Stand: 05.07.2022 15:52
Starke Hitzewellen haben in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen, besonders aber in Europa. Das liegt einer neuen Studie zufolge an Veränderungen des sogenannten Blitzstroms: große Windbänder von fünf bis zehn Kilometer Höhe.
Auf der Nordhalbkugel ist Europa am stärksten von stärkeren Hitzewellen betroffen. Hitzewellen in Europa nahmen drei- bis viermal schneller zu als in anderen mittleren nördlichen Breiten wie den Vereinigten Staaten oder Kanada. Das ist das Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).
Diese extremen Hitzeperioden hängen mit Doppelstrahlenströmen und ihrer zunehmenden Dauer über Eurasien zusammen. Blitzströme sind große Windbänder in einer Höhe von fünf bis zehn Kilometern. Ein internationales Forscherteam hat Beobachtungsdaten der letzten 40 Jahre ausgewertet.
Doppelstrahlströme sorgen für extreme Hitzeperioden
Dies sind Zustände, in denen sich der Jetstream in zwei Zweige aufteilt. Die längere Dauer wirke zusätzlich zum Temperaturanstieg durch die menschengemachte Erwärmung und führe zu intensiveren Hitzewellen, erklärten die Forscher. Nahezu der gesamte Aufwärtstrend der Hitzewellen in Westeuropa und etwa 30 Prozent in ganz Europa lassen sich durch diese Doppelstrahlbedingungen erklären, sagte er.
Eine mögliche Erklärung für die Verlängerung der Blitzstromdauer ist laut Forschern die zunehmende Erwärmung der hohen Breiten, insbesondere in terrestrischen Regionen wie Sibirien, Nordkanada und Alaska. Im Sommer hätten sich diese Regionen viel schneller erwärmt als der Arktische Ozean.
Häufigste und intensivste extreme Hitze
Dieser wachsende Temperaturunterschied zwischen Land und Ozean begünstigt das Fortbestehen von Doppelstrahlbedingungen im Sommer. In Bezug auf Westeuropa sagte EIK Rousi vom PIK, Hauptautor der Studie: „In dieser Region, die mit dem Beginn der Sturmbahn zusammenfällt, die sich vom Nordatlantik nach Europa bewegt, kommen Wettersysteme normalerweise aus dem Atlantik und haben es daher getan einen kühlenden Effekt. Handelt es sich nur um den Doppelstrahl, werden Wettersysteme nach Norden umgelenkt und es könnten anhaltende Hitzewellen im Westen Europas entstehen“. Dies steht im Gegensatz zu anderen europäischen Regionen.
Hitzewellen im Sommer sind an sich kein neues Phänomen. Neu ist jedoch, dass extreme Hitzeereignisse in Europa in den letzten Jahren häufiger und intensiver aufgetreten sind. „Wir hoffen, dass es noch schlimmer wird“, sagte Rousi. Eine seit Monaten andauernde schwere Dürre sorgt derzeit in Spanien und Portugal für Probleme. Italien leidet seit Wochen unter Dürre und hohen Temperaturen.
Rousi betonte: „Obwohl das Thema weiterer Forschung bedarf, ist eines klar: Doppelstrahlenströme und ihre zunehmende Verweildauer sind der Schlüssel zum Verständnis der aktuellen und zukünftigen Risiken der Hitzewelle im Westen Europas.“