In Deutschland steigt die Zahl der Kronen-Neuinfektionen wieder an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag 105.840 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg bundesweit von 332 am Vortag auf 447. In Deutschland erfasst die Inzidenz nur durch einen PCR-Test bestätigte Infektionen. Daher werden nicht viele asymptomatische Infektionen gezählt oder erst mit einem positiven Schnelltest bestätigt, wenn die Symptome klar sind.
107 weitere Menschen starben innerhalb von 24 Stunden im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Deutschland auf 139.914. Auch die Zahl der Patienten mit Kronen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser ist wieder gestiegen: Nach 611 am Sonntag waren es am Montag 640.
Allerdings unterliegt insbesondere die Zahl der Neuinfektionen aufgrund von Meldeverzögerungen noch starken Schwankungen. Am Wochenende festgestellte Neuinfektionen werden oft erst zu Beginn der Folgewoche erfasst. Signifikant bleibt jedoch der 7-Tage-Inzidenztrend, mit dem die Fallzahlen über einen längeren Zeitraum erfasst werden können. Nach den Berechnungen von Süddeutsche Zeitung Die Inzidenz hat sich in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt.
Nach einem deutlichen Rückgang der Corona-Fallzahlen im Frühsommer gibt es nun Hinweise auf eine dritte Welle mit Varianten des Omicron-Virus. Die neuen Varianten, die sich laut RKI rasant ausbreiten, sind BA.4 und BA.5. „Dies deutet darauf hin, dass diese Omicron-Unterlinien in wenigen Wochen den größten Teil der Beweise ausmachen sollten“, heißt es im RKI-Wochenbericht. Das RKI schreibt, dass im Sommer und nicht nur im Herbst mit einem Anstieg der Infektionszahlen und einem erneuten Anstieg des Infektionsdrucks auf besonders gefährdete Personengruppen zu rechnen sei.
Debatte über das Infektionsschutzgesetz
Die Europäische Agentur für die Prävention von Krankheiten (ECDC) hat davor gewarnt, dass BA.4 und BA.5 offenbar kein höheres Risiko für schwere Erkrankungen darstellen als andere Omicron-Formen. Allerdings besteht die Gefahr, dass eine Zunahme der Fallzahlen allein aufgrund höherer Übertragungsraten zu einer höheren Zahl von Kliniken und Todesfällen führt.
Der erneute Anstieg könnte auch durch einen langsamen Rückgang des Impfschutzes in der Bevölkerung begünstigt werden. Insgesamt wurden am Montag etwas mehr als 2.000 Menschen geimpft. 77,6 % der Bevölkerung wurden mindestens einmal geimpft.
Die Ampelkoalition berät derzeit, wann und wie sie das Infektionsschutzgesetz an die neue Situation anpassen will. Bis zum 23. September gelten die aktuellen Regelungen zu grundlegenden Schutzmaßnahmen, wie etwa der eingeschränkten Maskenpflicht. Obwohl die FDP eine Neuregelung erst nach der Sommerpause will, drängen SPD und Grüne auf eine möglichst baldige Debatte.