Gesundheitsminister Karl Lauterbach widerspricht sich in der Debatte um das Ende der Isolationspflicht der Krone der Chefärzte der Gesetzlichen Krankenversicherung Gassen und Teilen der FDP. Bild: dpa
Der Gesundheitsminister ist dagegen, dass Infizierte selbst entscheiden, ob sie zu Hause bleiben. Dafür warb der Chef der Ärztekammer, Andreas Gassen. Gassen erhält nun die Unterstützung der FDP.
Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat mit seiner Forderung, die Zwangsisolierung von Corona-Infizierten zu beenden, Kritik auf sich gezogen. „Infizierte müssen zu Hause bleiben. Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen weiter, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko“, schrieb Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Wochenende auf Twitter. Lauterbachs Ministerium sagte, eine weitere Reduzierung der Isolation, die derzeit mindestens fünf Tage dauere, „macht keinen Sinn“. Mit den geltenden Regelungen wurde im Frühjahr auf die Verschärfung der Personalsituation aufgrund der hohen Zahl an Infizierten reagiert.
Gassen hatte sich am Wochenende dafür eingesetzt, strenge Isolationsregeln aufzuheben, um unter anderem Personalengpässen in Krankenhäusern entgegenzuwirken. „Wer krank ist, bleibt zu Hause. Jeder, der sich gesund fühlt, geht zur Arbeit. So machen wir es auch mit anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe“, sagte Gassen der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Krankheitsverlauf sei fast immer mild. „Das Problem sind also nicht viele Infektionen, sondern dass positiv Getestete zu Hause bleiben seit mehreren Tagen sogar ohne Symptome und sind isoliert”, widersprach auch die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).
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Gassen erhielt die Unterstützung der FDP. Sein Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann nannte Gassens Vorschlag einen „lösungsorientierten Ansatz, um ein intelligenteres und individuelleres Management von Corona-Infektionen zu ermöglichen“. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki und der liberale Generalsekretär Bijan Djir-Sarai unterstützen Gassens Initiative. „Meiner Meinung nach sollte es sowohl aus epidemiologischer Sicht als auch aus Gründen der Eigenverantwortung den Menschen überlassen bleiben, diese Entscheidung erneut zu treffen, wie es andere europäische Länder seit langem tun“, sagte Kubicki der Mediengruppe Funke Zeitungen.
Deutschlands Krankenhäuser behandeln nach eigenen Angaben derzeit etwa doppelt so viele Patienten wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. „Die Belastung nimmt stetig zu, der erhebliche Mehraufwand durch die Isolationspflicht steigt“, sagte Gerald Gass, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Funke Mediengruppe. Allein aufgrund von Covid-19-Symptomen mussten laut Robert-Koch-Institut pro Woche rund 3.100 Patienten ins Krankenhaus eingeliefert werden.