Lagebericht: Desaströse Datenlage zur Corona-Pandemie

Am Freitag um 12.00 Uhr legte der Expertenausschuss der Bundesregierung eine Einschätzung zu bisherigen Landesbeschränkungen vor. Die Ampelkoalition hat sich darauf verständigt, die wissenschaftliche Bewertung abzuwarten, bevor über einen möglichen Tagesmehrbedarf für den Herbst entschieden wird. Für RKI-Chef Lothar Wieler könnte das Dokument bereits Konsequenzen haben: Kurz nach Veröffentlichung der Einschätzung wird seine Entlassung beantragt, unter anderem von FDP-Vizepräsident Wolfgang Kubicki. „Es ist unvermeidlich, dass Lauterbach RKI-Präsident Wieler als verantwortlich für diese Misere abtun wird“, sagte Kubicki von WamS.

Die Bundesgesundheitsminister wollen sich am Freitag ab 14 Uhr auf einer Sonderkonferenz positionieren. Nach Angaben der Welt, die das Dokument bereits gesehen haben will, ist das Ergebnis der Auswertung eine “allgemeine Einigung mit Politik und RKI”. Die Datenlage ist unzureichend, politische Entscheidungen sind nicht transparent. Dagegen fand der Sachverständigenrat in den Pandemiejahren kaum Belege für die Wirksamkeit der Maßnahmen.

„Während andere Länder Wege nutzten, um die Wirkung nicht-pharmazeutischer Maßnahmen zu bewerten, wurde in Deutschland während der Corona-Pandemie weitgehend auf eine koordinierte Begleitforschung verzichtet“, zitiert Die Welt den Bericht. Es gebe kein Forschungskonzept, „um (…) anstehende Entscheidungen in der Pandemie auf Basis besserer Daten und darauf basierender Analysen zu treffen“. Zudem habe die Politik bei keiner der bereits geplanten oder laufenden Studien versucht, „die drängendsten Kampfprobleme auf nationaler Ebene zu lösen“. Es gibt keine gemeinsam koordinierten Forschungsinitiativen. Zudem habe niemand das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen angenommen, “ihre riesigen Datenbanken” zur Verfügung zu stellen.

Wirksamkeit von Corona-Maßnahmen: Desaströse Datenlage

Weiter heißt es, dass in Deutschland „aktuelle Versorgungsdaten für wissenschaftliche Auswertungen nicht maschinenlesbar oder nur eingeschränkt oder mit erheblicher Verzögerung verfügbar sind“. Insgesamt sei die Qualität des Krisenhandelns „beeinträchtigt“. Nun müsse man „als Gesellschaft“ mit dieser desaströsen Datenlage fertig werden.

Die Kommission legt generell Wert auf die Verwendung von Indoor-Masken. Allerdings sagt er auch: „Eine generelle Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken lässt sich aus den bisher vorliegenden Daten nicht ableiten.“ Die Wirkung hängt auch vom Benutzer der Maske ab: “Eine schlecht angepasste und nicht angepasste Maske hat eine reduzierte oder keine Wirkung.”

Experten: Unprovoziertes Testen in Schulen verzerrt den eigentlichen Infektionsverlauf

Unter anderem Christian Drosten hat sich wiederholt für die Schließung von Schulen ausgesprochen. Allerdings wird die Entwicklung der Corona-Pandemie in dem heute veröffentlichten Papier sehr skeptisch gesehen. Die „genaue Wirksamkeit von Schulschließungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus“ sei noch offen, heißt es, dass zwar niemand weiß, ob Schulschließungen die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen konnten, die Maßnahme aber massive Kollateralschäden verursacht hat stellt fest, dass „die Auswirkungen dieser Maßnahme auf das psychische Wohlbefinden der Schüler“ „immens“ sind.

Zudem warnen Experten, sich nicht von vermeintlich hohen Inzidenzwerten bei Kindern und Jugendlichen täuschen zu lassen. Viele Befürworter der Maßnahmen, Politiker und Virologen argumentieren weiterhin mit den hohen Zahlen. In dem Expertenpapier heißt es: „Unzumutbares Testen in Schulen“ bedeute, „eine scheinbar höhere Infektionsrate“ aufzuzeigen. Tatsächlich wird aber nur die „Dunkelziffer besser ausgeleuchtet“, das heißt, es werden mehr Fälle erfasst, die ohne Beweise nicht aufgedeckt würden. Wenn Sie Erwachsene genauso oft testen wie Schüler, hätten Sie den gleichen Effekt.

Blockaden: Nur kurzfristig positive Wirkung, viele Nebenschäden

Ein weiteres Problem ist die Wirksamkeit von Beschränkungen. Beide hätten zwar zunächst „kurzfristig positiv gewirkt“, aber „auf Dauer würden sie von der Bevölkerung weniger akzeptiert und ihre Wirkung verlieren“. Die „unbeabsichtigten Folgen“, also die Kollateralschäden, würden noch schwerer wiegen. Experten zählen “erhöhte häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder”, “erhöhte psychische Erkrankungen” und “existenzielle Buße”.

Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen sind Teil des Expertengremiums, das sich zur Hälfte aus Bundesregierung und Bundestag zusammensetzt. Hauptziel der Auswertung ist es, die Vorgaben im Kontext der „Seuchenlage von nationaler Bedeutung“ zu beleuchten. Diese vom Bundestag nach dem Infektionsschutzgesetz festgelegte Situation dauerte mehrere Monate bis Ende November 2021 und ermöglichte die Schließung zahlreicher Einrichtungen und die Erfüllung des täglichen Bedarfs.

Lauterbach will die Berichte am Nachmittag entgegennehmen

Der Ausschuss hatte bereits angemerkt, dass bis Ende Juni keine „vollständige Bewertung aller Maßnahmen“ erfolgen solle. Zudem seien Erwartungen gedämpft worden, dass es konkrete Empfehlungen an die Politik geben werde. In der Koalition pochte aber vor allem die FDP auf eine Evaluation als Voraussetzung für weitere Schritte. Bis zum Herbst muss eine Nachfolgeregelung gefunden werden, damit die im Frühjahr stark eingeschränkten Kronenbestimmungen des Infektionsschutzgesetzes am 23. September als gesetzliche Grundlage bundesweit auslaufen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will den Bericht am Nachmittag um 14.30 Uhr erhalten. Er hatte angekündigt, noch vor den Sommerferien gemeinsam mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) die Eckpunkte einer Regelung für den Herbst anzustreben; dann könnten sie nach dem Sommer entschieden werden. Der Bundestag macht am 8. Juli eine Pause und tritt in der Woche ab dem 5. September wieder zusammen. Lauterbach und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatten deutlich gemacht, dass es wichtig sei, für den Herbst die richtigen „Winterreifen“ zu haben. Seit Anfang April wurden die meisten täglichen Anforderungen der Regierung entfernt.

Die Union ist besorgt über den Zeitplan. Bei der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag) bezeichnete sich CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge als Sportler, der nach den Sommerferien über die neuen Regelungen für den Herbst entscheiden wolle. Sorge sprach sich gegen weitreichende Einschnitte in die persönliche Freiheit zur Eindämmung des Virus aus. „Erneute Grundrechtseingriffe wie nationale Blockaden oder die Schließung von Schulen und Kindergärten müssen künftig vermieden werden“, sagte Sorge.

„Möglichst breite Ausgestaltung im Infektionsschutzgesetz“

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt rügte die FDP für den Fahrplan. „Ich halte es bei der Bekämpfung einer Pandemie für nicht besonders verantwortungsvoll, auf eine Expertenmeinung zu warten, um im Moment nichts tun zu müssen“, sagte der Grünen-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag). ). Es wäre eine gute Idee gewesen, zumindest die Eckpunkte eines Gesetzentwurfs noch vor den Sommerferien vorzustellen. „Meine größte Sorge ist, dass wir wieder in eine Situation geraten, in der hektisch Dinge auf den Tisch gelegt werden“, sagte Göring-Eckardt.

Mediziner fordern ein möglichst umfassendes Infektionsschutzgesetz. „Einschließung soll auch als eines der letzten Instrumente möglich sein“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). „Im absoluten Notfall müssen die Landesregierungen schnell wieder Geschäfte und Schulen schließen können“, fügte er hinzu.

Der Sachverständigenausschuss zu bisherigen Kronenmaßnahmen ist nicht zu verwechseln mit dem Sachverständigenrat der Bundesregierung, der bereits mehrere Stellungnahmen zu anstehenden Entscheidungen abgegeben hat. Aufsehen erregte das Gremium, nachdem der Leiter der Virologie der Charité Berlin, Christian Drosten, Ende April seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Einer der genannten Gründe war, dass aus seiner Sicht Ausstattung und Zusammensetzung der Kommission nicht ausreichten, um eine qualitativ hochwertige Bewertung gewährleisten zu können. Virologe Klaus Stöhr ersetzt Drosten auf Vorschlag der Union.

Gassen: “Völlig nutzlose Veranstaltung”

Eine neue Widrigkeit gibt es für Gesundheitsminister Lauterbach in der Neuregelung von Bürgertests. Ab Donnerstag sind sie nur noch für Risikogruppen und andere Ausnahmefälle frei. Andernfalls wird eine Zuzahlung von drei Euro fällig. Der Kassenärztliche Verband kündigte in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Schreiben an, dass “Bürgertests künftig nicht mehr abgerechnet und bezahlt werden können”.

Der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, forderte einen kompletten Stopp der Bürgerklagen. „Diese sinnlosen Tests müssen abgeschafft werden. Sie sind zu teuer, die Bürokratie ist riesig und die epidemiologische Bedeutung gleich null“, sagte Gassen der Bild-Zeitung (Freitag). Es sei eine „völlig nutzlose Veranstaltung, gesunde Menschen ohne Grund mit fragwürdiger Qualität zu testen“, betonte der KBV-Chef. PCR-Tests bei Patienten mit Symptomen sind jedoch wichtig, um Kroneninfektionen eindeutig nachzuweisen.

Lauterbach verteidigte die Neuregelung bei „Direkt RTL“. Die Tests würden jetzt mehr Sinn machen….

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