Kalte Dusche für Sparsamkeit

16. August 2022

Die Inflation bleibt hoch, die Arbeitslosigkeit aber stabil © APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER

Die Wirtschaft wird immer dunkler. Das Wirtschaftswachstum profitiert noch von der Dynamik des ersten Halbjahres, dürfte sich aber deutlich abkühlen. Laut UniCredit Bank Austria beträgt das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr noch 4,4 %, aber nur 1,5 % im Jahr 2023. Die Inflation dürfte sich in diesem Jahr mehr als verdoppeln, von 2,8 auf 7 in 8 % im Jahresvergleich, bevor sie 2023 auf 3,6 % nachlässt.

Die gute Nachricht: Ökonomen sagen, dass der Arbeitsmarkt stabil bleiben sollte, mit einer Arbeitslosenquote von 6,3 % in diesem Jahr und 6,2 % im nächsten Jahr, laut dem UniCredit Konjunkturindikator Bank Austria. 2021 lag der Wert noch bei 8 Prozent, 2020 bei 9,9 Prozent und im Jahr vor der Corona-Krise bei 7,4 Prozent.

„Trotz der nachlassenden Wachstumsdynamik im nächsten Jahr dürfte die Beschäftigung etwas stärker zunehmen als das Arbeitsangebot und damit im Jahresdurchschnitt einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote ermöglichen“, erklärte Wirtschaftswissenschaftler Walter Pudschedl an diesem Dienstag.

„Der Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria ist im Juli deutlich auf minus 2,0 Punkte gefallen. Der Indikator fiel auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren, wie es unmittelbar nach dem ersten Pandemie-Lockdown geschah“, sagte UniCredit Bank Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer.

Nach einem “starken Wachstum im ersten Halbjahr” von durchschnittlich 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr dürfte die heimische Wirtschaft laut aktuellem Wirtschaftsbericht in den kommenden Monaten “am Rande der Stagnation stehen”.

Den stärksten Einfluss auf die Verschlechterung des Gesamtergebnisses des Konjunkturindikators im Juli hat die weiter stark gesunkene Verbraucherstimmung in Deutschland.

Der Bau und insbesondere die Industrie dürften nach aktueller Einschätzung “keine Wachstumssäule mehr sein” und der Dienstleistungssektor “immer weniger gegensteuern können”.

„Trotz der schwachen zweiten Jahreshälfte wird das Weltwirtschaftswachstum 2022 mit 4,4 Prozent sehr hoch sein“, sagte Pudschedl. „Erst 2023 wird sich die einsetzende Wirtschaftsschwäche deutlich in einem geringen BIP-Wachstum von maximal 1,5 Prozent niederschlagen.“

Hohe Kostensteigerungen reduzieren die Investitionstätigkeit, die Konsumnachfrage sinkt aufgrund des Kaufkraftverlustes infolge der hohen Inflation; beide dürften im nächsten Jahr „spürbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben, aber mit voraussichtlich abnehmender Wirkung“. während des ganzen Jahres.”

Zu Beginn des zweiten Halbjahres sei das Wirtschaftsklima in Österreich vor allem durch die deutlich verschlechterte Stimmung in Industrie und Bauwirtschaft gedämpft worden, erklärte Bruckbauer. Auf der anderen Seite bleibt der Optimismus im Dienstleistungssektor bestehen, obwohl der Rückgang der Verbraucherstimmung auf historische Tiefststände auf einen bevorstehenden weiteren Abschwung hindeutet.

Nachdem die Inflation in Österreich im ersten Halbjahr 2022 auf durchschnittlich 6,9 Prozent gestiegen sei, werde „der Aufwärtstrend der Inflation mindestens bis Herbst anhalten“. Die Preisdynamik bei Energierohstoffen, die in den letzten Monaten der bestimmende Faktor für den Inflationsanstieg war, schwächt sich ab. Die Weitergabe höherer Lebensmittel-, Strom- und Gaskosten an die Verbraucher wird in den kommenden Monaten für weitere Impulse sorgen.

„Damit sind zweistellige Inflationswerte in Österreich in den kommenden Monaten nicht mehr auszuschließen“, so die Einschätzung der Volkswirte. Angesichts der volatilen Einflüsse ist die Inflationsprognose jedoch von hoher Unsicherheit geprägt.

Der Inflationsanstieg dürfte sich im Winter nur abschwächen. 2023 werde die Inflation zunächst langsam sinken. „Allerdings rechnen wir im letzten Drittel des Jahres 2023 wieder mit einer Inflation von 2 Prozent, abgefedert durch die deutliche Abschwächung der Konjunktur“, erwartet Bruckbauer.

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