Krieg gegen die Ukraine Selenskyj besucht die Mykolajiw-Front

Stand: 18.06.2022 17:40 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj besuchte die Frontregion Mykolajiw, in Siewerodonezk gehen die Kämpfe weiter. Kiew will erst Ende August wieder mit Moskau sprechen: Man erhoffe sich “nach den Gegenangriffen” eine bessere Verhandlungsposition.

Nach Angaben seines Büros hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine weitere Frontregion besucht: Mykolajiw im Süden des Landes. Unter anderem besichtigte er das von einer russischen Rakete zerstörte Gebäude der Regionalverwaltung. Das Loch ist zu einem der Symbole für die Zerstörung der zivilen Infrastruktur in der Ukraine geworden.

Ein Video auf seinem Telegram-Kanal zeigt, wie Selenskyj nach einer Informationsveranstaltung unter anderem dem Militärgouverneur der Region Mykolajiw Witali Kim und dem Bürgermeister Oleksandr Senkewitsch Medaillen überreicht.

„Wir haben über den Zustand der Wirtschaft, die Wiederherstellung der Wasserversorgung und den Zustand der Landwirtschaft gesprochen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Bedrohung von Land und Meer gelegt“, heißt es in der Videobeschreibung.

Mykolajiw liegt an der Schwarzmeerküste und gilt als wichtiger Außenposten von Odessa. Die Stadt ist vor allem für ihre Werften und als Industriestandort bekannt. Kurz nach Kriegsbeginn schien Mykolajiw zu fallen. Doch ukrainische Truppen konnten den russischen Vormarsch aufhalten, teilweise sogar zurückdrängen.

Weiß schattiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schattiert: separatistische Zonen mit russischer Unterstützung. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW / 17.06.2022

Sievjerodonetsk kämpfte immer noch hart

Nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums befindet sich die Zivilbevölkerung in der stark umkämpften und strategisch wichtigen Stadt Siewjerodonezk in einer schwierigen Lage. Es gibt fast keine Abfahrten aus der Stadt. Ukrainische Soldaten und Hunderte Zivilisten sollen Widerstand gegen die Chemiefabrik Azot geleistet haben.

Nach Angaben des Regionalgouverneurs von Lugansk, Serhij Hayday, wird der Kampf um Siewerodonezk zunehmend in den umliegenden Dörfern ausgetragen. Russische Truppen und ihre separatistischen Verbündeten seien bisher bei ihren Versuchen gescheitert, die Dörfer einzunehmen, berichtete Hajdaj auf seinem Telegram-Kanal. Ihm zufolge befindet sich die Stadt Sievjerodonetsk noch nicht unter der vollen Kontrolle Russlands.

Für die Menschen im benachbarten Lyssychansk wird die Lage derweil immer gefährlicher: Da die russischen Truppen nicht vorrücken können, “bomben sie die Stadt einfach aus der Luft”, erklärte der Gouverneur.

Konfliktparteien als Quelle

Die Angaben der offiziellen Stellen der russischen und ukrainischen Konfliktparteien zu Kriegsverlauf, Bombenanschlägen und Opfern können in der aktuellen Situation nicht direkt von einer unabhängigen Stelle überprüft werden.

Angriff auf Ölraffinerie

Ukrainischen Quellen zufolge gab es am Morgen auch einen Raketenangriff auf die größte Ölraffinerie der Ukraine. Nach Angaben der örtlichen Behörden trafen sechs Raketen die Verarbeitungsanlage Kremenchug. Zwei weitere Raketen hätten ein Fernheizwerk beschädigt, sagte Gouverneur Dmitro Lunin.

Die dortige Raffinerie war bereits im April und Mai durch Raketenangriffe beschädigt und deshalb geschlossen worden. Nach dem heutigen Anschlag soll die Anlage komplett neu aufgebaut werden, sagte Lunin. Die Raffinerie war die einzige Ölverarbeitungsanlage in der Ukraine und deckte etwa ein Drittel des Brennstoffbedarfs.

Der ukrainische Präsident Selenskyj besucht andere führende Regionen

Judith Müllender, WDR, Tagesschau 17 Uhr, 18. Juni 2022

Die Ukraine sagt, ein weiteres russisches Schiff sei gesunken

Nach ukrainischen Berichten hat Russland erneut ein Schiff seiner Schwarzmeerflotte durch Angriffe der ukrainischen Armee verloren. Der Schlepper „Vasili Bech“ wurde durch ukrainische Raketen beschädigt. „Später wurde bekannt, dass er zusammengebrochen war“, sagte der Militärgouverneur von Odessa, Maxym Marchenko, in einer Videoansprache auf seinem Telegram-Kanal. Es gibt keine Bestätigung aus russischen oder unabhängigen Quellen.

Ukrainischen Quellen zufolge wurde das 2017 in Dienst gestellte und mit einem Tor-Luftverteidigungssystem ausgestattete Schiff von Harpoon-Raketen getroffen. Dänemark lieferte Bombenabwehrraketen an die Ukraine.

Kiew will die Verhandlungen mit Moskau erst Ende August wieder aufnehmen

Unterdessen bereitet sich die Ukraine auf einen langwierigen Verteidigungskrieg gegen Russland vor. Der ukrainische Chefunterhändler David Arakhamiya will Ende August nach Gegenangriffen die Gespräche mit Moskau wieder aufnehmen. Die Ukraine werde dann eine bessere Verhandlungsposition haben, sagte er gegenüber Voice of America.

Die Verhandlungen für ein Friedensabkommen begannen kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Ende März schlug Kiew bei Gesprächen in Istanbul unter anderem vor, der Nato nicht beizutreten, wenn das Land im Gegenzug internationale Sicherheitsgarantien erhalte. Russland fordert aber auch eine Entmilitarisierung und Gebietsabtretung.

Mit Informationen von Palina Milling, ARD Studio Moskau

Ukrainischer Krieg: Samstagnacht-Update

Palina Milling, ARD Moskau, 18.6.2022 17:29

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