Jörg Meuthen: Was plant der ehemalige AfD-Chef der Zentrumspartei jetzt?

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„Wir wollen in die Parlamente“ – was der ehemalige AfD-Chef Meuthen jetzt plant

Beginn: 15:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Der frühere AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen

Quelle: dpa

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Der frühere AfD-Bundespräsident Meuthen tritt der Mitte-Rechts-Partei bei. Die Christlich-Konservative Partei ist längst bedeutungslos, aber Meuthen will sie ins Parlament holen. Zwei seiner Vorgänger in der AfD scheiterten an ihren Rückkehrversuchen.

Es ist der Abschied von der politischen Bedeutungslosigkeit: Der frühere Bundesvorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, ist in die Zentrumspartei eingetreten. „Die Mitte ist eine Partei, die genau das repräsentiert, wo ich meine politische Heimat sehe“, sagte Meuthen am Freitag. „Beruflich konservativ, aber nicht reaktionär; liberal und patriotisch, aber frei von langweiligem Nationalismus; Christlich sozial, aber marktwirtschaftlich.“

Meuthen war zwischen Juli 2015 und seinem Austritt aus der Partei im Januar 2022 Bundesvorsitzender der AfD Amt für Verfassungsschutz. Später distanzierte er sich von der Strömung innerhalb der Partei.

Eine weitere Radikalisierung der AfD konnte sie jedoch nicht verhindern. Meuthen geht heute hart gegen sein ehemaliges politisches Haus vor: Die AfD sei eine “Abstiegspartei”, die keine Chance habe, eine bundes- oder europapolitische Bedeutung zu entwickeln. Allenfalls als Regionalpartei in Ostdeutschland hätten sie noch eine Chance.

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Dass die Zentrumspartei in der Bundespolitik noch weniger eine Rolle spielen wird, will Meuthen nicht hinnehmen. „Wir wollen in die Parlamente“, sagte er als Zielscheibe. Da es eine große Lücke in der politischen Repräsentation gibt, gibt es Möglichkeiten für ein großes Wachstum. “Es geht nicht darum, das Nirvana auf dem Momentum zu halten.”

Die kleinste Partei gibt an, etwa 500 Mitglieder zu haben. Sie wird mit vollem Parteinamen als älteste Partei Deutschlands bezeichnet, obwohl der Vorgänger der SPD, der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, sieben Jahre zuvor, 1863, gegründet worden war. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen im Mai dieses Jahres nur 0,06 Prozent mit 4.162 Stimmen pro Sekunde erhalten. Zuletzt kandidierte die Christlich-Konservative Partei bei der Bundestagswahl 2009 mit 6.087 Stimmen zu gerade einmal 0,01 Prozent.

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Selbst politische Beobachter wissen mehr über das Geschichtsunterrichtsfest in der Schule. Zu Zeiten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik stellte das Zentrum sechsmal den Kanzler und erzielte Wahlergebnisse von bis zu 28 Prozent. Auch der spätere Bundeskanzler und CDU-Gründer Konrad Adenauer war Mitglied der Zentrumspartei. Mit dem Einzug Meuthens ist die Partei erstmals im Europaparlament vertreten. Seit dem Einzug des ehemaligen AfD-Mitglieds Uwe Witt im Januar dieses Jahres ist die Partei seit 1957 im Deutschen Bundestag vertreten. Darüber hinaus gibt es aber nur wenige kommunale Amtsperioden in den Kreistagen und Stadträten von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

“Bei mir wird es keine AfD 2.0 geben”

Meuthens Austritt aus der AfD war auch bei seinen parteiinternen Anhängern sehr verärgert. Viele Mitglieder des alten Lagers Meuthen haben heute auch hinter verschlossenen Türen kaum noch ein gutes Wort übrig. Das für AfD-Verhältnisse moderate Lager fühlt sich von seinem ehemals wichtigsten Vertreter im Stich gelassen. Meuthens Weggang hat dieses Netzwerk geschwächt, denn er ist ein starker Rhetoriker und ein gestandener Redner mit bundesweiter Reputation. Bisher ist der Trend daran gescheitert, einen ebenso wichtigen Nachfolger zu bauen.

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Der aktuelle Parteichef Tino Chrupalla hat gute Chancen, innerhalb einer Woche bei der Bundestagswahl wiedergewählt zu werden. Meuthen selbst sagte am Freitag, er habe keine engen Kontakte mehr zur AfD, wisse aber, dass einige Mitglieder mit gepackten Koffern dasitzen.

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Mit dem Eintritt in die Zentrumspartei geht Meuthen einen anderen Weg als zwei seiner ebenfalls ausgetretenen Vorgänger als Bundesvorsitzende der AfD. Frauke Petry und Bernd Lucke gelang es nicht, neue Parteien zu gründen: Die von Petry im September 2017 gegründete Blaue Partei löste sich nach nur zwei Jahren wieder auf.

Das von Lucke im Juli 2015 gegründete und später in Liberal-Konservative Reformer umbenannte Bündnis für Fortschritt und Aufbruch gewann bei der letztjährigen Bundestagswahl 0,02 Prozent der Zweitstimmen. Nach eigenen Angaben hat Meuthen “nicht ernsthaft in Erwägung gezogen”, eine neue Partei zu gründen. “Ich glaube nicht, dass es vielversprechend ist.”

Das Zentrum dürfe keine Sammelstelle für ehemalige AfD-Mitglieder werden, so Meuthen weiter. “Bei mir wird es keine AfD 2.0 geben.”

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