Inhalt
Ernst König von Swiss Sport Integrity und SRF-Kommentator Patrick Schmid diskutieren über die Dopingsperre von Alex Wilson.
Das erste Urteil im „Wilson Cause“ ist gefallen: Nach einem positiven Dopingtest im Frühjahr letzten Jahres sperrte die Schweizerische Sportdisziplinarkammer (DK) den Sprinter für 4 Jahre. Der Grund: Das Trenbolon wurde absichtlich eingenommen.
Für Patrick Schmid, Leichtathletik-Kommentator beim SRF, sind die Auswirkungen des Urteils gegen Wilson gleich in mehrfacher Hinsicht fatal: Es wird mehr Sponsoren geben.»
Auch im Sportbereich werde es Schwierigkeiten geben, prognostiziert Schmid: „Mit 32 Jahren hat man als Sprinter meistens seinen Zenit überschritten. Theoretisch wäre Wilsons nächste Chance, sich zu beweisen, bei der EM 2024. Doch davon ist er laut dem am Dienstag verkündeten Urteil weit entfernt.“
Schmid thematisiert Wilsons Möglichkeit, doch noch gerichtlich freigesprochen zu werden. Das Urteil kann innerhalb von 21 Tagen angefochten werden. Die nächsten Instanzen wären das CAS und schliesslich das Bundesgericht.
Das Urteil zeigt, dass Wilsons keine glaubwürdigen Erklärungen zu dem kontaminierten Fleisch abgegeben hat.
Swiss Sport Integrity, die Nachfolgestiftung von Antidoping Schweiz und Klägerin in der Sache, wird das Urteil jedoch nicht weiter verfolgen. „Wir freuen uns über das Urteil“, sagt Ernst König, Direktor von Swiss Sport Integrity. Der Fall habe über ein Jahr gedauert, “das ist eine ungewöhnlich lange Zeit”, sagt König und fügt hinzu: “Das Urteil zeigt, dass Wilsons Aussagen über das kontaminierte Fleisch nicht glaubwürdig sein konnten.”
Ungeklärte Tatsachen, andere mögliche Verfahren
Ein Blick auf das erste Halbjahr 2021 von Alex Wilson zeigt, dass er mehrfach negative Schlagzeilen machte, weil er mit zwei aufgewühlten Menschen Kontakt hielt:
- Eric Lira: Wilson soll Kontakte zu dem selbsternannten Kinesiologen und Heilpraktiker haben. Er soll Sportlern im Vorfeld der Olympischen Spiele illegale Substanzen verabreicht haben. Laut Wilson war der Besuch auf Rückenschmerzen zurückzuführen; Ermittlungen hierzu laufen. Die Umstände hätten die Entscheidung der DK jedoch nicht beeinflusst, so König.
- Raymond Stewart: Auch Wilson hat mit dem jamaikanischen Coach trainiert. Seit 2010 ist Stewart von der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur lebenslang gesperrt.
„Die Umgebung mit diesen Leuten kann sportlich einfach nicht hilfreich sein“, analysiert Schmid. Es stellt sich also die Frage, ob Wilson Teil eines größeren Dopingnetzwerks sein könnte: „Eine Frage, die man sich zu Recht stellen kann“, sagt König. “Die Beantwortung dieser Frage wird Gegenstand eines weiteren Verfahrens sein.”
Ernst König über die Arbeit von Swiss Sport Integrity