Krieg in der Ukraine: Ungarn erklärt den Ausnahmezustand

Er will sich aus dem Ukrainekrieg heraushalten, nutzt ihn aber zum Regieren: Stunden nach der Vereidigung seiner neuen Regierung hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (58) den Notstand ausgerufen und mit dem Krieg in der Ukraine begründet.

Brisant: Der Aufstieg der Krone in Ungarn wäre gerade zu Ende gegangen, Orbán zieht nun perfekt nach und kann daher per Dekret des Parlaments weiter regieren, obwohl seine Fidesz-Partei über eine Zweidrittelmehrheit verfügt.

Mit aufgeknöpftem weißem Hemd und hochgekrempelten Ärmeln verlas Orbán eine Erklärung von seinem Schreibtisch in Budapest. „Die heute vereidigte Regierung hat ihre Arbeit sofort aufgenommen. Wir haben keine einzige Minute verloren, weil in unserer Nachbarschaft Krieg ist“, sagte Orbán.

Ein endloser Krieg in Sicht, der eine „ständige Bedrohung“ für die physische Sicherheit, die Energieversorgung und die finanzielle Sicherheit der Ungarn darstellt.

Orbán: „Wir sehen, dass der Krieg und die Sanktionen in Brüssel einen enormen wirtschaftlichen Umbruch und drastische Preissteigerungen verursacht haben. Die Welt steht am Rande einer Wirtschaftskrise. Ungarn muss sich aus diesem Krieg heraushalten und die finanzielle Sicherheit seiner Familien schützen“, sagte er.

Nun brauche es laut Orbán “Handlungsspielraum und sofortiges Handeln”, weshalb die Regierung heute ab Mitternacht den Kriegszustand ausrufe.

Zur Erinnerung: Der ungarische Ministerpräsident schimpft mit EU-Sanktionen, unterstützt sie aber nachdrücklich, mit Ausnahme von Energieembargos. Er ist jedoch ein ausgesprochener Gegner von Waffenlieferungen an die Ukraine und behindert sogar die Lieferungen anderer westlicher Partner über ungarisches Territorium in das überfallene Nachbarland.

Während sich die anderen Visegrad-Staaten Polen, Tschechien und die Slowakei schamlos mit der Ukraine solidarisieren, tritt der ungarische Ministerpräsident einen Schritt zurück, um Putin nicht vor den Kopf zu stoßen.

Der Grund dafür: Energiesicherheit. Ungarn bezieht 80 Prozent seines Erdgases aus Russland, und die Russen sollten in der ungarischen Stadt Paks ein Atomkraftwerk bauen, wie Orbán nicht müde wird zu betonen.

„Wie der während der Epidemie eingeführte Notfall wird dies der Regierung ermöglichen, sofort zu reagieren und Ungarn und ungarische Familien mit allen Mitteln zu schützen“, sagte Orbán.

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie jetzt per Dekret ergreifen? Die ungarischen Bürger werden es morgen erfahren. Schon am Mittwoch wolle er “über erste Entscheidungen berichten”, sagte Orbán am Ende.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *