Wie gut ist Intel Arc? Antworten auf diese Frage bietet der Test eines aus China importierten Arc A380 auch ohne Intel-Probe. Das Einstiegsmodell musste sich gegen die GeForce GTX 1650, die Radeon RX 6400 und die 6500 XT beweisen. Neben der reinen Performance in Spielen stellten sich massive Treiberfehler als weiteres großes Problem heraus.
Intels erste Gaming-Grafikkarte im Test
Nicht selten erscheinen komplexe Hardware-Entwicklungen später als zunächst gedacht. Allerdings ist es nicht die Regel, dass wie die Grafikkarten von Spielern in Intels Arc-Reihe auf Basis der Alchemist-Architektur verkommt.
Intel lässt Arc einfach nicht, zumindest nicht wirklich. Denn Arc existiert bereits in Notebooks und als diskrete Grafikkarte. Hierzulande sind aber nur sehr kleine mobile Varianten in homöopathischer Dosierung erhältlich, der Rest ist nur exklusiv und offiziell in China erhältlich. In Ländern außerhalb Chinas will Intel aber noch nicht zu viel über die Produkte reden. Das könnte sich erst mit den schnelleren Modellen in Form von Arc A750 oder Arc A770 ändern. Wann sie letztendlich außer „2. Halbjahr 2022“ erscheinen werden, ist noch unklar.
Gunnir Arc A380 Photon 6G Array Gunnir Arc A380 Photon 6G Array Gunnir Arc A380 Photon 6G Rückplatte
Gunnir Arc A380 Photon 6G Getestet: Importiert nach China
Aktuell ist die Situation für Gamer und Publisher außerhalb Chinas nicht sehr zufriedenstellend, da Intel dort nur Samples presst. Für neugierige Köpfe lautet die Devise Eigeninitiative.
Die Verlage waren neugierig und importierten einen Gunnir Arc A380 Photon 6G aus China auf dem Umweg zu Intel. Als das Unternehmen darüber informiert wurde, gab es noch den obligatorischen „Reviewer’s Guide“, aber seine Presseabteilung konnte nicht mehr als den aktuellen öffentlichen Treiber liefern.
Der Test stellt also den aktuellen Stand der Arc-Plattform auf dem Desktop-Rechner dar, wie er von Spielern aus China oder jenen, die das Produkt von dort importieren, vorzufinden sein wird. Inwieweit sich die Situation vor dem offiziellen Start in Europa ändern wird, bleibt abzuwarten.
Intel Arc A380 vs. RX 6400, RX 6500 XT und GTX 1650
Die Arc A380 ist eine absolute Einsteiger-Grafikkarte mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 125 bis 150 US-Dollar vor Steuern: Gunnirs Sonderanfertigung kostet in China umgerechnet 150 US-Dollar. Vor zwei Wochen zahlten Verlage 203 Euro inklusive Versand nach China, aber ohne Versand nach Deutschland und Zollgebühren.
Spezifikationen von Intel Arc (“Alchemist”) (Quelle) *
Nicht umsonst steht Intel vor einer AMD Radeon RX 6400, und die ist schon deutlich langsamer als die ohnehin langsame Radeon RX 6500 XT (Test). Im normalen Testparcours hätte die Grafikkarte keine Chance, deshalb haben Publisher einen komplett neuen erstellt, in dem der A380 gegen die Radeon RX 6400 und die Radeon RX 6500 XT von AMD sowie die GeForce GTX 1650 von Nvidia getestet werden muss . Für diesen Artikel wurden alle Benchmarks neu berechnet.
Asus RX 6400, Gunnir Arc A380 und MSI GTX 1650 (von links nach rechts)
Es überrascht nicht, dass sich die Aufmerksamkeit auf die Spieleleistung konzentriert, aber auch andere gängige Maße wie Stromverbrauch, Temperatur und Lautstärke werden untersucht. Außerdem gibt es einen kurzen Ausflug ins Raytracing und auch Videoeinheiten werden eine Rolle spielen. Zunächst ist der schlicht desaströse Zustand des Fahrers nicht zu übersehen.
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GPU-Z mit Intel Arc A380
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Intel Arc A380: Eckdaten im Detail
Bisher hat Intel keinen tieferen Einblick in die Alchemist-Architektur gegeben. Stattdessen sind die ersten, aber zumindest offiziellen Details zu Xe-HPG der aktuelle Stand der Dinge. Zumindest die hier getestete Konfiguration des Arc A380 ist bereits offiziell.
Er basiert auf der von TSMC im N6-Verfahren gefertigten ACM G11 GPU und ist damit der kleinere der beiden Alchemist-Chips. Über das Budget des Transistors und die Größe des Chips gibt es keine offiziellen Angaben, aber das Gerücht spricht von 7,2 Milliarden und 157 mm², was überraschend viele Transistoren auf überraschend großer Fläche bedeuten würde. AMDs Navi 24 (Portable sowie Radeon RX 6400 und 6500 XT) basiert ebenfalls auf 6nm und hat nur 5,4 Milliarden Transistoren und eine Fläche von 107mm², bietet aber auch kein Videolaufwerk.
Der Arc A380 nutzt den maximalen GPU-Ausbau mit 2 Rendering-Segmenten, insgesamt 8 Xe-Kernen und damit 128 Vector-Engines. Der größere ACM-G11-Chip hingegen basiert auf 8 Rendering-Slices und damit auf bis zu 512 Vector-Engines. Was genau eine Vector-Engine kann, hat Intel noch nicht spezifiziert, aber angesichts der spekulierten 1.024 ALUs würde ein Xe-Core aus 128 ALP FP32s bestehen, was der Struktur von Nvidia Ampere (AMD RDNA 2:64) entspricht. Da ein Xe-Core 16 Vector Engines enthält, würde jede wiederum aus 8 ALUs bestehen. Vektor-Engines unterstützen “Rapid Packed Math” mit den Formaten FP16 und INT8.
Offiziell ist es auch nicht, aber nach vorläufigen Informationen zu Alchemist gibt es 8 Textureinheiten für Xe-Core, ACM-G11 könnte also auf 64 davon zurückgreifen. Darüber hinaus gibt es 16 ROPS pro Portion Rendering für insgesamt 32 auf dem A380 Arc. Für jeden Xe-Kernel steht ein gemeinsam genutzter L1-Cache mit 192 KB zur Verfügung. Der L2-Cache, der die beiden Rendering-Abschnitte verbindet, ist 4 MB groß.
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Intel Alchemist (Bild: Intel)
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Raytracing: näher an Nvidia als an AMD
Die Zahl von acht Raytracing-Einheiten auf dem kleinen Chip ist wieder offiziell und somit eine pro Xe-Core. Diese können den Strahlengang, den Schnittpunkt des Dreiecks und den Schnittpunkt der Begrenzungsbox beschleunigen, daher basieren separate RT-Einheiten auf der RT-Struktur von Nvidia und sollten aktuellen Ableitungen von AMD zu RDNA überlegen sein nicht die BVH (“Delimiting Volume Hierarchy”)-Struktur erzeugen, dieser Teil wird von normalen FP32-ALUs übernommen.
Die RT-Einheiten von Nvidia wiederum sind auch für die Erstellung der kompletten BVH-Struktur (Exkursion: Raytracing in Spielen VI: Wie Strahlen von GPUs beschleunigt werden) verantwortlich, zu der ein Teil gehört, was Intel die Berechnung des Schnittpunkts der Begrenzungsbox nennt. Unklar ist derzeit, ob Intels RT-Core wie Nvidias RT-Core für die komplette Erstellung der BVH-Struktur verantwortlich ist.
Maschinelles Lernen wird mit separaten Einheiten beschleunigt
Offiziell sind auch insgesamt 128 XMX-Array-Einheiten zur Array-Beschleunigung. Diese Funktionseinheiten konkurrieren mit Nvidias Spanneinheiten. Jede Vector-Einheit verfügt über eine eigene XMX-Einheit, die die überlegene Sampling-Technologie von Intel XeSS in Zukunft beschleunigen wird. Details zu XeSS hält Intel noch geheim.
Bekannt ist, dass eine MX-Einheit 128 FP16/BF16-, 256 INT8- oder 512 INT4/INT2-Berechnungen pro Zyklus durchführen kann. Im FP16-Format können XMX-Einheiten viermal mehr Berechnungen pro Zyklus ausführen als normale Recheneinheiten mit DP4a-Befehlen und sechzehnmal mehr als ohne DP4a, obwohl sie für MXM-Einheiten als Arrays verfügbar sein müssen.
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MXM-Array-Einheit für maschinelles Lernen (Bild: Intel)
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ACM-G11 kann auf ein 96 Bit breites Speicherinterface zugreifen, der Speicherausbau beträgt 6 GB (12 GB sind theoretisch auch möglich, aber dieses Modell gibt es nicht). Die PCIe-Schnittstelle unterstützt auf der kleinen GPU acht Lanes des 4.0-Standards.
Die Technik des Intel Arc A380 im Detail
Die Xe Media Engine für alle wichtigen Codecs
Alle Arc-Grafikkarten beinhalten eine Multimedia-Engine (Decoder und Video-Encoder), die alle gängigen Codes mit H.264, H.265, VP9 und AV1 kodieren und dekodieren kann. Bisher kann nur Intel Alchemist AV1 auf die Hardware codieren.
Intel spricht von bis zu 8K60 12-Bit HDR beim Decoding und bis zu 8K 10-Bit HDR beim Encoding. Anscheinend funktioniert die Codierung nur mit maximal 30 FPS. Es wird gesagt, dass “Popular Video Software” unabhängig vom Programm mit der Xe Media Engine kompatibel ist. Handbrake und BlackMagic DaVinci Resolve Studio 18 gehören definitiv dazu.
Die Xe Media Engine (Bild: Intel)
Mit DisplayPort 2.0 aber ohne HDMI 2.1
Die Alchemist-Display-Engine hält einige Überraschungen bereit. Neben DisplayPort 1.4a wird bereits DisplayPort 2.0 UHBR10 unterstützt. DisplayPort ist also sehr weit fortgeschritten, während HDMI hinterherhinkt: Es gibt nur die Version 2.0b.
Bei den Auflösungen und Bildwiederholraten kann Intel unter Berücksichtigung von DisplayPort 2.0 sehr hohe Zahlen nennen und spricht von zweimal 8K60 HDR und viermal 4K120 HDR.
Die Xe-Screen-Engine (Bild: Intel)
Deep Link kann teilweise dGPU und iGPU kombinieren
Mithilfe von „Deep Link“ können Arc-Grafikkarten im Verbund mit Intels iGPUs arbeiten, sofern diese der Xe-Serie entsprechen, was seit der 11. Generation des Core der Fall ist. dGPU und iGPU können unter dem Namen „Deep Link Hyper Compute“ in Computer- und maschinellen Lernalgorithmen zusammenarbeiten und unter dem Namen „Deep Link Hyper Encode“ die Codierungsleistung steigern. Damit dies möglich ist, muss die verwendete Software explizit “Deep Link” …