Details müssen noch bestätigt werden. Die 15-Prozent-Hürde der Fraktion, die das Vertrauen in den Chef der Konservativen fordert, ist überschritten. Das bedeutet, dass mindestens 54 Konservative 1922 beim Parteivorstand schriftlich einen Antrag auf Wahl stellen müssen. Anfragen sind vertraulich. Brady erklärte, dass die Stimmen unmittelbar nach der Abstimmung gezählt werden.
Johnson steht seit langem unter Druck, im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie gegen strenge Kontaktbeschränkungen zu verstoßen: Stichwort „Partygate“. Der Konservative hat sich mehrfach entschuldigt, sich jedoch geweigert, zurückzutreten, und erklärt, die Regierung stehe vor zu vielen Herausforderungen und es sei unverantwortlich, vor ihr davonzulaufen.
Rücktritt bisher total abgelehnt
Seit der Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts hatten einige konservative Abgeordnete Misstrauensschreiben an das zuständige Parteigremium geschickt. Viele parteiinterne Rebellen verwiesen in ihrem Antrag auf den Untersuchungsbericht der Spitzenfunktionärin Sue Gray. Sie hatte Johnson schweres Versagen als Führungspersönlichkeit vorgeworfen, aber der 57-Jährige fährt fort, als wäre nichts passiert, auch ohne zu wissen, dass er der erste amtierende Premierminister war, der gegen das Gesetz verstoßen hatte, nachdem er wegen Teilnahme an einer Party mit einer Geldstrafe belegt worden war. .
Johnson weigerte sich bislang, zurückzutreten, und berief sich dabei auf die schwierige Wirtschaftslage, den Krieg Russlands gegen die Ukraine und ihre „Riesenprojekte, für die ich gewählt wurde“. Er glaubt auch nicht, dass eine Geldstrafe der Londoner Polizei für die Teilnahme an einer Blockadeveranstaltung einen Verstoß gegen die Ethik der Regierung darstellt.
Lange erwartete Abstimmung
Nun entscheidet die für heute Abend angesetzte Misstrauensabstimmung darüber, ob Johnson sein Amt verliert. Demnach sollen 180 konservative Abgeordnete – mindestens die Hälfte der derzeit 359 Abgeordneten der Fraktion – gegen den Ministerpräsidenten protestieren. Beobachter weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass etwa 150 Fraktionsmitglieder einen Job in der Regierung haben, etwa als Außenminister, Fraktionspeitscher (“Futs”) oder Handelsgesandte.
Stimmen sie bei den Nachwahlen gegen Johnson, könnten sie selbst ihre Sitze verlieren, so die dpa. Die Tories seien „zwischen Aufruhr und Lähmung gefangen“, sagte James Forsyth, Herausgeber des konservativen Magazins Spectator, der Times. Festgelegt ist lediglich, dass bei einem Misserfolg eines Misstrauensantrags erst in einem Jahr neu abgestimmt werden kann.