Eine vierte Person in Österreich hat einen Migrationshintergrund. Besondere Herausforderungen bestehen bei der Integration des Gesundheitssektors und des Arbeitsmarktes.
Österreich hat im April die Marke von neun Millionen Einwohnern überschritten. Dieses Bevölkerungswachstum ist vor allem auf die verstärkte Migration zurückzuführen. „Österreich wächst allein durch Zuwanderung“, erklärte Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria, bei der Vorstellung des diesjährigen Integrationsberichts am Montag.
Damit ist auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen. Jetzt sind es 25,4 Prozent. Dies entspricht einer Steigerung von 4,8 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Dies ist einerseits auf den russischen Angriffskrieg und die damit verbundene Flucht aus der Ukraine zurückzuführen. Andererseits haben die Asylanträge aus anderen Ländern in diesem Jahr stark zugenommen.
Arbeitsmarkt und gesundheitliche Herausforderungen
Von Anfang des Jahres bis Ende Juni wurden mehr als 31.000 Asylanträge in Österreich gestellt. Hinzu kommen rund 80.000 ukrainische Flüchtlingsunterlagen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2015 wurden 88.000 Anträge gestellt.
Die Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund kommt weiterhin aus Deutschland (218.347). Rumänen sind jetzt die zweitgrößte Gruppe ausländischer Staatsbürger. Ihre Zahl ist seit 2015 um 89 Prozent auf 140.454 gestiegen. An dritter Stelle liegen die Serben (121.643). Auch die Zahl der Syrer und Afghanen in Österreich hat seit 2015 besonders stark zugenommen. Bei ersteren ist der Zuwachs seit 2015 mit 507 Prozent besonders hoch. Das liegt aber daran, dass es vor dem Krieg relativ wenige Syrer in Österreich gab.
Besondere Herausforderungen der Integration bestehen im Gesundheitswesen und auf dem Arbeitsmarkt. Auf letztere müsse daher ein besonderes Augenmerk gelegt werden, erklärte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP). Schließlich zeichneten sich die angekommenen Ukrainer durch ein hohes Bildungsniveau und Arbeitsbereitschaft aus, sagte Raab. Laut einer Studie haben 72 % der ukrainischen Flüchtlinge einen Hochschulabschluss und 87 % sind arbeitssuchend.
Kinderbetreuung und Sprachförderung
Damit insbesondere ukrainische Frauen arbeiten können, da 80 Prozent der Flüchtlinge in der Ukraine Frauen sind, muss ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen vorhanden sein. Zudem müssten im Ausland erworbene Abschlüsse schneller anerkannt und eine angemessene Sprachförderung angeboten werden, sagte Katharina Pabel, Vorsitzende des Integrationsbeirats.
Bei der Arbeitsvermittlung gebe es vor allem für Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 noch viel Nachholbedarf, sagte Pabel. Zwei Drittel der syrischen Frauen und ein Drittel der syrischen Männer haben noch keine Arbeit gefunden. Hier sind gezielte Angebote gefragt.
Große Unterschiede in der Gesundheit
Pabel hob auch die Unterschiede beim Zugang zum Gesundheitssektor hervor. Beispielsweise achten Migranten tendenziell weniger auf Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen als die einheimische Bevölkerung. Die Covid-Impfquote lag bei Österreichern bei 73 % und bei Ausländern bei nur 56 %. Natürlich gibt es deutliche Unterschiede. Die Iraner waren zu 76 % geimpft, während es bei den Russen und Rumänen nur 37 % bzw. 38 % waren.
Minister Raab bezeichnete die diesjährige Integration als “Mammutaufgabe”. Deshalb wurden die Angebote auf alle Branchen ausgeweitet, zum Beispiel gibt es so viele Sprachkurse wie nie zuvor. Die Zunahme der Migration sei aber nicht nur eine Herausforderung für Österreich, sondern für ganz Europa, weshalb er die Spitzen der europäischen Integrationsländer für diesen Donnerstag zu einer Debatte zu diesem Thema eingeladen habe, berichtet Raab.