Köln: Neuer NRW-Shake-Missbrauchskomplex – „Erschüttert bis ins Mark“

30. Mai 2022 um 14:02 Uhr

Kölner Polizei gibt Details bekannt: „Erschüttert bis ins Mark“ – Neuer Missbrauchskomplex in NRW

Falk Schnabel (Dr.), Präsident der Kölner Polizei, spricht auf einer Pressekonferenz neben Jürgen Haese, Hauptkommissar.
Foto: dpa / Oliver Berg

Köln In Nordrhein-Westfalen gibt es einen neuen Missbrauchskomplex, der noch größer sein könnte als Bergisch Gladbach. Er wird in 14 Bundesländern ermittelt. Der Hauptverdächtige soll Kontakt zum Haupttäter im Missbrauchskomplex Münster gehabt haben.

Als am 3. Dezember vergangenen Jahres ein Einsatzkommando das Haus eines 44-jährigen Mannes in Wermelskirchen stürmte, befand er sich mit seinen Kollegen in einer Videokonferenz. Als die Kameraden die schwer bewaffneten Männer sehen, denken sie an einen Raubüberfall und rufen sofort den Rettungsdienst. Später erfuhren sie, dass ihr Partner wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern festgenommen worden war. Ziel der Polizei war es, ihn im offenen Computer zu überraschen, damit er den Computer nicht erst mühsam entsperren muss. Was Forscher in dem Haus finden, ist unvorstellbar: 30 Terabyte an Videos und Bildern. Ein Terabyte entspreche einem 25 Kilometer hohen Papierstapel, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Montag in Köln.

Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, doch der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel sagt: “Wir haben Grund zur Befürchtung, dass dieser Missbrauchskomplex über alle anderen Fälle hinausgeht.” Die Kölner Polizei hat eine besondere Organisationsstruktur (BAO) namens „Liste“ eingerichtet. 40 Forscher sind nun damit beschäftigt, die große Datenmenge zu sichten und auszuwerten. „Das ist schwerste sexuelle Gewalt gegen Kinder“, sagt Schnabel. Er habe nur einen Ausschnitt der Bilder und Videos gesehen und sei „schockiert und erstaunt“ über die menschenverachtende Brutalität. „Ich habe noch nie so viel Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden kleiner Kinder gesehen oder mir vorgestellt, die vor Schmerz weinen“, sagt sie. Joachim Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Köln, sagte: „Was ich gesehen habe, hat mich halb erschüttert.“ Er hat großen Respekt vor Beamten, die vor der enorm harten Aufgabe stehen, Videos und Bilder auszuwerten.

Dem 44-Jährigen liegen bislang Anklagen wegen mutmaßlicher Straftaten in 18 Fällen zwischen 2005 und Mitte 2019 vor, der Hinweis auf ihn kam vom Landeskriminalamt Berlin. Zwölf Kinder im Alter zwischen einem Monat und 14 Jahren soll er missbraucht haben. Die Hälfte der Kinder war nicht älter als drei Jahre. Der Verdächtige, der “im Wesentlichen geständig” sein soll, soll die Kinder als Babysitter gekannt haben. Auf verschiedenen Plattformen wie Ebay soll er seine Dienste als Sänger im Raum Köln angeboten haben. Er soll Kinder in Einfamilienhäusern missbraucht haben, etwa zwei- oder dreimal, andere wiederholt im Laufe der Jahre. Unter den Opfern sind laut Polizei auch Kinder mit Behinderungen. Der Mann, der mit seiner Frau in Wermelskirchen lebte, hat keine Kinder. Bisher hat er keine Straftat begangen.

„Wir haben nur zehn Prozent der Daten ausgewertet“, sagt Schnabel. “Wir können noch nicht abschätzen, wie viele Täter und Opfer wir am Ende zählen werden.” Durch die Auswertung der Chats konnten die Ermittler 73 weitere Verdächtige identifizieren. 26 Verfahren werden in Nordrhein-Westfalen geführt, aber auch in 14 weiteren Bundesländern und in Österreich werden Ermittlungen geführt. 33 Opfer sind derzeit bekannt. Der 44-jährige Wermelskirchener habe detaillierte Listen mit den Namen anderer pädophiler Straftäter gehabt und wohl auch seine Akten nicht aus den Augen verloren, sagt BAO-Chef Jürgen Haese. Die Ermittler fanden die anderen Verdächtigen anhand dieser Listen. Daten aller elektronischen Geräte des Mannes wurden im Dezember vor Ort gesichert und auf polizeiliche Datenträger übertragen; das allein dauerte 17 Tage. Allein auf einer Festplatte befanden sich 3,5 Millionen Bilder und 1,5 Millionen Videos.

Ein erster Blick auf die Bilder führe zu keiner Interpretation, sagt Haese. “Sie zeigen meist den sexuellen Missbrauch von Kindern mit unvorstellbarer Brutalität.” Auch der Aggressor von Bergisch Gladbach (BAO Berg), Jörg L., der inzwischen eine langjährige Haftstrafe verbüßt, hat unter den Missbrauchsdarstellungen viele harmlose Familien- und Urlaubsfotos. Zustand. Dies ist hier nicht der Fall. Einige Täter des Missbrauchskomplexes Bergisch Gladbach hatten ihre eigenen Kinder großgezogen und zu sich geholt, um den Missbrauch zuzulassen. „Dort wurde Gewaltanwendung weitgehend abgelehnt“, sagt Haese. “Hier ist es anders.” Im aktuellen Komplex wurden Babys und Kleinkinder brutal vergewaltigt. In seitenlangen Chats schilderten die Autoren ihre Gewaltphantasien. Es gibt auch einige Hinweise darauf, dass die Kinder unter Drogen standen.

Die meisten Verdächtigen sind zwischen 26 und 45 Jahre alt. Einige seien aber über 55, zwei zwischen 18 und 25. Es sei kein Netzwerk von Pädophilen wie BAO Berg, die Autoren hätten lieber individuelle und individuelle Kontakte zu Gleichgesinnten gesucht und sich dann ausgetauscht, sagt Haese. Sie waren der Nachbar, der Vater, der Pflegevater oder der Bruder der jeweiligen Opfer. Einige Opfer sind inzwischen Erwachsene und haben erst im Laufe der Ermittlungen erfahren, dass sie als Kinder sexuell missbraucht wurden. Sie sollten sich jetzt Hilfe holen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich am Nachmittag in Düsseldorf zutiefst erschüttert. „Das ist ein neuer Horror“, sagte er. „Manchmal kann man angesichts dieser Brutalität den Glauben an die Menschheit verlieren, aber die Forscher geben einem wieder Hoffnung. Sie haben meinen tiefsten Respekt. Sie machen einen tollen Job.“ Erschreckend an dem Fall ist auch die Feststellung, dass der Haupttäter des Münsteraner Missbrauchskomplexes und der Wermelskirchener Gespräche geführt hatten. Der 44-jährige Mann soll den Münsteraner Aggressor, der inzwischen verurteilt wurde, ausfindig gemacht haben 14 Jahre Haft, Empfehlungen für Kindesmissbrauch im Videochat.“ Manche Missbrauchsvideos dauern zwischen 30 und 40 Minuten. Das Leiden der Kinder war so lang“, sagte Reul.

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