Martin Flicker ist Gärtner und Gartengestalter in Amaliendorf (Kreis Gmünd). Er stammt aus einer von etwa 15 Yen-Familien in der Region und wuchs bei seiner Urgroßmutter auf, die sein Wissen um die Kraft der Kräuter weitergab.
„Sie hat mir beigebracht, welche Pflanzen man essen kann, wie man welche Pflanzen für medizinische Zwecke verwenden kann. Welche Tinkturen, Salben, Tees oder Spirituosen zur Behandlung von Krankheiten hergestellt werden können.“ Ein altes Wissen, das weitgehend verloren ging, weil man immer mehr auf die Schulmedizin setzte, sagt Martin Flicker, auch bekannt als „Pflanzenflüsterer“.
ORF Martin Flicker (links) im Gespräch mit Robert Salzer (ORF Niederösterreich): „Viele große Yen verstecken sich in der Gesellschaft“
Sie brauchen keinen Arzt, sagt er, die 5.000 Kräuter in Ihrem Garten schon. Als Beispiel nennt er den gelben Blütenginster, dessen Blüten zur Behandlung von Herzkrankheiten verarbeitet werden. Ein Wissen, das ihn auch als Gartengestalter verklagen lässt. Er spricht von einem Bewusstseinswandel bei seinen Kunden: „Die Menschen legen viel mehr Wert als früher darauf, Kräuter und Heilpflanzen im Garten zu haben und auch Platz für Wildpflanzen zu schaffen. Es ist anders als früher.”
Die offizielle Anerkennung steht bevor
Dieser Bewusstseinswandel gelte auch für die Volksgruppe der Jenischen, sagt er. Bevor sie als Traveller aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurde, wurden in den letzten Wochen Schritte zur offiziellen Anerkennung als Volksgruppe durch das Parlament unternommen.
„Die Kultur ist noch da, wir leben nur innerhalb der jeweiligen Gruppen, meist in Familien, wo noch Bräuche bestehen und die jenische Sprache gesprochen wird. Deshalb setze ich so viel Hoffnung auf diese Anerkennung, damit dies in Zukunft offen geschehen kann, ohne Vergeltungsmaßnahmen befürchten zu müssen. Denn viele der älteren Jenischen verstecken sich in der Gesellschaft, weil sie Ausgrenzung fürchten. Ich hoffe, dass die jungen Leute angesichts dieser Situation viel gelassener werden.”
Martin Flicker im Interview
„Die Kultur ist immer noch aktiv, sie beschränkt sich nur auf die Gruppe“, sagt Martin Flicker offen zu seiner Herkunft.
Sein offensiver Umgang mit seiner Kultur war auch Grundlage einer Reihe von Romanen des Gmünder Autors Thomas Sautner über jenische Kultur und Geschichte, wie „Milchblume“ oder „Fuchserde“. Flicker: „Wir kennen uns, seit er 19 ist. Irgendwann sagte er, er schreibe ein Buch und ich sagte ‚Ja, träum weiter.‘ Dann schrieb er eins und blieb nicht hier.“ Diese Bücher könnten ein Puzzleteil für die Anerkennung der Jenischen als Volksgruppe in Österreich sein.