Wolfsburgs Stürmerin Popp, 31, traf bei ihrer ersten Europameisterschaft in jedem Spiel und hielt bereits sechs Tore, eine Marke, die am Dienstag auch die Engländerin Beth Mead erzielte. Nach dem Viertelfinal-Aus 2017 dürfen die Deutschen auf die Rückkehr auf den EM-Thron hoffen. Sie hatten zuvor sechs ihrer acht Titel in Folge verloren. Frankreich hingegen ging im ersten Europapokal-Halbfinale der Verbandsgeschichte mit dem Gesicht nach unten vom Platz, sodass der erste Europameistertitel noch mindestens drei Jahre auf sich warten lassen muss.
Die Deutschen, die die ÖFB-Auswahl im Viertelfinale knapp mit 2:0 besiegten, waren vor 27.445 Zuschauern vor der Halbzeit die bessere Mannschaft. Einen knallharten Freistoß parierte Pauline Peyraud-Magnin glänzend (22.). In der 40. Minute war der Stürmer jedoch nicht zu stoppen. Als die wieder starke Svenja Huth eine ideale Hereingabe anführte, riskierte sie alles und traf aus sieben Metern einen wuchtigen Linksschuss-Volley.
Popp bringt Deutschland auf die Anzeigetafel (39. Minute)
Alexandra Popp brachte Deutschland in der 40. Minute in Führung.
Ausgleich für Eigentor
Die Freude war jedoch nur von kurzer Dauer, als Kadidiatou Diani aus knapp 20 Metern nur den Pfosten traf, der Ball aber an Torhüterin Merle Frohms vorbei ins Tor ging. Das erste Tor des Turniers erzielte die DFB-Torhüterin selbst.
Frohms gleicht per Eigentor aus (43. Minute)
Frohms mit dem Pech im eigenen Tor nach einem soliden Schuss von Kadidiatou Diani.
Pop mit aller Entschlossenheit
Zur Pause versuchte die Direktorin des französischen Teams, Corinne Diacre, mit der Einwechslung von Selma Bacha für frischen Wind zu sorgen. Und es war. Kathrin-Julia Hendrich konnte einen Schuss der 21-Jährigen in einer Extremsituation blocken (63.). Dann war Frohms bei einem Kopfball von Renard am Ball (64.).
APA/AFP/Justin Tallis Popp entschied mit seinem wuchtigen Kopfball das Halbfinale gegen Frankreich
Die Franzosen waren besser im Spiel, aber sie kassierten nur das entscheidende Gegentor. Wieder war es eine bewährte Kombination aus Huth und Popp. Diesmal gab es am Ende der Aktion einen wuchtigen Kopfball aus sechs Metern. Fast hätte Bacha den Ausgleich erzielt (79.), doch Linda Dallmann vergab die Chance zum 3:1 (90.).
Endspiel gegen England vor 90.000 Fans im Wembley-Stadion
Aber das trug keine Früchte mehr. Der zweimalige Weltmeister und Olympiasieger von 2016 überstand auch das fünfte Pflichtspiel gegen das ungeschlagene Frankreich, denn es gab jeweils einen Sieg auf dem Niveau der EM von 2005 (3:0) und 2009 (5:1/je Gruppenphase). Frankreich musste nach 18 Länderspielen ohne Niederlage eine Niederlage hinnehmen. England hatte sich bereits am Dienstag mit einem klaren 4:0-Erfolg gegen Schweden das Ticket für das Endspiel gesichert. Am Sonntag empfangen die Löwinnen Deutschland vor rund 90.000 Fans im Wembley-Stadion.
Kommentare zum Spiel:
Martina Voss-Tecklenburg (DFB-Teamchefin): „Das ist hochverdient, dafür haben wir hart gearbeitet. Wir sind hier eine Gruppe geworden, die sich überall gegenseitig unterstützt. Ich finde, wir haben dieses Spiel verdient gewonnen.“
Alexandra Popp (DFB-Torjägerin): „Wir haben wieder ein fantastisches Spiel gemacht. Wir haben wirklich alles gegeben. Es ist gerade jetzt. Frankreich hat wirklich gepusht im Finale gegen England in Wembley vor 90.000. Ganz ehrlich? Es gibt nichts Schöneres.”
UEFA Women’s Euro Cup 2022, Halbfinale
Mittwoch:
Deutschland – Frankreich 2:1 (1:1)
Milton Keynes, Stadion MK, 27.445, MR Cheryl Foster (WAL)
Torfolge: 1:0 Popp (40.) 1:1 Frohms (44./Eigentor) 2:1 Popp (76.)
Deutschland: Frohms – Gwinn, Hegering (81./Doorsoun), Hendrich, Rauch – Oberdorf, Däbritz (68./Lohmann) – Huth (91./Waßmuth), Magull (68./Dallmann), Brand – Popp
Frankreich: Peyraud-Magnin – Perisset, Mbock Bathy, Renard, Karchaoui – Geyoro, Bilbault, Toletti (80./Sarr) – Diani, Malard (46./Bacha), Cascarino (61./Matthew)
Gelbe Karten: Gwinn, Oberdorf oder Toletti, Bacha