Klimaschutz: Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 provoziert Unmut

Straßburg. Es hat eine sehr arbeitsreiche Woche im EU-Parlament in Straßburg begonnen, und von Anfang an gab es Erfolgsmeldungen. In den sogenannten Trilogen wurden am Dienstagabend endgültige Einigungen zu zwei lang verhandelten Themen erzielt. Einerseits wurden in der EU einheitliche Mindestlohnstandards verabschiedet, von denen mehr als 25 Millionen Menschen profitieren. Unter einem Dach war dagegen die Regulierung einheitlicher Ladestecker: Ab Mitte 2024 sollen alle Geräte eine USB-C-Buchse haben.

Das Generalthema der Woche ist ohnehin der Klimawandel, genauer gesagt das ambitionierte Programm der „FitFor55“-Kommission. Mit dem Paket will die EU klimaschädliche Treibhausgase bis 2030 gegenüber 1990 um 55 % reduzieren und bis 2050 klimaneutral werden. Über acht verschiedene Gesetzentwürfe wird abgestimmt, darunter eine Ausweitung des EU-Emissionshandels auf den Luft- und Seeverkehr , ein Grenzausgleichsmechanismus, Lastenteilung, Landnutzung, ein sozialer Klimafonds und CO2-Standards für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Vor allem der letzte Punkt ist bis zuletzt umstritten, das Abstimmungsergebnis unklar. Die Kommission will ein generelles Verbot von Verbrennungsmotoren in Pkw ab 2035, was auf mehreren Ebenen für Unmut sorgt.

“Freitag für Hubraum”

Der Grünen-Abgeordnete Thomas Waitz berichtete von Massenmails verschiedener Lobbyisten, in denen häufig die gleichen Textbausteine ​​zu erkennen seien. Für Waitz „eine konzertierte Aktion“. Unter anderem wurde ihm von einem Oldtimer-Club vorgeworfen, er habe die wachsende Abhängigkeit von totalitären Staaten für den Bedarf an Batterien kritisiert. “Das sind nur Neuwagen von 2035. Und sind wir nicht auf fossile Brennstoffe angewiesen?”, sagt Waitz. Eine andere Gruppe heißt sogar “Friday for Hubraum”.

Die Grünen werden zustimmen, obwohl es ihnen schwer fällt, einige der Vorschläge zu akzeptieren, etwa die Ausnahmen für kleine Fahrzeughersteller, also Luxusmarken.

Scharfe Kritik an Last-Minute-Änderungen kommt auch von der Neos-Abgeordneten Claudia Gamon, die wegen der 55-prozentigen Reduzierung des CO2-Ausstoßes bis 2030 für ein „FitFor55“-Paket einsteht, das ihren Namen trägt. Bei SPÖ und FPÖ ist alles klar : Die Sozialdemokraten wollen diese Woche die acht Pakete unterstützen, die Freiheitlichen machen das Gegenteil. Das Ende des Verbrennungsmotors verteuere Autos, was vor allem einkommensschwache Menschen und Menschen auf dem Land betreffe, sagte der FPÖ-Abgeordnete Roman Haider. Die Batterieproduktion ist um ein Vielfaches umweltschädlicher als moderne Verbrennungsmotoren. Außerdem wird die EU bei Batterien abhängig von China und Russland.

Die Abstimmung wird interessant, denn die Konservativen feilen noch an ihrer Position. ÖVP-Verkehrssprecherin Barbara Thaler leitete eine Novelle des Verkehrsausschusses, wonach in Europa nachhaltig produzierte Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe als klimaneutral einzustufen seien. Sollte dieser Vorschlag durchkommen, würde das Verbot von Verbrennungsmotoren obsolet, so die ÖVP.

EU-Chef Alexander Bernhuber etwa fordert “mehr Flexibilität”. Machbar müssten die Pläne auch sein, aber das Ziel sei nicht nachvollziehbar: „Heute ist von Blackouts in der Stromversorgung die Rede, aber in 13 Jahren wollen wir den Verbrennungsmotor beenden.“ Denkbar ist beispielsweise, zunächst 90 Prozent anzustreben, anstatt ganz beim Verbrennungsmotor zu landen. Auch seine Parteikollegin Simone Schmiedtbauer plädiert für mehr Zeit für abschließende Entscheidungen.

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