Russlands Krieg gegen die Ukraine verursacht nicht nur Tod und Leid für seinen Nachbarn und verursacht weltweite Nahrungsmittelknappheit, sondern auch einen Mangel an Schlüsselchemikalien, die in Schweizer Müllverbrennungsanlagen verwendet werden.
Wie die SonntagsZeitung schreibt, werden Ammoniaklösungen in Verbrennungsanlagen zur Rauchgasreinigung eingesetzt, um die Stickoxidemissionen zu reduzieren. Capture: Zur Herstellung von Ammoniaklösungen wird viel Erdgas benötigt. Erdgas kommt unter anderem aus Russland.
Der Krieg in der Ukraine könnte in der Schweiz zu Müllbergen führen
„Wir sind sehr besorgt“, sagte Robin Quartier, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes der Abfallbehandlungsanlagenbetreiber, der Zeitung. In Italien beispielsweise musste die Produktion teilweise bereits vorübergehend eingestellt werden. „Eine Schließung der russischen Erdgasversorgung würde die Situation erheblich verschärfen. Er befürchtet, dass zu diesem Zeitpunkt nicht genügend Ammoniak produziert wird.“
Die Anlagen könnten zwar auch ohne Ammoniaklösungen betrieben werden, „damit werden aber die Grenzwerte für Stickoxidemissionen überschritten.“ Im Klartext: Die Belastung der Umwelt würde zunehmen. Die einzige Alternative ist, den Betrieb von Müllverbrennungsanlagen einzustellen. Die Folge: „Aber dann türmen sich die Müllberge auf und die Gefahr unkontrollierter Müllbrände steigt.“
Bund und Kantone müssen eine Lösung finden
Auch bei der Zementherstellung werden Chemikalien eingesetzt. Und auch hier könnten die Grenzwerte ohne die Ammoniaklösungen überschritten werden. Stefan Vannoni, Geschäftsführer des Vereins Cemsuisse, erklärt gegenüber der «SonntagsZeitung»: «Es ist wichtig, die Interessen im weltwirtschaftlichen und allgemein ökologischen Sinne abzuwägen.»
Das Thema beschäftigt nun auch die Politik. Bastien Girod, Präsident des Verbandes der Abfallverwertungsanlagen und Nationalrat der Grünen, brachte das Thema ins Bundeshaus. „Wir brauchen schnell einen Notfallplan“, sagte er. „Es besteht die Gefahr, dass wir plötzlich verschmutzte Luft einatmen müssen und in Müllbergen versinken. Das gilt es zu vermeiden.“ Jetzt seien Bund und Kantone gefragt.“ (chs)
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