„Kultur abbrechen“: Was kann man eigentlich noch sagen?

Guten Morgen, lieber Leser,

Heute kommen wir zu etwas ganz anderem: nämlich zu der Frage, ob es erlaubt ist, Dinge beim richtigen Namen zu nennen oder nicht. Mit anderen Worten: Wenn eine Birne eine Birne ist oder vielleicht ein Apfel. Und wenn man es heute noch laut sagen kann. Oh, denkst du, es ist morgens zu kompliziert? Dann folgen Sie mir bitte einen Moment zum berühmten Film „Pappa ante Portas“ aus dem berühmten Comic Loriot, denn dort gibt es eine illustrative Szene eines Paares am Esstisch:

Er: “Aber das ist ein Apfel …”

Sie: “Mit Schokoladensoße.”

Er: “Dann ist es keine Helene-Birne, sondern ein Helene-Apfel.”

Sie: “So etwas gibt es nicht.”

Er: “Ein Apfel ist ein Apfel und eine Birne ist eine Birne!”

Sie: “Lass es, wenn es dir nicht gefällt.”

Er: “Gefällt mir.”

Er: “Ich esse es, aber nicht mit falschem Namen!”

Nur ein Schlag ins Gesicht von einer harmlosen Komödie, meinst du? Überhaupt nicht, antworte ich. Die große Komikerin Loriot hält uns mit dieser kleinen Szene den Spiegel vor, und elf Jahre nach ihrem Tod können wir mehr von ihr lernen als von jeder Universitätsvorlesung.

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Einfügung

Warte, College-Vorlesung? Genau, da war was: Der Fall der Humboldt-Universität in Berlin hat bundesweit Aufsehen erregt. Eine Handvoll linker Aktivisten demonstrierte dort gegen einen Wissenschaftler, der darüber reden wollte, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt. Der Rektor der Universität lenkte ein und sagte die Vorlesung ab. Als es Kritik aus Politik und Medien regnete, kündigte die Universitätsleitung hastig an, die Konferenz nachzuholen. Auf den ersten Blick eine kleine Veranstaltung, bei näherer Betrachtung aber Ausdruck einer fragwürdigen Tendenz in den akademischen Kreisen deutscher Großstädte.

Wenn Sie den Aktivisten zuhören, was meine Kollegin Antje Hildebrandt in einem Interview getan hat, erfahren Sie, mit welch unerbittlichen Menschen sie ihre Agenda durchsetzen und Andersdenkende ausschließen wollen. In Amerika wird das Phänomen als „Kultur der Stornierung“ bezeichnet; Dort vergiftet sie gesellschaftliche Debatten und nährt den Kulturkampf zwischen rechts und links: Bestimmte Positionen werden als diskriminierend abgestempelt, weshalb sie versucht, ihre Vertreter zu diskreditieren und gesellschaftlich auszugrenzen.

Die Wut der Fans kennt keine Grenzen. Auch ein Fall in der süddeutschen Kleinstadt Tübingen macht Schlagzeilen: Dort fordert eine Gruppe linker Aktivisten die Umbenennung der Universität, damit ihr Namensgeber, Graf Eberhard im Bart, feststellt: Mann lebte im 15 Jahrhundert. – er war Antisemit (was stimmt, weil bei näherer Betrachtung zweifelhaft ist). Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, selbst Freund der scharfen Kontroverse, kritisierte die „Kultur der aufgeweckten Absage“. Mittlerweile beschäftigen sich sogar Wissenschaftler mit dem Phänomen der „Kultur der Absage“ und untersuchen, inwieweit die Meinungsfreiheit bedroht ist.

Denn genau darum geht es: um die Unfähigkeit, gehört zu werden und andere Sichtweisen zu tolerieren. Das ursprünglich vernünftige Anliegen, Rassismus und sprachliche Diskriminierung (um nicht zu sagen Beleidigungen beispielsweise von dunkelhäutigen Menschen) zu verhindern, ist zu einem absurden Zensurwahn verkommen. Paradoxerweise fordern Aktivisten einerseits eine möglichst große Vielfalt an Lebensstilen, Weltanschauungen und sexuellen Orientierungen. Andererseits schließen sie andere Einstellungen kategorisch aus. So wird das Klassenzimmer zum Verhörraum und das Internet zur Echokammer für Extremisten.

In Zeiten wachsender Aufregung über weit verbreitete Krisen ist diese Entwicklung besorgniserregend. Wenn wir anfangen, uns gegenseitig zum Schweigen zu bringen, anstatt respektvoll zu streiten, bricht der gesellschaftliche Konsens zusammen. Jeder lebt in seiner eigenen Realität, das ist klar. Aber jeder sollte bereit sein, die Realitäten anderer zu akzeptieren, sie zu diskutieren und Verpflichtungen zu prüfen. Und wo es keine Kompromisse gibt, muss man unterschiedliche Meinungen einfach ertragen. Auch wenn eine Birne manchmal wie ein Apfel aussieht.

Was ist los?

Die Ampelkoalition will wichtige Gesetze im Bundestag verabschieden: Schnellster Ausbau von Windrädern und Solaranlagen, gleichzeitig aber mehr Betriebszeit für klimaschädliche Kohlekraftwerke sowie die Möglichkeit virtueller Hauptversammlungen . von Aktiengesellschaften und einfachere Bestellprozesse für die Bundeswehr. Zur Behandlung des chaotischen Rückzugs aus Afghanistan sollte eine Untersuchungskommission eingesetzt werden. Anschließend debattiert das Parlament in der Kunstausstellung „Dokument“ über den Antisemitismus-Skandal. Am Abend beantwortet Bundeskanzler Olaf Scholz in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner einige Fragen aus dem Publikum.

Boris Johnson gilt als Premierminister auf der Hut. (Quelle: Frank Augstein / AP / dpa-Bilder)

Regierungsabend in Großbritannien: In London werden die Stunden bis zum erwarteten Rücktritt des Premierministers gezählt. Andere Kabinettsmitglieder schlugen vor, dass er gestern Abend gehen sollte, aber Boris Johnson hält immer noch an seinem Posten fest.

Experten des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen stellen in Genf einen Plan zur Linderung des Hungers in Ostafrika und Teilen Asiens vor. Hoffentlich hören viele Führungskräfte zu.

Die Präsidenten Polens und Litauens durchqueren das Grenzgebiet Polens und Litauens bis zur russischen Enklave Kaliningrad. Sie besuchen einen mobilen Kommandoposten der Northeast Multinational Division in Szypliszki, Polen, und anschließend eine militärische Einrichtung in Marijampole, Litauen. Putin hat die beiden Nato-Staaten wiederholt bedroht.

In Berlin präsentiert der ehemalige DDR-Staatschef Egon Krenz den ersten Teil seiner Autobiographie … oh nein, das ist kein wichtiges Thema.

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Liliuokalani, die letzte Königin von Hawaii (Quelle: Haeckel Archiv / ullstein-bild)

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