Kämpfer der Mariupoler Stahlwerke: Kiew meldet den bisher größten Gefangenenaustausch

Kämpfer des Stahlwerks Mariupol in Kiew berichten vom bislang größten Gefangenenaustausch

29.06.2022, 18:35 Uhr

Kiew und Moskau haben sich nach ukrainischen Angaben auf einen Gefangenenaustausch geeinigt, der auch vielen Kämpfern aus Mariupol die Rückkehr in die Heimat ermöglicht. Anderenfalls hätte einigen von ihnen die Todesstrafe drohen können.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Ukraine wurden beim bisher größten Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine 144 ukrainische Soldaten freigelassen. Unter ihnen seien 95 Asow-Stahlkämpfer in Mariupol, teilte die Geheimdienstabteilung des Verteidigungsministeriums der Ukraine Telegram mit. Über Ort und Zeit des Austauschs wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Auch prorussische Separatisten in der Ostukraine kündigten einen Austausch von jeweils 144 Gefangenen an. Entsprechend viele Kämpfer aus der selbsternannten Volksrepublik Donezk und Russland kehren nun in ihre Heimat zurück, sagte der Chef der Separatistenregion, Denis Puschilin, gegenüber Telegram. Im Gegenzug wurden 144 gefangene Ukrainer an die Kiewer Regierung übergeben. Die meisten sind verletzt.

Das Verteidigungsministerium der Ukraine sagte, die meisten der jetzt freigelassenen Soldaten seien durch Schüsse oder Granatsplitter schwer verletzt worden, andere hätten Verbrennungen und Knochenbrüche. Sie würden nun medizinisch und psychologisch behandelt.

Tausende ukrainische Kämpfer hatten wochenlang Asowschen Stahl gegen die russische Armee verteidigt und sich in den unterirdischen Tunneln des riesigen Werks verschanzt. Mitte April ergaben sich schließlich Hunderte von Kämpfern.

Nach Angaben prorussischer Separatisten wurden sie als “Kriegsgefangene” in die selbsternannte Volksrepublik Donezk gebracht. Ein Vertreter der Separatisten sagte Ende Mai, dass zumindest einigen von ihnen die Todesstrafe droht.

Die Ukraine erhielt nach eigenen Angaben kürzlich die Leichen gefallener Soldaten aus den eigenen Reihen in Russland. „Die Ukraine hat die Leichen von 46 verteidigenden Helden für ihre würdige Beerdigung geborgen“, teilte das Ministerium für Reintegration von Kiew am Vortag mit.

Er sagte, 21 der Leichen gehörten Verteidigern der Azovstal Steel Works. Die Lieferung erfolgte in der Region Zaporizhia im Südosten der Ukraine. Ob und wie viele Tote an die russische Seite übergeben wurden, wurde nicht bekannt gegeben. Am Tag zuvor gaben Vertreter der Separatistenregion Donezk bekannt, dass sie auf dem Gebiet von Asowstal insgesamt 172 Leichen ukrainischer Soldaten gefunden hätten.

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