Innenminister Faeser „49 Kinder werden täglich Opfer sexueller Gewalt“

Stand: 29.05.2022 20:44 Uhr

Laut Innenminister Faeser wurden im Jahr 2021 täglich durchschnittlich 49 Kinder in Deutschland Opfer sexueller Gewalt. Es bestehe „dringender“ Handlungsbedarf. Eine unprovozierte Suche nach verschlüsselten Privatchats lehnt es jedoch ab.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser sieht im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet “dringenden Handlungsbedarf”. Durchschnittlich 49 Kinder pro Tag seien im vergangenen Jahr in Deutschland sexuell missbraucht worden, sagte der SPD-Politiker in einem Berlin-Bericht. Er bezog sich auf eine am Montag fällige Meldung des Bundeskriminalamts. „Wir müssen Kinder dringend schützen“, forderte Faeser. Es sei „eine der schlimmsten Formen der Kriminalität“.

Die Ministerin bekräftigte ihre Position zu den Plänen der Europäischen Kommission, die Internetüberwachung im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern drastisch zu verstärken. Mit dieser “ekelhaften Form der Kriminalität” hart umzugehen, schließe den Schutz privater Informationen nicht aus, sagte er. “Aus meiner Sicht müssen wir nicht ohne Grund in private Chats einsteigen.” Vielmehr handelt es sich um öffentlich zugängliche Chats, die nicht verschlüsselt sind, und Plattformen zum Teilen von Bildern.

„Wir wollen es untersuchen, aber wir wollen keine verschlüsselte private Kommunikation untersuchen“, betonte Faeser. Er kündigte eine „separate Stellungnahme zur EU-Richtlinie“ an.

“Wir müssen nicht ohne Grund in private Chats eintreten”

Berlin Report, 29. Mai 2022

Online-Plattformen sollten zur Meldung verpflichtet werden

Wer Fotos und Videos von sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet teilt, soll nach dem Willen der EU-Kommission künftig leichter erfassbar sein. Laut einem Mitte Mai vorgelegten Gesetzentwurf könnten Anbieter wie Google und Facebook aufgefordert werden, ihre Dienste mithilfe von Software nach geeigneten Darstellungen zu durchsuchen. Außerdem muss ein EU-Zentrum aufgebaut werden, das die entsprechende Technologie bereitstellt.

Kritik an dem Entwurf kommt von Datenschützern und mehreren Abgeordneten. Bundesdigitalminister Volker Wissing (FDP) sagte kürzlich, allgemeine Chat-Kontrollen seien inakzeptabel. „Wir brauchen einen sicheren Raum für private Kommunikation“, sagte er.

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