Jetzt kommt die zweite Tranche der Corona-Krise

Eine schreckliche Inflation macht Zinserhöhungen unvermeidlich. Und selbst wenn das zu einer weiteren Rezession führt, muss diese bittere Pille jetzt geschluckt werden.

Die Welt steht erneut am Rande einer Rezession. Das sagte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds am Mittwoch, nachdem der Fonds tags zuvor seine Erwartungen für das globale Wachstum für dieses Jahr stark zurückgenommen hatte. Kommt es nun zum erwarteten Gas-Shutdown Russlands, ist zumindest in den Industrieländern des Westens mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen.

Ein wichtiger Grund für die konjunkturelle Abschwächung ist auch die Straffung der Geldpolitik, die in den USA besonders schnell erfolgt. Die US-Notenbank hat am Mittwochabend die Zinsen erneut um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Das sollte die horrende Inflation im Juni von 9,1 Prozent endlich unter Kontrolle bringen. Gleichzeitig sorgt dies aber auch für eine deutliche Konjunkturabkühlung, da kreditfinanzierte Investitionen deutlich zurückgehen.

Die von Sparern lange erwartete Zinswende wird auch in Europa zu einer Abschwächung führen. Und wenn die Arbeitslosigkeit wieder steigt, dürfte der politische Druck zunehmen, es mit der Verschärfung nicht zu übertreiben. Jedenfalls sollten sich die Notenbanken diesem Druck widersetzen. Denn die aktuelle Verlangsamung ist nur der am wenigsten wirtschaftliche Teil der Corona-Pandemie, der durch die lockere Geldpolitik verschoben wurde.

Irgendwann muss aber die Rechnung für diese Politik bezahlt werden, was in der Krise durchaus seine Berechtigung hat. Und je länger es verschoben wird, desto höher wird es sein.

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