Klaus Stöhr: „Die Schweiz hat die Pandemie besser überstanden als Deutschland“

Drostens Nachfolger Klaus Stöhr

«Die Schweiz hat die Pandemie besser überstanden als Deutschland»

Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht, Homeoffice: Die Maßnahmen kamen mit Corona. Der deutsche Epidemiologe Klaus Stöhr stellt rückblickend fest: Die Schweiz hat besser abgeschnitten als Deutschland.

Gepostet: 14.07.2022 um 18:41 Uhr

Klare Worte aus Deutschland: Epidemiologe Klaus Stöhr (63), Nachfolger von Christian Drosten (50) im Beirat, sagt im Interview mit der «NZZ»: «Die Schweiz hat die Corona-Pandemie besser überstanden als Deutschland.»

Der Deutsche sieht es vor allem in den Folgen der Einschränkungen. Stöhr: „Die Folgen für eine freiheitliche und demokratische Grundordnung scheinen nicht so gravierend wie in Deutschland.“

Er führt dies vor allem darauf zurück, dass die Schulen viel kürzer geschlossen und fast alle Maßnahmen früher aufgehoben wurden. Der Epidemiologe kritisiert seit langem die Corona-Maßnahmen in seiner Heimat. Im April sagte er beispielsweise der „Bild“: „Die Wirkung der Corona-Maßnahmen wird drastisch überschätzt.“

Es hätte mehr Eigenverantwortung geben müssen

Auch aus gesundheitlicher Sicht schneidet die Schweiz insgesamt besser ab. «Sowohl in Bezug auf die Übersterblichkeit als auch auf die Belastung der Intensivstationen», fährt Stöhr in der «NZZ» fort. Was verwundert, wenn man bedenkt, dass Deutschland pro Einwohner dreimal so viele Intensivplätze hat wie die Schweiz.

Der Kronenexperte ist überzeugt, dass man wie in Schweden von Anfang an auf mehr Eigenverantwortung hätte setzen müssen. Alle aus dem Infektionsgeschehen herauszuhalten und sie deshalb in den Block zu schicken, war nicht die richtige Strategie.

Stöhr rechnet mit kleineren Maßnahmen im Herbst

Stöhr hält es aber auch für falsch, ganz auf Maßnahmen zu verzichten. Für den kommenden Herbst hält er folgendes Vorgehen für sinnvoll: Einzelmaßnahmen auswählen und umsetzen. Kommt auf die Situation an.

Stöhr erklärt, was das bedeutet: „Überschreiten beispielsweise Krankenhausaufenthalte und Einweisungen auf Intensivstationen einen bestimmten Wert, beginnt es mit milderen Kontaktreduktionen. Das wären Masken. Sollte sich die Situation in Krankenhäusern verschlechtern, könnte auch eine Homeoffice-Empfehlung sinnvoll sein.“

Er gehe aber davon aus, dass nach einer guten Impfkampagne für die über 60-Jährigen und andere gefährdete Personen im Herbst nur noch relativ geringe Eingriffe in das gesellschaftliche Leben nötig seien. (hohl)

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