Konzentrieren Sie sich auf türkisfarbene Umfragen

Der Leiter des Meinungsforschungsinstituts Demox, Paul U., ist Mitglied der ÖVP und war auch in einer Unterorganisation aktiv. U. engagierte sich in der Wiener Bezirkspolitik, bis 2011 war er Funktionär des ÖVP-Bauernverbandes. U. Demox ist seit 2018 CEO. Auf die Frage, warum er in diesem Jahr unmittelbar nach dem Start von Demox so viele Aufträge erhalten habe, sagte U., dass ihm seine Arbeit bei GfK (vor seinem Wechsel zu Demox) zugute gekommen sei.

Im Fall von Demox ortet die Opposition einen „klassischen Fall von Auftragserhebungen“ für ÖVP-geführte Ministerien: den Einsatz von Steuergeldern. Die Umfragen würden Anomalien aufzeigen, da einige der gleichen redaktionellen Fragen von verschiedenen Abteilungen gestellt wurden, beispielsweise vom Ministerium für Landwirtschaft und Wirtschaft. U. sagte, er schließe “vehement” aus, dass die öffentliche Hand über ihr Institut Studien für die ÖVP finanziert habe. „Es gab keine Vergütung für ÖVP-Umfragen in Ministerien“, sagte U.

“Überblick”

Generell werde keine Partei als Kunde ausgeschlossen, betonte der Demox-Chef. („Es ist mir völlig fremd, Kontakte nur in eine politische Richtung zu haben“). Generell wolle er “den Beruf des Demoskopierers wieder ins rechte Licht rücken”, sagte er zunächst. In der demografischen Forschung würden wissenschaftliche Prinzipien angewandt. Allerdings werden einzelne Fragestellungen im Zuge der medialen Reproduktion neuerdings aus dem Zusammenhang gerissen, es ist aber wichtig, sie gemeinsam zu betrachten.

ORF.at/Lukas Krummholz Der Sitzungssaal konnte nur ohne Informanten fotografiert werden. Der Chef von Demox wollte seine Persönlichkeitsrechte gewahrt sehen.

Im Auftrag von vier Ministerien

Die Umfrage war detailliert und teilweise heiß: Der Demox-Chef gab an, Aufträge von verschiedenen Ministerien (in allen Fällen unter Führung der ÖVP) erhalten zu haben, neben dem Landwirtschafts- und dem Wirtschaftsministerium auch das Außenministerium und das Verteidigungsministerium . So führte das Verteidigungsministerium 2020 eine Umfrage durch, in der nach der Popularität des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) gefragt wurde.

Die Anomalie, die die Opposition ortet, zeigt sich in den angeprangerten Fragen: In einer Demox-Umfrage beim Wirtschafts- und Verteidigungsministerium Mitte 2020 wurde nach den Gründen gefragt, warum „sie keine gute Meinung von Sigrid Maurer hätten“. “Was stört dich an Sigrid Maurer?” Er sagte.

Identische Fragen an die ÖVP und die Ministerien?

SPÖ-Präsidentin Julia Herr wollte wissen, warum die ÖVP öffentlich (offenbar in einer inhaltlichen Diskussion, die später von der APA ausgewertet wurde und folglich den Weg in die Öffentlichkeit fand) Fragen stelle, die sie ebenso stelle wie die von der ÖVP geführten Ministerien. Die im Auftrag der Ministerien durchgeführten Studienergebnisse seien der ÖVP nie zugegangen, so der Demox-Chef.

„Die Erhebungen wurden dem Ministerium und nicht der ÖVP übergeben“, so der Beklagte. Eine Lieferung an Dritte erfolgte nicht. Hintergrund der Diskussion war, dass der regelmäßig von der ÖVP beauftragte Interviewer Franz S. auch im Beirat von Demox saß. Der Befragte schloss aus, dass der Interviewer Zugang zu den Ergebnissen der Demox-Umfrage hatte.

Wem werden die Fragen gestellt?

Warum waren die Fragen des Wirtschaftsministeriums und des Landwirtschaftsministeriums identisch? Die Erklärung des Demox-Chefs: “Es war dieselbe Frage, weil die Frage für beide Ministerien relevant ist.” Und es könne sein, dass die gleiche Frage für die ÖVP und für das Landwirtschaftsministerium gestellt werde, so U. „Haben Einzelfragen. Aber keinen Einfluss auf die Gesamtkonzeption der Studie“, verteidigte der Demox-Chef den Prozess.

ORF.at/Lukas Krummholz SPÖ-Präsident Herr konfrontiert Demox-Chef energisch mit seinem Studium

Die SPÖ äußerte den Verdacht, das Studium sei mit Steuergeldern bezahlt worden, doch dann habe eine politische Partei parteiisch mit ihnen gearbeitet – und nach einer weiteren Auffälligkeit aus ihrer Sicht gefragt: Warum etwa das Verteidigungsministerium. hatte die Frage am Sonntag im Zuge einer Umfrage gestellt. Laut dem Demox-Chef handelte es sich um eine „Busbefragung“: Die Bevölkerung wurde für mehrere Kunden gleichzeitig befragt.

Viele Fragen zu “Busbefragungen”

In einer „Omnibus-Umfrage“ würden „mehrere Teilfragen zusammengeführt“, was allen zugute komme, „auch der öffentlichen Hand“, so der Demox-Chef. Ob das Verteidigungsministerium Kenntnis von den beigefügten Fragen hatte, konnte der Demox-Chef nicht sagen. Nach langem Hin und Her musste er auch die beiden beteiligten Forschungsinstitute benennen. Er ist Gutachter, der häufig von der ÖVP hinzugezogen wird, sowie Forschungsinstitut, das im Gesundheitsbereich tätig ist.

Die SPÖ hat im Zuge der Umfrage ein „Konvolut“ der Umfragen für die Verteidigungs- und Wirtschaftsministerien vorgelegt, in denen die oben genannten identischen Fragen auftauchen. Etwa die Frage: „(…) Wenn bei der nächsten Bundestagswahl für die SPÖ nicht mehr Pamela Rendi-Wagner, sondern Hans-Peter Doskozil als Spitzenkandidat antreten würde. Welche Partei würden Sie wählen?“

ORF.at/Lukas Krummholz Zanger, FPÖ-Präsident: Übermittlung der Ergebnisse an Fleischmann?

Wenn verschiedene Kunden wüssten, dass ihre Inhalte im Zuge einer „Busbefragung“ abgefragt wurden, konnte dies auf Nachfrage des FPÖ-Vorsitzenden Wolfgang Zanger durch die Befragung nicht pauschal bewertet werden, sondern hätte im Angebot der Befragung stehen müssen. Ob er die Ergebnisse an Gerald Fleischmann, den ehemaligen Mediensprecher von Kurz, weitergegeben hat? Die Ergebnisse seien nur an den Auftraggeber übermittelt worden, sagte der Informant.

Befehle kamen immer aus dem Kabinett

Auch SPÖ, NEOS und später auch die Grünen stellten die Frage nach einer Teilnahme an den Wettbewerben für die Umfragen des Wirtschaftsministeriums. “Ich kann nicht genau sagen, wie die Abläufe im Ministerium waren.” Von den sieben Studienorden seien sechs Direktvergaben gewesen, sagte Fraktionschefin Nina Tomaselli.

ORF.at/Lukas Krummholz Nina Tomaselli, Fraktionsvorsitzende der Grünen

Tomaselli entdeckte eine Anomalie, dass alle Umfragen vom Kabinett (dem Wirtschaftsministerium) und keine von der Fachabteilung in Auftrag gegeben worden waren. Der Auskunftspflichtige gab an, die internen Abläufe des Vergaberechts nicht zu kennen. Er geht aber davon aus, dass seine zehnjährige Erfahrung eine Rolle gespielt haben könnte.

“Haben Sie sich jemals mit der Abteilung befasst?”

NEOS interessierte sich für die Studien des Wirtschaftsministeriums für die Abgabe von Angeboten und Fragen: „Hatten Sie etwas mit dem Fachbereich zu tun?“, fragte die Fraktionsvorsitzende Stephanie Krisper. Der Interviewer konnte sich nicht mehr erinnern. „Für mich ist klar, dass der Empfänger das Ministerium ist. Ich sehe es als großes Ganzes, als Ganzes. Ich kann nicht sehen, wer im Hintergrund auch Fragen abstimmt.”

ORF.at/Lukas Krummholz NEOS-Abgeordneter Krisper fragte nach dem Start der Wahlen

Im Fall des Tourismusministeriums und des Außenministeriums konnte der Informant auf Nachfrage von Krisper ebenfalls keine Auskunft geben. Den NEOS-Politiker interessierte auch, dass während seiner Tätigkeit im Jahr 2015 (noch bei der GfK) eine Rechnung aus einer Studie zum Westbalkan direkt an Fleischmann ging. Die Buchhaltung sei dort laut Auskunftsgeber in einer eigenen Abteilung untergebracht, habe damit aber nichts zu tun. Später enthüllte die SPÖ, dass ihm auch eine E-Mail von Fleischmann zugegangen sei: Der Auskunftsgeber könne sich „leider“ nicht mehr an Studie und Korrespondenz erinnern.

Verwirrung um das Kürzel „BEV“

Krisper wollte außerdem wissen, wer der Ansprechpartner der Auskunftsperson im Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) sei. Der Geschäftsführer von Demox fragte, wie der NEOS-Politiker zu dem Schluss gekommen sei, dass das Büro sein Mandant sei. Krisper bezog sich in einer Umfrage auf das Kürzel „BEV“, der Befragte gab an, dass „BEV“ „Bevölkerung“ bedeute.

Allerdings erklärte die ÖVP in einer Stellungnahme gegenüber dem „Standard“, dass Demox im Rahmen einer „Busbefragung“ auch Fragen für das Eich- und Vermessungsamt gestellt habe. Laut ÖVP bezahlte der Parlamentsklub die Umfrage mit einer Frage zu Maurer: Alle Klubfunktionäre wurden befragt.

“Einsendungen kamen aus verschiedenen Bereichen”

Natürlich ist die ÖVP anders an die Umfrage herangegangen und hat versucht, das Auftreten einzelner Fragen in den Umfragen mit dem Demox-Chef zu besprechen. Obligatorisch fragte Corinna Scharzenberger zum Beispiel, warum eine Umfrage zur Zufriedenheit mit dem Pandemiemanagement der Regierung auch Meinungen über die Opposition einbeziehe. Allerdings müssten die Studien laut U. erschöpfend betrachtet werden. „Um sich ein Stimmungsbild zu machen, braucht man mehr als Einzelfragen, es ist immer eine Summe.“

ORF.at/Lukas Krummholz ÖVP-Obmann Scharzenberger an den Unterausschuss

Alle Fragen werden dem Kunden vorgelegt, der dann sein Einverständnis gibt. Gab es Anregungen aus den Ministerien? „Tickets kamen …

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