Kulturgüter der Zentralschweiz: Was Churchill, sein Luzerner Koch, servierte

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Eine neue Plattform bringt historische Perlen der Zentralschweiz ans Licht. Er soll wachsen, auch dank der Pflasterfunde.

Winston Churchill war ein Mann mit gesundem Appetit, und Liselotte Kaufmann-Sigrist machte sich jeden Tag klar, was sie brauchte. Am 10. Juni 1951 zum Beispiel: „Smoked Salmon“ ist in „Lunch“ im Notizbuch mit bordeauxfarbenem Einband vermerkt. Dazu gehören: gefüllte Ente, Reis, Kartoffeln, Tomaten und zum Nachtisch Marmeladenkuchen.

Es mag nicht beunruhigen, aber es ist sicherlich ein interessantes Zeitdokument. Denn es wurde von einem 19-jährigen Ebikon-Mädchen in Luzern geschrieben: Liselotte Kaufmann-Sigrist folgte ihrer Hauswirtschaftslehrerin in Grossbritannien und arbeitete anderthalb Jahre als Küchenhilfe bei Chartwell, der Farm von Churchill, der anfangs war Oppositionsführer und wurde dann zum zweiten Mal britischer Premierminister.

Titel: Ein gesunder hungriger Premierminister, über dessen Luzerner Hilfskoch eine Aufzeichnung von Winston Churchill in einer Aufnahme von 1954 führt.

Als sie nach Hause zurückkehrte, brachte sie unter anderem ein Arbeitszeugnis, eine kurze Nachricht von Churchill, Fotos, einen Aschenbecher mit dem Bild des Premierministers und Menübücher mit.

All dies ist nun auf der neuen Plattform „ZentralGut“ der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern ZHB öffentlich zugänglich. Und es ist nur ein Beispiel von vielen.

Titel: Eine von Liselotte Kaufmann-Sigrists Erinnerungen an ihre Zeit als Churchills Köchin: ein Aschenbecher, der dem Premierminister ähnelt. Historisches Museum Luzern

Auf der Plattform sind Tausende Zentralschweizer Grafiken, Stiche, Manuskripte, Fotografien und Postkarten abrufbar. Dazu kommen Filme des Obwaldner Fotografen Carl Abächerli, der in den 1920er-Jahren begann, bewegte Bilder festzuhalten. Oder die “Kabel-Fernsehen Zug”-Sendungen der frühen 1980er-Jahre.

Schätze sollen nicht mehr im Archiv verstauben

Mirjam Zürcher ist die gemeinsame Leiterin der Plattform. Der Schatz an Zeitzeugen aus der Vergangenheit sei in der Zentralschweiz überwältigend, sagt er. Und auch, wie viele Menschen hier interessante Spuren hinterlassen hätten. Aber: “Ihre Nachlässe sind irgendwo in einem Archiv oder einer Bibliothek gelandet, wo sie für die meisten Menschen nicht sichtbar sind.”

Es ist überwältigend, wie viele Menschen hier interessante Spuren hinterlassen haben.

ZentralGut will das ändern. Anstatt Objekte zu digitalisieren und dann ruhen zu lassen, will die Plattform sie öffentlich machen. „Das sind Dinge, die keine Ausstellung werden, weil es vielleicht bessere Beispiele für die Vitrine gibt“, sagt Zürcher. “Aber sie sind immer noch wertvolle Quellen.”

Ballonzug nach Rigi, Dromedare in Zug

Darunter sind auch Visionen der Vergangenheit, die einem schmunzeln lassen. So etwa ein Schaubild von 1859, das die Idee einer Ballonfahrt auf der Rigi zeigt, etwa ein Jahrzehnt vor dem Bau der Zahnradbahn. Eine Fotografie von 1865 zeigt Dromedare, die durch die Zuger Altstadt getrieben werden. Und in Giswil gab es um 1910 offensichtlich eine Pferdekutsche.

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Titel: Ein Gedankenspiel rund zehn Jahre vor Inbetriebnahme der Rigi-Zahnradbahn: „Die Pendelbahn auf die Rigi“, 1859. Sondersammlung ZHB Luzern

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Titel: Nordafrika trifft Zentralschweiz: „Drei Dromedare bei der St. Oswaldsgasse“, eine Fotografie von 1865. Bibliothek Zug (Sammlung Glasplatten.

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Titel: Motorkutsche im wahrsten Sinne des Wortes: «Giswil, Gasthaus Bahnhof, Pferdekutsche». Foto des Obwaldner Fotografen Josef Abächerli um 1910. Staatsarchiv Obwalden

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Titel: Das Thema der Postkarte hat sich in über 120 Jahren kaum verändert: «Grüße aus Luzern» von 1899. ZHB Spezialsammlung Luzern

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Titel: Die Hammetschwandbahn zum Bürgenstock gibt es noch, Zeppeline sind selten geworden: Postkarte “Bürgenstock – Die Ballonbahn”. Sondersammlung ZHB Luzern

«ZentralGut» soll zum digitalen Gedächtnis der Zentralschweiz werden und wachsen. Auch mit Hilfe von Privatpersonen: Wer alte Dokumente oder Fotos auf dem Dachboden findet, kann ein Foto auf der Plattform hochladen. Das „ZentralGut“-Team wird sich das ansehen, eventuell weitere Informationen einholen und auf der Plattform ergänzen.

Die Plattform will das Wissen der Menschen nutzen

Gleichzeitig werden Bürger aufgefordert, sich an sogenannten Crowdsourcing-Aktionen zu beteiligen. «Wir posten Bilder und fragen, ob jemand weiss, wer die Personen sind und was die Bilder zeigen können», sagt Mirjam Zürcher. “Sie sind viel in den Köpfen der Leute gespeichert. Dieses Wissen wollen wir nutzen.” Und wer weiß, vielleicht kommen ja auch noch die Speisekarten anderer Staatsoberhäupter ans Licht.

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