Internationaler Notstand: «Schweiz muss Affenpocken-Impfstoff genehmigen»

Veröffentlicht am 25. Juli 2022, 4:46 Uhr

Internationaler Notstand: «Schweiz muss Affenpocken-Impfstoff genehmigen»

Affenpocken-Virusinfektionen nehmen auch in der Schweiz zu. Ein Epidemiologe fordert eine Zulassung des Impfstoffs in der Schweiz.

1/7

Bis heute haben sich mehr als 17.000 Menschen in mehr als 74 Ländern mit Affenpocken infiziert. Bisher haben sich in der Schweiz 229 Menschen mit Affenpocken infiziert.

Getty Images

Am 23. Juli 2022 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Affenpockenvirus zu einem „Notfall von internationaler Bedeutung“.

Reuters

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit, die Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. «Das BAG ist mit Experten in Kontakt und passt die Massnahmen den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen an», teilte das BAG auf 20 Minuten mit.

20 Minuten/Simon Glauser

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen Affenpocken einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, fordert die Epidemiologin Nicola Low: «Die Schweiz muss so schnell wie möglich einen Impfstoff genehmigen.» Der Bund muss eine generelle Lösung für die Situation finden, wenn Impfstoffhersteller keine Zulassung in der Schweiz anstreben, die Impfung aber aus Präventionssicht notwendig ist. In Großbritannien, Deutschland und den USA wird bereits ein Impfstoff eingesetzt.

Bis dahin ist es wichtig, dass die Bundesregierung entsprechende Präventionsmaßnahmen umsetzt und anhand neuer Übertragungsmuster geforscht wird. Denn in den USA haben sich zwei Kinder mit Affenpocken infiziert. «Es wäre wünschenswert, wenn die Forschung die Bedeutung der verschiedenen Übertragungswege genauer aufklären würde. Wir müssen auch die Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe und Therapien untersuchen», sagt der Professor für Epidemiologie an der Universität Bern.

Wappnen Sie sich besser gegen Infektionskrankheiten

Josie Golding, Chefepidemiologin des britischen Forschungsinstituts Wellcome Trust, geht noch einen Schritt weiter. Golding sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag, die Welt könne es sich nicht leisten, weiter auf eine Zunahme von Krankheiten zu warten.

Er fordert deshalb in Zukunft bessere Waffen gegen Epidemien: „Unsere Welt wird immer anfälliger für den Ausbruch von Infektionskrankheiten“, sagt der Epidemiologe. Golding stimmt zu, dass die Forschung klären muss, warum wir neue Übertragungsmuster bei Affenpocken sehen und was dagegen getan werden kann.

Die Strategie muss nicht angepasst werden

Im Gegensatz zu Epidemiologen sieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) derzeit jedoch keine unmittelbare Notwendigkeit, die bisherige Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. «Das BAG ist mit Experten in Kontakt und passt die Massnahmen den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen an», teilte das BAG auf 20 Minuten mit. In der Schweiz gab es bisher nur eine Meldepflicht für eine Infektion. Dies gilt seit dem 20. Juli.

Die Behörde geht jedoch davon aus, dass in Zukunft vermehrt Affenpocken-Infektionen in der Schweiz nachgewiesen werden. „Eine Ausweitung des Ausbruchs auf andere Bevölkerungsgruppen kann nicht ausgeschlossen werden“, schreibt das BAG. Aufgrund der Sensibilisierung der Gesundheitsfachpersonen und der Bevölkerung geht das BAG jedoch davon aus, dass in der Schweiz, wie auch in anderen europäischen Ländern, die meisten Fälle schnell erkannt werden.

Sollten sich jedoch mehr Menschen in der Schweiz mit Affenpocken infizieren, liege die Verantwortung wieder hauptsächlich bei den Kantonen: «Die Kantone melden laufend Fälle und ergreifen bei Bedarf weitere Massnahmen», schreibt das BAG auf 20 Minuten.

Die Politik unterstützt das Vorgehen des BAG

Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber glaubt, dass die Schweiz nach heutigem Wissensstand ausreichend gegen Affenpocken gewappnet ist. Wir haben aus der Vergangenheit und aus dem Coronavirus gelernt. „Wir haben ein Backup-Gerät geschaffen, das im Notfall funktionieren soll. Jetzt können wir die Krise bewältigen“, sagt Prelicz-Huber.

SVP-Nationalrat Thomas Aeschi sieht das genauso. Sie unterstützt den Ansatz des BAG, einen föderalistischen Ansatz zu verfolgen und zunächst die Kantone in die Verantwortung zu nehmen. «Wir sollten nicht überreagieren. Das Affenpockenvirus hat ein anderes Image als das Covid-Virus. Deshalb glaube ich nicht, dass es zu einer weiteren Pandemie führen wird», sagt Aeschi.

Bleiben Sie über politische Themen auf dem Laufenden

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News mehr zum aktuellen Weltgeschehen. Holen Sie sich jeden Tag das Wichtigste kurz und prägnant direkt in Ihr Postfach.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *