Stand: 10.06.2022 02:48 Uhr
Ohne Waffenlieferungen aus dem Westen hätte die ukrainische Armee keine Feuerkraft, sagte Analyst Gressel täglich. Der ukrainische Präsident Selenskyj meldete kleine Erfolge.
Militärexperte Gustav Gressel bezeichnete die Lage der ukrainischen Armee ohne zeitnahe Nachschublieferungen aus dem Westen als sehr schwierig. Die russische Armee habe nicht nur eine große Überlegenheit bei der Artillerie, sondern auch viel größere Munitionsvorräte, sagte er in einem Interview mit Tagesausgaben. Die ukrainische Rüstungsindustrie hingegen wurde durch russische Angriffe weitgehend zerstört.
„Das größte Problem der Ukraine ist der Stillstand bei den Waffenlieferungen“, sagte Gustav Gressel, Europäischer Rat für auswärtige Angelegenheiten.
Tagesthemen 22:15, 9.6.2022
Zögernde Hilfe aus dem Ausland
Langsam, langsam und mit Zähigkeit kommt die angekündigte Militärhilfe aus dem Westen, so der Experte des Berliner Europäischen Auswärtigen Rates. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Gressel. “Es ist schwierig, es ist noch nicht unmöglich.”
Bedenkt man, dass die Frontlinie etwa 1.000 Kilometer lang ist und an verschiedenen Stellen heftig gekämpft wird, relativiert sich auch die Zahl von etwa 90 amerikanischen Granaten. “In einem so großen Land verlieren sie sich sehr schnell in der Landschaft.”
Die Ukraine hat keine Feuerkraft
Die ukrainische Armee hat keinen Mangel an Kämpfern, aber Probleme mit Feuerkraft und Mobilität. Für erfolgreiche Gefechte werden beispielsweise Kampfpanzer und Infanterie-Kampffahrzeuge sowie Artilleriegeschütze benötigt.
Nach mehr als 100 Tagen Krieg gegen die Ukraine sieht Gressel nun in vielen westlichen Ländern “eine gewisse Müdigkeit”. Dadurch werden sich wohl auch Waffenlieferungen verzögern.
Selenskyj berichtet über die Erfolge in Charkiw
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in seiner Videobotschaft am Abend von positiven Nachrichten aus der südöstlichen Region Saporischschja. Dort gelang es den ukrainischen Streitkräften, die russischen Truppen zu verteidigen. Außerdem rückt die ukrainische Armee in die Region Charkiw vor.
Einer der Brennpunkte der Kämpfe liegt nach wie vor in der Stadt Sievjerodonetsk. Dort kommt es zwischen ukrainischen und russischen Soldaten zu heftigen Häuserkämpfen.
Konfliktparteien als Quelle
Die Angaben der offiziellen Stellen der russischen und ukrainischen Konfliktparteien zu Kriegsverlauf, Bombenanschlägen und Opfern können in der aktuellen Situation nicht direkt von einer unabhängigen Stelle überprüft werden.
Auch die Nachbarstadt Lysychansk muss von der ukrainischen Armee weiter befestigt werden. Die Region ist der letzte noch nicht von Russland kontrollierte Teil der Region Luhansk. Beide Seiten erkennen den hohen Symbolwert der Region an, was zumindest teilweise die heftigen Kämpfe erklärt.
Einige westliche Militärexperten glauben, dass die ukrainische Armee dort ein großes Risiko eingeht. Gelingt es den russischen Einheiten um Popasna weiter vorzudringen, wäre das Gebiet um Sievjerodonetsk und Lysychansk eingekreist. Damals konnten ukrainische Streitkräfte nicht mehr versorgt werden.
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