Katastrophale Preise: Ein Bauer zerstört seine eigenen Erdbeerfelder – „Man könnte weinen“

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Erstellung: 29.05.2022, 14:30 Uhr

Von: Fabian Raddatz, Mark Stoffers

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Spargelbauern in Niedersachsen und ganz Deutschland verzeichnen in dieser Saison einen deutlichen Nachfragerückgang bei Erdbeeren und Spargel. © Roland Weihrauch/dpa

Landwirte in Niedersachsen und ganz Deutschland spüren einen deutlichen Nachfragerückgang bei Spargel und Erdbeeren. Einige greifen jetzt zu drastischen Maßnahmen.

Hannover: Spargel gilt als schönes Gemüse; Dieser Luxus scheint für viele Kriegsheime zu viel zu sein und die Kosten drastisch zu erhöhen. Der Krieg in der Ukraine bedroht unseren Spargel. Spargelbauern in Niedersachsen und Erdbeerbauern in Deutschland verzeichnen in dieser Saison einen deutlichen Nachfragerückgang nach wertvollem Gemüse und süßen roten Früchten.

Dieser Umstand veranlasste einige deutsche Landwirte sogar zu drastischen Maßnahmen. Sie zerstören sogar ihre Erdbeerfelder zusammen mit den reifen Früchten, um etwas anderes anzubauen. Auch ein münsterländischer Bauer könnte vor aller Augen „weinen“, aber die aktuelle Situation lasse seiner Meinung nach nichts mehr zu, auch wenn es sich um einen „einjährigen oder gar mehrjährigen“ Job handele.

Katastrophale Preise für Spargel und Erdbeeren: Bauern zerstören ihre eigenen Felder – “Man könnte weinen.”

Die Gründe für die katastrophalen Spargel- und Erdbeerpreise liegen auf der Hand. Im Lebensmitteleinzelhandel kauften die Kunden vor allem Grundnahrungsmittel und namenlose Produkte, sagte Fred Eickhorst, Vorstandssprecher des Verbandes der Spargel- und Lorbeerzüchter in Niedersachsen, in Sandhatten (Kreis Oldenburg). „Auch bei Spargel und Erdbeeren sind wir davon sehr betroffen.“ Beim Thema Spargel 2022 müssen Genießer in die Tasche greifen.

Geringe Nachfrage nach Spargel und Erdbeeren Niedersächsische Landwirte leiden: „Wegwerfgemüse“

In den Wochen nach Saisonstart für Edelgemüse sei ein deutlich geringeres Einkaufsvolumen zu verzeichnen, bestätigte Claudio Gläßer von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn. Das bestätigten Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im April. Spargel sei ein „Wegwerfgemüse“, das viele mit höheren Preisen assoziieren: „Viele schauen, wofür sie ihr Geld ausgeben und was nach dem Befüllen übrig bleibt, was man für spätere höhere Rechnungen reservieren muss.“ Sie müssen nicht so sehr auf den Preis achten, dass Sie Ihr Geld derzeit lieber für Reisen ausgeben würden; offensichtlich gibt es hier nach zwei Jahren Abstinenz wegen des Corona-Virus viel zu tun.

Die Spargelpreise sind derzeit so niedrig wie lange nicht mehr. In der vergangenen Woche lag der Durchschnittspreis für weißen Spargel aus deutschem Anbau bei 7,06 Euro pro Kilo, sagte Gläßer, 12 Prozent unter dem Durchschnittspreis der Vorwoche. „Spargel und Erdbeeren waren im Moment noch nie so günstig, auch nicht vor Corona“, sagte Eickhorst.

Ausländische Produkte konkurrieren mit Spargelbauern in Niedersachsen

Die Konkurrenz durch ausländischen Grünspargel ist für heimische Erzeuger besonders schmerzhaft. Eine Discounterkette habe kürzlich ein Kilo grünen Spargel für 2,96 Euro das Kilo verkauft, sagte Gläßer. „Dem deutschen Regionalproduzenten tut es weh, das auf dem Markt zu sehen.“ Mit diesen Preisen kann kein deutsches Unternehmen mithalten.

Kaufzurückhaltung werde sich bemerkbar machen, sagte Eickhorst. Viele Bereiche sind bereits aus der Produktion, und das mitten in der Saison. Die Anbaufläche wird weiter zurückgehen, wobei einige kleinere Spargelbetriebe bereits in Betrieb sind, insbesondere solche, die nur an den Großhandel geliefert werden. Diese hätten in den letzten zwei Jahren von Corona so gut wie nichts zu suchen gehabt, sagte Eickhorst.

Niedersächsische Landwirte leiden: „Der Verbraucher hat es in der Hand“

Mit der Einführung des 12-Euro-Mindestlohns zum 1. Oktober werde sich die Wettbewerbssituation der deutschen Landwirte gegenüber der Konkurrenz aus Italien oder Spanien verschlechtern, sagte Eickhorst. Es ist absehbar, dass andere Landwirte aufgeben werden.

Die Selbstversorgungsquote in Deutschland ist bei Obst mit 19 Prozent und bei Gemüse mit 35 Prozent nicht mehr hoch und wird daher weiter sinken: „Ob es noch da ist, können die Verbraucher mit ihrem Kaufverhalten entscheiden regionale Produkte in Deutschland, auch wenn sie teurer sind als im Ausland.”

Ein Bauer aus dem Münsterland wagt einen drastischen Schritt: Er mäht Erdbeerfelder mit reifen Früchten

Der Verkauf von Erdbeeren ist dieses Jahr kein gutes Geschäft für die Landwirte. Im Münsterland gehen einige Erdbeerbauern einen radikalen Schritt und ernten ihre Felder nicht mehr für den Verkauf, berichtet der WDR. So erntet beispielsweise der Coesfelder Landwirt Andreas Rahmann seine Erdbeerfelder inklusive reifer Früchte.

Ein Bauer pflückt im Münsterland ein Erdbeerfeld: “Man könnte weinen.”

Nach der Ernte seines Erdbeerfeldes hat sich der Münsterländer Bauer einen neuen Plan ausgedacht: Jetzt will er auf dem Feld Mais anbauen, um dieses Jahr wieder Geld zu verdienen. „Man könnte heulen: Das ist ein Jahr Arbeit, oder gar ein paar Jahre. Wenn man das dann gewinnlos zerstört, ist das sehr ärgerlich“, sagte Rahmann dem WDR.

Ihr Problem: Lebensmittelgeschäfte kaufen lieber günstigere Erdbeeren aus dem Ausland. Für eine 500-Gramm-Schüssel Erdbeeren würde der Bauer derzeit knapp einen Euro und einen Pfennig vom Handel bekommen, dafür aber mehr bezahlen.

Hohe Preise für deutsche Erdbeeren: “Die müssen mehr Geld dafür bezahlen, es geht nicht anders”

Rahmann appellierte an die Deutschen: „Wenn die Verbraucher weiterhin Erdbeeren aus Deutschland haben wollen, müssen wir dafür mehr Geld bezahlen, es geht nicht anders.“ Aber er versteht auch nicht, warum die Einzelhandelspreisspanne für Erdbeeren so ist. groß und die der Bauern so klein, wenn diese die Risiken ebenso tragen müssten wie die Stürme.

Erdbeeranbau: Hohe Kosten kombiniert mit niedrigen Preisen

Er ist mit seiner Meinung nicht allein: Die Kosten seien hoch und der Preis niedrig, die Ernte lohne sich also mancherorts nicht, sagte Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen am Freitag. Deutsche Landwirte müssen sich mit steigenden Kosten für die Bewirtschaftung der Felder und billiger Konkurrenz aus dem Ausland auseinandersetzen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach süßen roten Früchten gesunken.

Rüb führt die schwache Nachfrage unter anderem auf Inflationseffekte zurück: Der Alltag sei für Menschen teurer geworden, die auf bestimmte Lebensmittel wie den Kauf von Erdbeeren oder Spargel verzichten. (mit dpa-Material)

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