Trotz der positiven Situation verschlechtert sich die Stimmung. Das Klimabarometer als Stimmungsbarometer für den Mittelstand zeigt wieder nach unten.
Wien (OTS) – Im Frühjahr 2022 befragte die Creditreform Konjunkturumfrage rund 1.400 kleine und mittelständische österreichische Unternehmen zur aktuellen Wirtschaftslage und den Aussichten für die nächsten sechs Monate. Die österreichischen KMU schätzen ihre Geschäftslage in den letzten sechs Monaten weiterhin positiv ein, wenngleich die Geschäftserwartungen weniger optimistisch sind als im Herbst 2021. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
– Fast positive Auftragserwartungen – Inflation verursacht hohe Preise – Ertragssituation weiterhin negativ – Investitionsbereitschaft um 10 Prozentpunkte auf 41 % gesunken
Der Verlauf des Klimabarometers (einschließlich der Lage und Erwartungen seiner Teilkomponenten) zeigt derzeit eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Corona-Krise in 2020 und 2021, aber die konjunkturdämpfende Wirkung des Krieges auf Osteuropa ist mittelfristig zu sehen -große Unternehmen. in Österreich. Zahlreiche Unsicherheiten, wie Turbulenzen bei den Treibstoffpreisen, bremsen das Klimabarometer zusehends.
Der Index bleibt in allen wichtigen Wirtschaftssektoren (Bau, Handel, Dienstleistungen) positiv. Mit Ausnahme des Verarbeitenden Gewerbes (Industrie) ist jedoch bereits überall ein Abwärtstrend zu erkennen. Dies zeigt sich am deutlichsten im Handel und bei Dienstleistungen.
Auftragserwartungen leiden unter Unsicherheit
Die Auftragslage des Mittelstands hat sich nach zwei Jahren echter Krise erholt und die Auftragsbücher werden wieder gefüllt. Mit 2,9 Punkten mehr ist der Saldo aus Zu- und Abnahme der Auftragseingänge erstmals seit drei Jahren wieder positiv, wenn auch nur. Angesichts der vielen konjunkturellen Unsicherheiten dürften mittelständische Unternehmen in den kommenden Monaten jedoch kaum mit einer Erholung der Auftragsentwicklung rechnen.
. Mit 0,7 Punkten mehr ist der Erwartungssaldo für Auf- und Abwärtsaufträge genauso niedrig wie im Vorjahr (plus 1,1 Punkte). Aktuell erwarten 20,3 % der Befragten einen Anstieg der verfügbaren Bestellungen. Im Vorjahr waren es noch 24,1 %. Der Anteil der Unternehmen, die einen Auftragsrückgang in den nächsten sechs Monaten befürchten, liegt mit 19,6 % etwas niedriger als im Vorjahr (23,0 %).
Die weitere Entwicklung der Ordnung wird in den Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich bewertet. Die Erwartungen in der Baubranche wurden sichtlich gesenkt. Nur 14,8 % der Unternehmen rechnen mit steigenden Auftragseingängen. Wie viele Unternehmen erwarten einen Abwärtstrend. Im Dienstleistungssektor hingegen ist das Vertrauen wieder gestiegen. 25,5 % der Befragten erwarten hier eine Auftragssteigerung. Der Handel bleibt ein Kinderproblem: Der Anteil der Unternehmen, die mit Verlusten rechnen, stieg auf 29,3 %. Nur 14,7 % und damit jeder siebte Befragte erwartet eine künftige Verbesserung der Auftragslage.
Die Ertragslage ist weiterhin angespannt
Die Corona-Krise war für Teile des Mittelstands ein echter „Stresstest“. Die Gewinne seien infolge der Pandemie eingebrochen, und die Unternehmensfinanzierung sei „am Limit“. Inzwischen hat sich die Ertragslage der Unternehmen erholt. Die meisten Gewinne fielen jedoch auch im Wintersemester 2021/2022 weiter (37 % der Unternehmen). 12,3 % der Befragten gaben an, aktuell von Leistungssteigerungen zu hören. Damit bleibt der Saldo aus Mehr- und Mindereinkommen im negativen Bereich (minus 24,7 Punkte).
Preise explodieren
Fast zwei Drittel der KMU (63,4 %) haben ihre Verkaufspreise in den letzten Monaten erhöht. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 22,6 %.
Ein Ende des Preisanstiegs in den kommenden Monaten ist nicht absehbar. Laut Statistik Austria betrug der Anstieg der Erzeugerpreise im Februar fast 19 % pro Jahr. Gleiches gilt für Großhandelspreise. Dadurch drohen mittelständischen Unternehmen Belastungen und die Nachfragepreise dürften weiter steigen. Der Saldo der Futures-Preise stieg und fiel von 15,2 auf 56,1 Punkte. Einen höheren Wert gab es in den letzten zehn Jahren noch nie.
57,8 % der Befragten haben angekündigt, die Preise in den nächsten sechs Monaten zu erhöhen, und nur wenige Unternehmen (1,7 %) wollen sie senken. Bereits im Frühjahr 2021 sind die Preiserwartungen deutlich gestiegen, und dieser Trend hat sich beschleunigt. Damals hatten 24,1 % der Unternehmen Preiserhöhungen geplant.
Die Verkaufspreise dürften in jeder Hinsicht steigen. Konkret müssen das Baugewerbe (72,1 %) und der Handel (65,5 %) Preiserhöhungen vornehmen.
Sinkende Margen und Gewinne halten Investitionen zurück
Die Investitionsbereitschaft mittelständischer Unternehmen hat im Frühjahr 2022 einen herben Rückschlag erlitten. Möglicherweise haben Unternehmen ihren Bedarf bereits im vergangenen Jahr mit Hilfe von staatlichen Förderprogrammen der Krone gedeckt. Gleichzeitig hätte die schwächere Wirtschaftsprognose für das laufende Jahr das eine oder andere Investitionsvorhaben stoppen können. Der Anteil der Unternehmen, die Investitionen tätigen wollen, sank auf 41 % (Vorjahr: 51,3 %). Und davon wollen 71 % nur Ersatzinvestitionen tätigen.
Fazit
Nach der V-förmigen Entwicklung des Wirtschaftswachstums – starker Einbruch im Jahr 2020 und aussichtsreicher Anstieg im Jahr 2021 – bleiben die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen positiv. Festzuhalten ist jedoch, dass Stimmung und Erwartungen der heimischen Unternehmen deutlich eingetrübt sind. Es liegt zu viel Ungewissheit in der Luft. Neben Megatrends wie Klimawandel und Digitalisierung trüben weitere Herausforderungen die unternehmerische Existenz, allen voran der Ukrainekrieg und die Inflation. Gerade KMU sind in vielerlei Hinsicht massiv von der Inflationswelle betroffen: Rohstoffe und Rohstoffe werden immer teurer und können oft nicht an den einzelnen Kunden weitergegeben werden. Dies reduziert die Margen- und Gewinnsituation. Gute Mitarbeiter werden aufgrund steigender Preise auch höhere Löhne fordern und dies wahrscheinlich häufig tun, weil sie im Unternehmen dringend benötigt werden. Der Fachkräftemangel als Turbo einer gefährlichen Lohn-Preis-Spirale. Kollektivverhandlungen im Herbst werden mehr als eine Herausforderung sein. Nicht zuletzt wird die EZB ihre Nullzinspolitik beenden. Für Unternehmen bedeutet dies das Ende der günstigen Refinanzierung.
Kurz gesagt, seit Beginn der Creditreform-Erhebungen im Jahr 1996 waren österreichische Unternehmen noch nie so vielen Risiken ausgesetzt, dass sie gleichzeitig überstürzt waren. Das Wetter ist stürmisch. Dazu braucht es mutige und tatkräftige Kapitäne in Wirtschaft und Politik.
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