„Krankenhäuser werden überrannt“

21.07.2022 17:45 (22.07.2022 10:19)

Gerald Fleisch, Geschäftsführer der KHBG ©VOL.AT

Erschöpft, weich und müde: So fühlt sich das Krankenhauspersonal in Vorarlberg, wie KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch im Studio von „Vorarlberg LIVE“ erklärt.

Beschäftigte waren in den Pandemiejahren stark belastet. Sie sollten mehr Planungssicherheit erhalten. „Hier haben wir alles Mögliche getan“, auch um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenzuwirken.

Verantwortlich für die hohe Belastung sei auch, „dass die Krankenhäuser überfordert sind“, sagt der KHBG-Geschäftsführer. „Wir hören immer wieder, dass man im privaten Bereich nicht immer jeden Arzt oder jede Pflegekraft erreichen kann. Das spüren wir sehr stark. Das heißt in Notfällen. Fleisch erwartet Eigenverantwortung. Krankenhäuser sind rund um die Uhr da: „Das ist ein Riesenerfolg. Aber wenn du das Gefühl hast, ausgenutzt zu werden, ist das nicht schön.”

An Ärzten mangelt es nicht

Die Hotline 1450 leiste bereits einen guten Beitrag zum Patientenmanagement, sagt der Leiter der Betriebsgesellschaft des Krankenhauses. „Es wird viel verwendet und ist eine gute Hilfe, um zu wissen, mit welchen Symptomen und Bedenken Sie wohin gehen.“

Die Geschichte vom Ärztemangel hält Fleisch für falsch: „Natürlich gibt es in Österreich keinen Ärztemangel. Österreich hat die höchste Ärztedichte in Europa, rund 5,14 Ärzte pro 1.000 Einwohner.“ Es ist also eher ein Umverteilungsproblem. Viele Ärzte würden nicht an der richtigen Stelle platziert. Vielmehr sollte die Frage lauten, inwieweit die niedergelassene Ärzteschaft in der Versorgung voll wirksam ist.

Auf die Forderung der Ärztekammer nach mehr Ausbildungsplätzen in Krankenhäusern reagiert Fleisch damit, dass es bereits viele Plätze im Klinisch-Praktischen Jahr, in der Grundausbildung und in der Facharzt- oder Allgemeinmedizinerausbildung gebe. „Man darf das System nicht überreizen, weil wir uns auch darum kümmern müssen, aber die Ausbildungs- und Lernplätze binden Personal.“ Auch historisch gebe es Mängel, räumt der KHBG-Chef ein. Es ist schwieriger, Kinder mitzubringen. Grundsätzlich sind die Krankenhäuser in Vorarlberg bei jungen Ärzten aber unglaublich gefragt. 2021 mussten rund 150 Bewerber abgelehnt werden.

Überreste der Mutterschaft

Fleisch hält den Sommerbetrieb in Krankenhäusern für sinnvoll. So könnten Mitarbeiter Überstunden abbauen und Urlaub nehmen. Im Landeskrankenhaus Bludenz war es wichtig, die Mitarbeiterinnen der Gynäkologie und Geburtshilfe zu entlasten. Deshalb wurde die dortige Station für einen Monat geschlossen. „Das entspricht etwa 40 Geburten während des Shutdowns, die sich gut auf die anderen Stationen im Land verteilen lassen.“ Die Geburtshilfe in Bludenz bleibt selbstverständlich bestehen.

„Abtreibung nicht tabuisieren“

Zum Abtreibungsangebot in Vorarlberg sollen Ende Sommer Gespräche mit der Landesregierung aufgenommen werden: „Krankenhäuser werden nicht grundsätzlich geschlossen. Aber wir ziehen es vor, diesen Eingriff nicht in Krankenhäusern durchführen zu müssen.“ Doch bevor die Frauen das Land verlassen müssen, stehen die Türen offen. Gleichzeitig brauchen Frauen eine gute Beratung, auch über Alternativen wie die anonyme Geburt oder das Ausbrüten des Babys. Abtreibung sollte die absolute Notlösung sein, sagt Fleisch: „Aber das Thema sollte kein Tabu sein. In Österreich gibt es jährlich zwischen 30.000 und 40.000 Abtreibungen.“ Niemand in Krankenhäusern werde zu einer solchen Operation gezwungen, “aber es gibt Mitarbeiter, die dazu bereit wären.”

Die gesamte Sendung

Die Sendung „Vorarlberg LIVE“ ist eine Kooperation von VOL.AT, VN.at, Ländle TV und VOL.AT TV und wird montags bis freitags ab 17 Uhr ausgestrahlt. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

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