IWF-Wachstumsprognose Düstere Aussichten für die Weltwirtschaft

Stand: 26.07.2022 15:00 Uhr

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr noch weniger wachsen als befürchtet. Der IWF hat seine Wachstumsprognose erneut gesenkt.

Von Steffen Root, ARD-Studio Washington

„Düster und unsicher“: Mit diesen Worten betitelt der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen neuen Bericht. Und nicht nur die Überschrift klingt pessimistisch. Der IWF stellt nüchtern fest, dass mehrere Krisen die durch die Corona-Pandemie ohnehin geschwächte Weltwirtschaft treffen. Dazu gehören eine hohe Inflation, insbesondere in Europa und den USA, die Folgen der russischen Invasion in der Ukraine und von der Regierung auferlegte Bewegungsbeschränkungen in China.

Der Internationale Währungsfonds spricht daher im wahrsten Sinne des Wortes von einer „immer düstereren Entwicklung im Jahr 2022“. Der IWF korrigierte seine Wachstumsprognose erneut nach unten. Die Experten des Währungsfonds erwarten für das laufende Jahr nur noch ein globales Wachstum von 3,2 %. Das sind nochmals 0,4 Prozentpunkte weniger als in der April-Prognose geschätzt.

Nur 1,2 % Wachstum in Deutschland

Letzte Woche hat der in Washington ansässige Währungsfonds seine Erwartungen für die deutsche Wirtschaft sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr nach unten korrigiert. Oya Celasun, Leiterin der deutschen Auslandsvertretung beim IWF, verwies ausdrücklich auf die negative globale Lage. Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nur noch um 1,2 Prozent wachsen.

Damit sind die IWF-Experten deutlich pessimistischer als beispielsweise der Sachverständigenrat der Bundesregierung oder das ifo Wirtschaftsforschungsinstitut. Vor allem die deutsche Industrie leidet unter globalen Lieferkettenproblemen. Die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen sind voll, aber es gibt Probleme mit der Produktion, so IWF-Analyst Celasun. Hier müssen Sie aufholen. Kurzfristig wird die Gasproblematik in Deutschland alles überschatten.

„Risiken zeigen meist nach unten“

Wer auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft setzt, wird von den IWF-Experten enttäuscht. In seinem Bericht heißt es unmissverständlich: „Die Aussichten für die Weltwirtschaft weisen hauptsächlich nach unten gerichtete Risiken auf.“ Die größten Risiken bleiben laut IWF die Folgen des russischen Krieges in der Ukraine. Russlands Führung könnte Gaslieferungen nach Europa komplett stoppen, mit drastischen Folgen für die Wirtschaft.

Auch China wird im IWF-Bericht immer wieder erwähnt: Die von Staat und Parteiführung angeordneten Bewegungseinschränkungen und die Corona-Lockdowns in der Volksrepublik hätten die Wirtschaft des Landes geschwächt und im Gegenzug die weltweiten Lieferkettenprobleme verschärft. Der IWF fordert die Politik weltweit auf, besonders hohe Inflation zu bekämpfen. Die Leitzinsen sollten deswegen steigen, auch wenn es wehtut.

Pessimismus: IWF senkt globale Wachstumsprognosen deutlich

Steffen Root, ARD Washington, 26. Juli 2022 14:48 Uhr

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