigen.
Als Maßnahme gegen Trockenheit wird in Niederösterreich eine Regenwasserbewirtschaftung eingesetzt. Unter dem Motto „Den Regentropfen dort lassen, wo er fällt“ analysieren die Kommunen beispielsweise, wie sie auch im urbanen Raum mehr Wasser zurückhalten können. Auch in der Landwirtschaft kann die Bewirtschaftung angepasst werden, um die Erosion zu reduzieren.
Das Ausbaggern ändert das Problem nicht
In Wiener Neustadt haben einige private Seebesitzer inzwischen Baggerarbeiten in Auftrag gegeben. „Im Prinzip ist dies die einzige Möglichkeit, die Situation zu verbessern, aber das ändert natürlich nichts an dem extrem niedrigen Grundwasserspiegel“, versichert der Rat. Ein stabiles Ökosystem in den Kiesbecken brauche eine Tiefe von drei Metern, sonst leide die Wasserqualität, erläuterte Angelmaier die Baggerarbeiten, die die Wasserrechtsbehörde seit langem durchführe.
Der niedrige Grundwasserspiegel sei derzeit aber kein Problem für die Trinkwasserversorgung, sagte er. Die entsprechenden Brunnen würden deutlich tiefer gegraben, teilte das Wiener Neustädter Rathaus mit.
(WAS)