Industrie in der Krise Die Bundesregierung will einen „Schutzschirm“ für Energiekonzerne

Stand: 04.07.2022 21:18

Berichten zufolge haben sich die zuständigen Ministerien auf eine Gesetzesänderung geeinigt, um Energiekonzerne mit Problemen wie Uniper mit Steuergeldern zu retten. Der Bund soll die Möglichkeit haben, sich an der Wirtschaft zu beteiligen.

In der Gaskrise will die Bundesregierung einen „Schutzschirm“ für angeschlagene Energiekonzerne schaffen. Die gesetzlichen Änderungen sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Bund in Unternehmen wie Uniper investiert.

Die Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Bundeskanzleramt einigten sich laut Regierungskreisen grundsätzlich auf einen Entwurf. Der “Spiegel” hatte zuerst darüber berichtet.

Finanzhilfen und Erwerb von Unternehmensanteilen

Dieser Entwurf zur Novellierung des EnergieSiG liegt auch der Nachrichtenagentur dpa vor. Finanzhilfen sind bis zum Erwerb von Gesellschaftsanteilen geregelt, um die Insolvenz eines Gasversorgers zu vermeiden.

Ziel sei es, den Handlungsspielraum der Bundesregierung zu erweitern, heißt es in Koalitionskreisen. Die Ampelfraktionen sollen sich morgen einigen. Das reformierte Gesetz soll bereits am Freitag im Eilverfahren in Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

Vermeiden Sie drastische Preissprünge

Zudem könnten dann drastische Sprünge bei den Gaskundenpreisen mit vermutlich milliardenschweren Stabilisierungsmaßnahmen für die betroffenen Unternehmen vermieden werden.

Weiter heißt es in dem Entwurf: Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sollen Stabilisierungsmaßnahmen für „Unternehmen der kritischen Infrastruktur“ von der Bundesregierung erleichtert werden, adressiert er Energieversorger. Diese Maßnahmen würden nur berücksichtigt, wenn sie von dem betreffenden Unternehmen beantragt würden.

Uniper bittet um Hilfe

Russland hat die Versorgung durch die Ostseepipeline North Stream 1 stark reduziert. Daraufhin geriet Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas, Uniper, in Aufruhr und forderte staatliche Hilfen. Wie Uniper mitteilte, seien dafür verschiedene Instrumente möglich, etwa Bürgschaften und Sicherheitsleistungen bis hin zu Beteiligungen. Damit würde sich der Staat bei Uniper einmischen.

Die Bundesregierung hatte zugesagt, mit Uniper über Stabilisierungsmaßnahmen zu sprechen. Das Wirtschaftsministerium arbeite nach Angaben einer Sprecherin an “Hochdruck”-Lösungen. Ziel sei es, sich auf eine anhaltend angespannte Situation auf den Energiemärkten vorzubereiten und den Werkzeugkasten zu füllen, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Die Energiemärkte müssen weiter funktionieren.

Die Sprecherin wies darauf hin, dass Uniper eine bestehende Kreditlinie in Höhe von zwei Milliarden Euro bei der Staatsbank KfW noch nicht gekündigt habe.

Uniper spielt eine zentrale Rolle

Als bedeutender Gasimporteur spielt Uniper eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung und erbringt viele kommunale Dienstleistungen. Allerdings kann Uniper die Mehrkosten für die Gasaufnahme derzeit nicht an die Kunden weitergeben: Das Unternehmen hatte angekündigt, dass dies mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden wäre. Nun könnte der Staat Uniper finanziell unterstützen. Dieser bezeichnete Koalitionskreise als erste Wahl. Die andere Möglichkeit wäre, dass Gaskunden Preiserhöhungen zahlen, was jedoch zu drastischen Preiserhöhungen für die Verbraucher führen könnte.

Das bestehende Energiesicherheitsgesetz räumt Versorgungsunternehmen ein „Preisanpassungsrecht“ ein. Dazu muss die Bundesnetzagentur eine „erhebliche Reduzierung der gesamten nach Deutschland importierten Gasmenge“ förmlich festgestellt haben, was bisher nicht eingetreten ist. Wird der Mechanismus aktiviert, könnten Anbieter ihre aktuellen Mehrkosten in kurzer Zeit an ihre Kunden weitergeben und große Preissprünge verursachen.

Wenn russisches Gas komplett verschwindet

Habeck hatte vor einer möglichen “Preisexplosion” bei einigen Versorgern gewarnt. Um Preissprünge gerechter unter den Verbrauchern zu verteilen, arbeitet die Bundesregierung an einem Pay-per-Use-System. Damit könnten die Gebühren, wie gesagt, gleichmäßiger auf alle Verbraucher verteilt werden.

Die Probleme der Energieversorger könnten sich verschärfen, da die jährlichen Wartungsarbeiten von Nord Stream 1, die normalerweise 10 Tage dauern, am 11. Juli beginnen. Dann strömt kein Gas durch das Rohr. Die große Sorge ist, dass Russland den Gashahn nach der Wartung nicht wieder öffnen wird. Habeck und die Bundesnetzagentur hatten vor einem solchen Totalausfall der russischen Gasversorgung durch Nord Stream gewarnt. Die Bundesnetzagentur schreibt in ihrem Lagebericht, dass die Gasversorgung in Deutschland derzeit stabil ist. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiterhin gewährleistet.

Uniper-Rettung nach Lufthansa-Vorbild

Über die genaue Art und Weise der Unterstützung sei Uniper noch nicht entschieden, hieß es aus Regierungs- und Koalitionskreisen. Sie wollen über ein ganzes Instrumentarium juristisch entscheiden. In der bereits implementierten Rettungslinie der Lufthansa müssen weitere Optionen eingeführt werden. In Regierungskreisen hieß es, dass die direkte Beteiligung des Staates an den Zulieferern bei der Hilfe nicht an erster Stelle stehe. Im Notfall muss es jedoch schnell gehen.

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